Deutsches Sportabzeichen: Beim Rekord überstrahlt einer alles

Von: Andreas Röchter und Irmgard Röhseler
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Hoch im Kurs bei den jungen indestädtischen Sportlern standen nach der Verleihung der Deutschen Sportabzeichen die Autogramme des fünffachen Paralympic-Goldmedaillengewinners Jochen Wollmert.
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Freuten sich über die Sportabzeichen, die ihnen in der Aula der Realschule Patternhof überreicht wurden: die Teilnehmer der Bischöflichen Liebfrauenschule und Vereine, der Grundschulen und des Städtischen Gymnasiums.
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Freuten sich über die Sportabzeichen, die ihnen in der Aula der Realschule Patternhof überreicht wurden: die Teilnehmer der Bischöflichen Liebfrauenschule und Vereine, der Grundschulen und des Städtischen Gymnasiums. Foto: Andreas Röchter/Irmgard Röhseler
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Freuten sich über die Sportabzeichen, die ihnen in der Aula der Realschule Patternhof überreicht wurden: die Teilnehmer der Bischöflichen Liebfrauenschule und Vereine, der Grundschulen und des Städtischen Gymnasiums.
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Sympathieträger: Der Ausnahmesportler Jochen Wollmert verzauberte die Gäste sowohl mit seinem Können an als auch mit seinem Auftreten neben der Tischtennisplatte.
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Bürgermeister Rudi Bertram überreichte Johannes Gastreich (links)die Verdienstmedaille der Stadt.

Eschweiler. Die inzwischen 15. Verleihung des Deutschen Sportabzeichens, die am Samstag von den Verantwortlichen der Raiffeisen-Bank Eschweiler und der Stadt in der Aula der Realschule Patternhof ausgerichtet wurde, schrieb bemerkenswerte Geschichten: 1117 auszuzeichnende Sportler aller Altersklassen bedeuteten ein Rekordergebnis.

Mit Tischtennisspieler Jochen Wollmert war ein im wahrsten Sinne des Wortes Ausnahmeathlet zu Gast, der nicht nur als fünffacher Goldmedaillengewinner bei Paralympischen Spielen sowie als insgesamt sechsfacher Welt- und zehnfacher Europameister zu beeindrucken wusste, sondern auch mit seinem Auftreten neben der Platte vor allem den jungen Veranstaltungsgästen als echtes Vorbild dienen sollte.

Biernat verletzt im Krankenhaus

Tragisch jedoch, dass der Mann, der dafür verantwortlich zeichnet, dass Weltklasse-Athleten Jahr für Jahr nach Eschweiler kommen und damit die Sportabzeichen-Verleihungen für alle Beteiligten zu außergewöhnlichen Erlebnissen werden lassen, diesmal nicht mit von der Partie sein konnte: „Mister Olympia“ Charly Biernat liegt nach einem schweren Sturz derzeit im Krankenhaus.

Zu guter Letzt galt es dann von dem Mann Abschied zu nehmen, der vor eineinhalb Jahrzehnten die Verleihung des Deutschen Sportabzeichens in ihrer jetzigen Form initiierte: Johannes Gastreich, Vorstandsvorsitzender der Raiffeisen-Bank Eschweiler, tritt am 30. Juni dieses Jahres in den Ruhestand und erlebte die Auszeichnung der Sportler also letztmals als Mitorganisator. Zunächst sprach ihm Rainer Wick vom SV Germania Dürwiß im Namen aller Sportler Dank aus, bevor er überrascht und sichtlich berührt aus den Händen von Bürgermeister Rudi Bertram die Verdienstmedaille der Stadt Eschweiler in Silber entgegennahm.

Doch der Reihe nach: „Glückwunsch, ihr habt etwas geschafft und eine Ehrung verdient. Diese Veranstaltung hat den Zweck, euch zu feiern“, gratulierte Moderator Christoph Herzog am Samstagmorgen 222 Grundschülern, die der Stadtsportverbandsvorsitzende zunächst in die Handykamera winken ließ, um so herzliche Genesungswünsche direkt in Richtung Charly Biernat zu senden.

Johannes Gastreich erinnerte während seiner kurzen Begrüßung der Gäste unter anderem an die erste Verleihung des Deutschen Sportabzeichens, die am 24. November 2001 über die Bühne ging. „Damals erhielten 77 Personen das Deutsche Sportabzeichen und heute sind es 1117. Eine stolze Zahl, über die ich mich sehr freue!“

Kurz darauf gehörte die Bühne dem Mann, vor dem Rudi Bertram im Verlauf der dreigeteilten Veranstaltung noch mehrfach verbal den Hut ziehen sollte: Jochen Wollmert stand zunächst Christoph Herzog bei einem Interview Rede und Antwort und erzählte über seine sportlichen Aktivitäten. So berichtete der 51-Jährige, dass er erst mit 17 Jahren mit dem Tischtennisspielen angefangen habe und es anfänglich nicht seine Intention gewesen sei, Leistungssport zu betreiben. „Wenn man versteifte Hand- und Fußgelenke hat, ist dies ja auch nicht so einfach. Ich kann zum Beispiel lediglich die Rückhand spielen und muss so die gesamte Tischtennisplatte abdecken. Gute Beinarbeit ist also unabdingbar. Und die bekomme ich trotz meiner Fußgelenke ganz ordentlich hin“, übte sich der gebürtige Wuppertaler in Bescheidenheit.

Vom unteren Paarkreuz der 3. Kreisklasse der Nichtbehinderten kämpfte er sich langsam, aber sicher nach oben. 1986 reifte der Gedanke, im Behindertensport aktiv zu werden. „Doch wie und wo? Im Zeitalter des Telefonbuchs und der Sportämter gar nicht so leicht. Es dauerte ein halbes Jahr, bis ich jemanden in Wuppertal an der Strippe hatte, der mir Informationen über Behinderten-Tischtennis geben konnte“, blickte Jochen Wollmert zurück. Von da an ging aber vieles recht schnell. Bei seiner ersten Teilnahme an einer Deutschen Meisterschaft lagen noch vier Konkurrenten vor ihm. „Dies hat meinen Ehrgeiz geweckt!“ Die Ergebnisse sprechen Bände.

Doch satt ist Jochen Wollmert noch lange nicht! Im Spätsommer stehen die für ihn siebten Paralympischen Spiele in Rio, für die er sportlich bereits qualifiziert ist, auf dem Programm. „Am 31. August hebt der Flieger ab“, blickt er voraus. Und für dieses Ziel steigert der Ballkünstler sein Trainingspensum auf etwa 20 Stunden pro Woche. Freilich ohne dabei seinen Vollzeitarbeitsplatz als Mitarbeiter im Marketing-Team „Deutschland bewegt sich“ einer großen deutschen Krankenversicherung ruhen zu lassen. „Einige meiner Konkurrenten sind Vollprofis. Doch für mich wäre dies nichts. Ich brauche den Mix aus körperlicher und geistiger Anforderung, die mir Sport und Beruf abverlangen“, so der Familienvater. „Ich möchte mehr tun, als ausschließlich auf den kleinen weißen Ball zu kloppen!“ Und wie stehen die Chancen, in Rio gegen die Profis zu bestehen? „Meine Stärke war es immer, auf den Punkt in Topform zu sein. Klar ist, dass ich nicht nach Rio fliege, um mir das Ganze nur mal anzuschauen“, sind die Ambitionen von Jochen Wollmert unverändert groß.

Staunend schauten die Zuseher dann auf die Leinwand, auf der Ausschnitte des Einzelfinales der Paralympischen Spiele von London 2012 liefen, in dem Jochen Wollmert auf den Lokalmatadoren William Bailey traf. Ein Meilenstein in der Karriere des Sportlers, der es im Nichtbehindertensport bis in die 4. Liga schaffte: Jochen Wollmert gewann die Partie nicht nur mit 3:1 nach Sätzen, sondern spielte sich auch in die Herzen der britischen Zuschauer, als er beim Stand von 4:5 im zweiten Satz eine zu seinen Gunsten ausfallende Fehlentscheidung der Schiedsrichterin korrigierte und seinem Gegner den Punkt zukommen ließ. Eine Geste, für die er mit dem „Baron de Coubertin Award“ ausgezeichnet wurde.

Natürlich gab Jochen Wollmert am Samstag auch Kostproben seines Könnens „live“ zum Besten. Zunächst lieferte er sich großartige Ballwechsel mit Janos Pigerl vom TTC BW Grevenbroich, bevor sich mutige Gegner aller Altersklassen und Körpergrößen aus dem Publikum anschickten, beim „Rundlauf“ zu glänzen.

Nach kurzweiligem Programm führte der Weg der indestädtischen Athleten schließlich auf die Bühne, wo sie unter anderem ihre Urkunde in Empfang nahmen.

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