Eschweiler - Die 13 Räder des Indeland-Windparks drehen sich

Die 13 Räder des Indeland-Windparks drehen sich

Von: Patrick Nowicki
Letzte Aktualisierung:
15762531.jpg
Nördlich von Fronhoven drehen sich die Räder des Indeland-Windparks, der insgesamt 41,6 Megawatt Strom produziert. Foto: Klaus Görgen
15762528.jpg
Symbolischer Scherenschnitt: Am Freitag fand die offizielle Inbetriebnahme des Indeland-Windparks im Seezentrum des Blausteinsees statt. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Das Paradoxe an der Energiewende ist, dass die meisten Menschen natürlich regenerative Energien fordern, sich gegen Anlagen vor der eigenen Haustüre aber wehren. Auch die Entwicklung des Windparks im Eschweiler Norden verlief nicht ganz ohne Hindernisse.

Deswegen waren am Freitag, bei der offiziellen Inbetriebnahme des Indeland-Windparks im Seehaus am Blausteinsee, zahlreiche Vertreter der beteiligten Unternehmen erleichtert, dass das Projekt vergleichsweise schnell über die Bühne gegangen ist. Nach dem Start des ersten Bauabschnitts Anfang des Jahres drehen sich nun inzwischen alle 13 Anlagen und produzieren dabei bis zu 41,6 Megawatt Strom.

Diese Menge reicht theoretisch, um sämtliche 25.000 Haushalte Eschweilers mit Strom zu versorgen. Der Technische Beigeordnete Hermann Gödde rechnete sogar noch weiter: Fügt man Unternehmen und öffentliche Gebäude hinzu, dann „wird der Strombedarf Eschweilers zu 60 Prozent mit regenerativer Energie gedeckt“. Laut Gödde nehme die Stadt damit eine vordere Position in Deutschland ein. Am 29. Juni des vergangenen Jahres fasste der Eschweiler Stadtrat den Beschluss, dort Windräder zuzulassen. Vorausgegangen waren auch Diskussionen um die Größe der Fläche für Windenergie. Ein Areal wurde letztlich herausgenommen – die RWE-Tochter Innogy war jedoch nicht betroffen, denn das Gelände war von einem Dürener Unternehmen für einen Windpark vorgesehen.

Wenn mehrere Unternehmen mit unterschiedlichen Interessen an einem Tisch sitzen, dann kann der Weg steinig werden. Vor allem, wenn viel Geld auf dem Spiel steht. Daraus machte am Freitag niemand einen Hehl. 62 Millionen Euro kostet der Indeland-Windpark, an dem Innogy 51 Prozent hält. Projektpartner sind die EWV mit 29 Prozent Anteilen und die Rurenergie mit 20 Prozent. Für die beiden kommunalen Energieversorger ist es nach Aussage von Claudia Patelczyk (EWV) und Thomas Zerres (Rurenergie) jeweils die „größte Investition in der Geschichte des Unternehmens“. Für beide Firmen sei der Indeland-Windpark ein „Leuchtturmprojekt“.

Der Essener Innogy-Konzern setzt zunehmend auf Einbindung kommunaler Partner. Hatte diese Strategie vor Jahren vor allem wirtschaftliche Gründe, liegt nun der Schwerpunkt darauf, Akzeptanz bei den Menschen zu gewinnen. „Da kommunale Energieversorger mit im Boot sitzen, verdienen auch die Bürger“, beschreibt Thomas Zerres, der Geschäftsführer der Rurenergie, die Situation. Die Kommunen verdienen schließlich bei EWV und Rurenergie mit.

Immer wieder fiel am Freitag ein Stichwort, dass in den vergangenen Wochen zentrales Thema der Jamaika-Verhandlungen in Berlin war: „Energiewende“. Naturgemäß legten die Vertreter des Essener Energiekonzerns RWE Wert darauf, den Wandel von der Energiegewinnung aus fossilen Brennstoffen hin zu regenerativen Varianten fördern zu wollen. RWE-Power-Vorstandsmitglied Dr. Lars Kulik sprach von zwei Seiten der gleichen Medaille.

Da passte es ins Szenario, dass die Feier am Rande eines Tagebaurestsees, des Blausteinsees, über die Bühne ging. Zum Zeitpunkt des im Jahr 2030 geplanten Endes des Tagebaus Inden und des Kraftwerks Weisweiler habe man den Ausstoß von umweltschädlichem Kohlendioxid zwischen 40 und 50 Prozent verringert. Die RWE Power, eigentlich für konventionelle Energieerzeugung zuständig, hatte beim Indeland-Windpark ihre Hände mit im Spiel: Die Netzanschlüsse der Windkraftanlagen wurden von RWE-Power-Mitarbeitern verlegt.

Nicht nur der Eschweiler Park zeigt: Das Geschäft mit regenerativen Energien hat mit der Neustrukturierung des RWE-Konzerns und dem Aktiengang der Innogy deutlich an Fahrt aufgenommen. Nach eigener Auskunft errichtete das Unternehmen in den vergangenen fünf Jahren 50 Windkraftanlagen im Rheinischen Revier. Hans Bünting bezeichnete die Autobahn 61 darum auch als „Allee von Windparks“. Auch der Innogy-Chef sprach von einem „bedeutendem Projekt“ und einem der „größeren Windparks“. 67.000 Arbeitsstunden seien erforderlich gewesen, um die beiden Bauabschnitte zu erledigen. Vier Windräder wurden zunächst westlich der Aldenhovener Straße installiert, die übrigen neun Räder drehen sich östlich der Straße, entlang der Landesstraße 240 Richtung Jülich.

„Herausragendes Beispiel“

Einhergehend mit der Energiewende steht der Strukturwandel, den die Indeland GmbH mitgestalten will. Ideen und Projekte mit unterschiedlichen Kommunen, Unternehmen und Institutionen umzusetzen, sind das Kerngeschäft des Indeland-Geschäftsführers Jens Bröker, der auch die Gespräche zum Windpark begleitet hat: „Dieses Projekt zeigt, dass Strukturwandel und Innovationsfähigkeit gemeinsam möglich sind.“ Der Windpark sei ein „herausragendes Beispiel für regionale Zusammenarbeit“. Diese herbeizuführen, ist kein leichter Weg – oder es in den Worten von Jens Bröker zu schreiben: „Wir gestalten unsere Zukunft auf Grundlage von Beschlüssen in vielen Sitzungen.“ Dabei gelte es, die ein oder andere Grube zum umlaufen und Steine aus dem Weg zu räumen.

Leserkommentare

Leserkommentare (2)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert