Eschweiler - Deutsch lernen auf unbürokratische Art

Deutsch lernen auf unbürokratische Art

Von: Sonja Essers und Tobias Röber
Letzte Aktualisierung:
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14 Menschen aus verschiedenen Ländern lernen auf Privatinitiative die deutsche Sprache. Die Kinder sind auch mittendrin. Foto: Sonja Essers, Tobias Röber
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Dagmar Hirschter, Renée Grafen und Ina Hoven (von links) bringen den Flüchtlingen die deutsche Sprache bei.

Eschweiler. „Sechs, sieben, acht, neun, zehn.“ Während Renée Grafen langsam zählt, schauen 14 Augenpaare gespannt auf ihre Finger, die sich ihren Worten anpassen. Dann wiederholen die Frauen und Männer das Gesagte.

„Super, klasse, spitze“, kommentiert Grafen und belohnt ihre Schüler, auf deren Gesichtern sich ein stolzes Lächeln breit macht, mit einem Applaus.

Renée Grafen ist Mitglied der Sensibilisierungs- und Aufräumtruppe Blausteinsee und Umgebung um Initiatorin Brigitte Averdung-Häfner. Gemeinsam mit Dagmar Hirschter und Ina Hoven bringt sie Menschen unter anderem aus Albanien, Georgien und Eritrea Deutsch bei. Zwar bietet die Eschweiler Volkshochschule Sprachkurse für Flüchtlinge an, diese sind allerdings bereits ausgebucht.

So lautet das Ziel der Sensibilisierungs- und Aufräumtruppe: den Menschen schnell und unbürokratisch die deutsche Sprache vermitteln. „Die Bürokratie verwaltet die Asylbewerber, wir leben sie“, sagt Brigitte Averdung-Häfner.

Damit das problemlos funktioniert, haben Brigitte Averdung-Häfner und ihre Mitstreiter drei Kurse eingerichtet. Zwei Mal in der Woche treffen sich die Teilnehmer im Fotostudio an der Neustraße, ein Kurs findet in der Wohnung einer Teilnehmerin statt.

Los geht es mit den Grundlagen. Die Teilnehmer, die fast alle aus den Unterkünften in Weisweiler stammen, haben in den vergangenen Wochen bereits jede Menge gelernt. So können sie ausdrücken, wie es ihnen geht. Auch die Begrüßung und die Verabschiedung finden bereits in Deutsch statt.

Darauf legt Averdung-Häfner besonders viel Wert. Schließlich gebe es auch immer wieder Bürger, die ihre Ängste gegenüber den Bewohnern der Weisweiler Unterkunft ausdrücken. „Wenn Menschen etwas stört, dann geht das immer vor.

Aus diesem Grund habe ich den Leuten gesagt, dass die jeden, den sie in Weisweiler treffen, auch grüßen sollen“, sagt Brigitte Averdung-Häfner. Gesagt, getan: „Hallo“, „Guten Morgen“, „Guten Tag“, „Tschüss“ und „Auf Wiedersehen“ – wer die Kursteilnehmer auf der Straße trifft, bekommt eine Kostprobe ihres frisch erworbenen Wissens.

Natürlich geht es in den Sprachkursen nicht nur um die richtige Begrüßung. Am Mittwochmorgen standen zum Beispiel Zahlen und Wochentage auf dem Programm. Nachdem Dagmar Hirschter mit den Teilnehmern die Aussprache der Wochentage geübt hatte, war Renée Grafen an der Reihe.

Auf dem kleinen Täfelchen erklärte sie, anhand von Magneten, die verschiedenen Zahlen. „Wir legen auch besonders viel Wert auf die richtige Aussprache“, meinte Grafen am Ende der Stunde. Schließlich sei auch diese ein wichtiger Bestandteil der Sprache.

Als Grundlage der Kurse dient das Buch „Deutschkurs für Asylbewerber – Thannhauser Modell“. Drei Lehrer aus Bayern haben dieses spezielle Arbeitsbuch entwickelt. Gelernt wird aber nicht nur im „Klassenzimmer“. „Wir werden mit den Menschen auch rausgehen und die Sprache beispielsweise direkt in der Fußgängerzone üben“, sagt Dagmar Hirschter.

Brigitte Averdung-Häfner freut sich wie die Lehrerinnen über die Lernbereitschaft der Flüchtlinge: „Sie wollen in Deutschland sein, die deutsche Kultur leben, deutsche Feste feiern. Sie sind einfach froh, hier zu sein.“ Beinah täglich zeige der eine oder die andere ihr Fotos von im Krieg zerstörten Häusern aus der Heimat.

Und sie freut sich über die Hilfsbereitschaft der Bürger in der Indestadt. So haben sich zwei weitere Lehrer gemeldet, die unterrichten wollen, und etliche Bürger steuern Sachspenden bei.

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