Deutsch-polnischer Schüleraustausch: Herzlichkeit beeindruckt erneut

Von: Tobias Marquardt
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Partner: Schüler der Gesamtsc
Partner: Schüler der Gesamtschule Waldschule und der polnischen Partnerschule Zspól Szkól Ogólnokszalcacych N° 2 im schlesischen Ruda ?l?ska.

Eschweiler. Zum neunten Mal fand der Schüleraustausch der Waldschule Gesamtschule Eschweiler mit der polnischen Partnerschule Zspól Szkól Ogólnokszalcacych N° 2 im schlesischen Ruda Slaska statt: 15 Schülerinnen und Schüler der Waldschule opferten die Hälfte ihrer Herbstferien, um Freundschaften zu schließen oder zu festigen und um auf Tuchfühlung mit polnischer Kultur und Geschichte zu gehen.

Finanziell unterstützt wurde der achttägige Schüleraustausch vom Deutsch-Polnischen Jugendwerk (DPJW) und dem Förderverein der Waldschule.Die Initiatorinnen des Austauschs, Isolde Steffens und ihre befreundete polnische Kollegin Irena Boguslawska, hatten auch in diesem Jahr gemeinsam mit Malgorzata Stygienko ein Programm vorbereitet, das facettenreich Polen zwischen Tradition und Moderne erfahrbar machte. Tatkräftig unterstützt wurden sie in diesem Jahr von den deutschen Lehrkräften Christel Schäber und Tobias Marquardt sowie von der polnischen Kollegin Patrycja Loewe.

Die polnischen Gastfamilien bereiteten den deutschen Gästen einen derartig warmherzigen Empfang, dass die Strapazen der langen Busreise sofort vergessen waren. Der erste Tag diente dem intensiven Kennenlernen der polnischen Austauschpartner und deren Familien. Die außerordentliche Gastfreundschaft der polnischen Familien beeindruckte alle Mitreisenden sehr: „In der Familie wurde ich herzlich empfangen und behandelt, als wäre ich ein Teil von ihnen” berichtete Tabea Becker (19), und Sarah Lawniczak (15) stellte fest: „Hier in Polen gehen die Menschen ganz anders miteinander um, als wir es gewohnt sind.”

In der Höhle des Königs

Am Sonntag ging es frühmorgens in den nahe gelegenen Nationalpark Ojców und dessen pittoreske, durch prähistorischen Kalkstein geformte Berglandschaft. Die Tageswanderung führte zu der 320 Meter tiefen ?okietek-Höhle, in welcher sich, der Legende nach, der polnische König W?adys?aw ?okietek versteckt hat. Bei der Wanderung durch das steile und abschüssige Gelände reichten sich deutsche und polnische Schüler helfend die Hände, und der anhaltende Regen tat ein Übriges, die Gruppe zusammen zu schweißen. Die Höhle mit ihren hohen Kavernen und teilweise winzigen Durchgängen gestaltete sich für alle Schüler zu einem spannenden Ausflug in die frühe Erdgeschichte sowie in die Mythen des polnischen Mittelalters.

Am Montag dann begrüßten der Schulleiter Pan Aleksander und seine Stellvertreterin Mariola Ulejczyk die deutschen Gäste und hießen sie mit einer lebhaften Tanzdarbietung und dem traditionellen Überreichen von Brot und Salz in der Schule willkommen. Nach der Besichtigung des Schulgebäudes konnten die Schüler bei verschiedenen Kennenlernspielen mit Malgorzata Stygienko ihre kommunikativen Fähigkeiten im Umgang miteinander erproben und erweitern.

Am nächsten Tag nahmen die Waldschüler am Unterricht ihrer Partner teil. So lernten sie den Schulalltag in Polen näher kennen und konnten ihn mit ihren eigenen Unterrichtserfahrungen vergleichen. Die abendliche Teilnahme am „Festival der fremdsprachigen Songs” in der Gastgeberschule, bei dem auch „Hier kommt Alex” von den Toten Hosen zum Besten gegeben wurde, beeindruckte und begeisterte die Schüler derart, dass bis zum Ende des Abends hitzig über die Qualität und Platzierung der Songs der elf Interpreten diskutiert wurde.

Der Mittwoch stand ganz im Zeichen der Auseinandersetzung mit einem der dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte: Die Begehung der Gedenkstätten Auschwitz (Oswiecim) und Birkenau (Brzezinka) hat die Schüler tief gerührt. Die Betroffenheit der Schüler im Angesicht der Verbrechen gegen jede Menschlichkeit ließ sich nicht in Worte fassen. Sie fand ihren Ausdruck darin, dass die Schüler am Mahnmal in Birkenau spontan die erloschenen jüdischen Grablichter wieder entzündeten - als ein Zeichen der Solidarisierung mit den Opfern des Nationalsozialismus und als ein Versprechen an die Zukunft: Nie wieder darf es möglich sein, dass Derartiges geschieht.

Erst auf der Rückreise gelang es zwei Schülerinnen, ihre Gefühle in den Gedenkstätten zu benennen: „Besonders erschreckend an Auschwitz war, dass man sich zum ersten Mal wirklich so etwas wie den Gang in die Gaskammer vorstellen konnte.” (Daniela Mainka, 18) „Ich hatte ein sehr beklemmendes Gefühl. Es war vor allem sehr schockierend, das Hab und Gut der Menschen zu sehen. Zum Beispiel die Haare, Schuhe und Bürsten. Ich bin der Meinung, dass jeder einmal in seinem Leben dort gewesen sein sollte.” (Ann-Kathrin Mertens, 18)

Am Donnerstag führte eine Exkursion in die kultur- und religionshistorisch bedeutendste Stadt Polens: Krakau. Bei sonnigem Herbstwetter ging es vom malerischen Weichselufer auf den Wawel mit seinem imposanten Dom. Nahezu jeder Schüler berührte mit der linken Hand die historische Sigismund-Glocke, weil so, der Sage nach, ein Wunsch in Erfüllung gehen wird. Die Besichtigung der Krypta mit der langen Gräberreihe der bedeutendsten polnischen Könige, Kunstschaffenden und Freiheitskämpfer endete am Grab von Lech Kaczy?ski. Vielen Schülern wurde zum ersten Mal bewusst, wie tief das kulturelle Selbstverständnis der Polen bis heute in der Geschichte verwurzelt ist.

Der Reichtum Krakaus

Danach ging es zum Krakauer Marktplatz (Rynek) mit den Tuchhallen (Sukienice), dem Denkmal des Nationaldichters Adam Mickiewicz und der Marienkirche. Hier wurde auf einmalige Weise der Reichtum und die Macht Krakaus im Mittelalter deutlich. Krönender Abschluss war der Besuch des erst 2010 eröffneten historischen Museums unter den Tuchhallen. Die dort ausgestellten archäologischen Funde sind effektvoll zu einer multimedialen Zeitreise zusammengefügt, und die Schüler begeisterte das interaktive Erleben mittelterlicher Stadtgeschichte.

Am Freitagmorgen erarbeiteten die Schüler im Computerraum der Schule eine zweisprachig kommentierte Fotocollage zur Dokumentation des Austausches, die im Foyer der Schule ausgestellt wurde. Da an diesem Tag auch der polnische „Lehrertag” war, gab es im Anschluss noch Sketche und ein musikalisch-künstlerisches Quiz. Das Abschiedstreffen am Abend beim Bowling im Plaza-Center war geprägt von einer ausgelassenen Heiterkeit, die zeigte, wie stark die deutsch-polnische Schülergruppe in diesen wenigen Tagen zusammengewachsen ist.

Prägendes Gruppenerlebnis

Beim Abschied von den Partnern am Samstag flossen dann umso mehr die Tränen. Die Bitte eines Schülers, doch die Gastfamilie mit zurück nach Deutschland nehmen zu dürfen, zeigt, dass hier Freundschaften weit über den schulischen Zusammenhang, über die Grenzen von Nationen, Kulturen und Sprachen hinaus entstanden sind. Tabea Becker, die zum sechsten Mal in Folge am deutsch-polnischen Schüleraustausch teilnahm, fand treffende Worte, um die Stimmung des diesjährigen Austausches wieder zu geben: „Das Prägendste war für mich die Gruppe: Egal wo wir waren, wir hatten viel Spaß, trotz oder vielleicht gerade wegen der verschiedenen Persönlichkeiten und kleinerer Verständigungsprobleme. Man hat sich stets geholfen.”

Der Großteil der diesjährigen Austauschschüler wird im nächsten Jahr wieder in Eschweiler zusammen kommen. Darauf freuen sich alle Beteiligte ganz besonders, weil es das zehnjährige Bestehen der deutsch-polnischen Schulpartnerschaft sein wird, zu dem auch die Schulleitung aus Ruda ?l?ska herzlich eingeladen ist.
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