Eschweiler - Die besonderen Schafe und ihr Dilemma

Die besonderen Schafe und ihr Dilemma

Von: Sarah Maria Berners
Letzte Aktualisierung:

Eschweiler. Die Schafe auf der Bergrather Wiese wissen nicht, dass sie etwas Besonderes sind. In ihren eigenen Augen sind sie einfach nur sie selbst, sie sind Schafe - und sie haben all das, was ein Schaf so braucht. Sie haben eine schöne, saftig grüne Wiese, einen gemütlichen Unterstand und Menschen, die sich um sie kümmern.

Sie fressen, laufen über die Weide, schlafen und fressen wieder. Und jetzt, im Frühling, kümmern sich die Muttertiere natürlich auch um ihre Lämmer, denn auch die wollen fressen, laufen und schlafen. Ganz normale Schafe eben - oder nicht? Die Bergrather Schafe sind Ostpreussische Skudden mit einem zotteligen, langen Fell. Und Ostpreussische Skudden sind eine alte Landschafrasse, die vom Aussterben bedroht ist.

Paradox, dass eine kleine Herde dieser Rasse - gerade weil sie vom Aussterben bedroht ist - in Bergrath eine Heimat gefunden hat. Dort gibt es nämlich den Vereine Bine, eine Arbeitsgemeinschaft für Bildung und nachhaltige Entwicklung. Und die hat es sich auf die Fahne geschrieben, die Rasse der Ostpreusischen Skudden zu erhalten oder zumindest einen Beitrag dazu zu leisten.

Schildkröten, Pandabären, Wale und Delphine sterben aus - das alles ist längst bekannt, da schrecken die Menschen auf, da hören sie hin. Schließlich sind es doch besonders imposante Wesen, um die es da geht. Während Skudden einfach nur Schafe sind. Nicht besonders groß, nicht besonders außergewöhnlich, nicht besonders alt - Schafe eben. „Dass Gorillas und sibirische Tiger vom Aussterben bedroht sind, weiß jeder. Das aber auch alte Haus- und Nutztierrassen gefährdet sind, ist unbekannt”, sagt Petra Röllicke vom Bine-Verein.

Das Schweigen der Menschen

Es gab keinen Aufschrei, als bekannt wurde, dass das Bunte Bentheimer Schwein, das Ramsloher Huhn und das Rauhwollige Pommersche Landschaf wohl nicht mehr lange auf dieser Erde weilen werden. An der Tatsache ändern tut das freilich nichts. Die Artenvielfalt geht zurück, der Zeitgeist trägt Schuld.

In den verschiedenen Regionen Deutschlands sind einst über Jahrhunderte verschiedenste Tiere und Pflanzen gezüchtet worden, die besonders gut mit dem lokalen Klima und dem Futterangebot, das gerade vor Ort vorhanden war, ausgekommen sind. „In einer Zeit, in der von der Agrarindustrie gesprochen wird, scheint aber nur noch Platz zu sein für Tiere, die auf eine extrem hohe, einseitige Leistung gezüchtet sind”, kritisieren die Vereinsmitglieder. Viel Fleisch, viele Eier, immer, zu jeder Jahreszeit. Wichtige Eigenschaften wie Robustheit, Langlebigkeit und Widerstandsfähigkeit gingen damit unwiederbringlich verloren.

Dass die Nutzztierarche in Bergrath ausgerechnet die Ostpreussische Skuddennach Eschweiler geholt hat, ist Zufall, hat aber einen schönen Nebeneffekt: Die Wolle der Skudden eignet sich prima zum Filzen. Und einen Filzworkshop kann jeder besuchen, der eine PatenSCHAFt für eines der Tiere übernehmen möchte. Ein Schaf braucht Heu und Stroh, Winterfutter, Wurmkuren und vieles mehr, um wirklich glücklich zu sein. Weil aber all diese Dinge Geld kosten, können Gruppen oder Einzelpersonen ein Schaf zum Schützling nehmen.

Helge, ein kleines Lamm, hat mit Helge Schneider schon einen solchen Paten gefunden und trägt nach alter Tradition sogar seinen Namen. Wer Pate eines Schafes werden möchte, kann sein Schaf so oft wie er will besuchen und natürlich auch dabei sein, wenn das dicke Fell geschoren wird.
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