Detlef Wetzel: Keine Wahlempfehlung, aber ein Appell

Von: Kolja Linden
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Forderte eine Politik zum Wohl von sicheren und fair bezahlten Arbeitsplätzen: Detlef Wetzel von der IG Metall. Foto: Kolja Linden

Eschweiler. Vor zweieinhalb Wochen hatte Detlef Wetzel noch vor 45.000 Menschen gesprochen. Bei der großen Wahlarena der IG Metall war das, als die Gewerkschaft zehntausende Mitglieder mobilisierte und in der Frankfurter Commerzbank-Arena Deutschlands größte politische Veranstaltung vor der Bundestagswahl auf die Beine stellte.

Während Künstler wie Bob Geldof oder Sammy Deluxe den Metallern musikalisch einheizten, war es Wetzel und Kollegen vorbehalten, politisch Dampf abzulassen.

Der 2. Bundesvorsitzende der IG Metall sprach im Stolberger Industriemuseum Zinkhütter Hof in Stolberg zwar vor deutlich weniger Menschen, aber die Worte, die er an die knapp 80 Gewerkschafter richtete, unterschieden sich nicht sehr von denen im Frankfurter WM-Stadion.

Den Kontakt zur Basis nicht zu verlieren und Politik für die Mehrheit der Menschen zu machen, das forderte der 56-Jährige am Freitag auf der Delegiertenversammlung im Zinkhütter Hof von allen Parteien. Außerdem warb er vier Tage vor der Bundestagswahl für eine hohe Wahlbeteiligung. Auf eine Wahlempfehlung verzichtete Wetzel - wie erwartet - ebenso wie der Geschäftsführer des Ortsverbands Stolberg/Eschweiler, Helmut Wirtz.

„Dass wir uns bewusst für eine Partei aussprechen, hat auch keine Partei verdient”, sagte Wetzel, stellte aber dafür klar, was er aus Gewerkschaftssicht nicht will: „Schwarz-Gelb ist auf jeden Fall Mist.”

Vor allem die Liberalen erzürnen den Gewerkschaftsfunktionär: „Was die FDP in ihrem Wahlprogramm hat ist nicht das, was wir in unserer Gesellschaft brauchen.”

Wie diese Gesellschaft stattdessen aussehen soll, das hatte der gelernte Werkzeugmacher zuvor umrissen: Gute und sichere Arbeit, faire (Mindest-)Löhne, Eindämmung von schlecht bezahlter Leiharbeit - das sind die Eckpfeiler der Kampagne „Gemeinsam für ein Leben”, mit der die IG Metall Stimmung im Wahlkampf macht. Das sei nun wirklich nicht viel verlangt, sagte Wetzel und fragte: „Wie verkommen ist diese Gesellschaft, dass sie nicht die Kraft aufbringt, diese elementaren Grundsätze des Zusammenlebens hinzubekommen?”

Die aktuelle Wirtschaftskrise hätten nicht die Arbeitnehmer verursacht, dass hatte zuvor schon der Gastredner, Europaparlamentarier Martin Schulz (SPD), festgestellt. „Die Krise ist eine Krise des Systems, verursacht von Menschen mit einer unerhörten Habgier”, so Schulz. Und deshalb ergänzte Wetzel, auch diesmal wieder in Richtung FDP, sei es geradezu absurd, „wenn die alten Rezepte, die uns in die Krise hineingeführt haben, nach der Wahl in erhöhter Dosis wieder aufgelegt werden”.

Klare Notwendigkeiten

Dabei gehe es jetzt nicht nur um die kurzfristige Bewältigung der Krise. „Langfristig müssen wir dafür sorgen, dass nicht Shareholder Value und schnelle Gewinne, sondern Gemeinwohl und Sicherung von Arbeitsplätzen wieder im Mittelpunkt solider Unternehmensführung stehen.” Dass dabei vor allem starke Gewerkschaften und Betriebsräte gefragt seien, versteht sich bei der Rede eines IG-Metall-Funktionärs von selbst.

Doch auch für die kommenden, von der Krise geprägten Monate, ergeben sich laut Wetzel klare Notwendigkeiten. Entlassungen müssten verhindert, Kurzarbeit fortgesetzt und Leiharbeit reguliert werden. Die Banken, in Wetzels Augen und denen der meisten Gewerkschafter die Hauptverursacher der Krise, müssten dazu gebracht werden, die Wirtschaft mit Krediten zu versorgen.

Darüber hinaus gelte es, in der Kurzarbeit Qualifizierung zu organisieren und für die Übernahme von Auszubildenden zu kämpfen, denn: „Wie sollen junge Leute die Renten der Alten finanzieren, wenn sie Jobs haben, in denen sie 6,50 Euro pro Stunde verdienen?”, fragte der Stellvertretende Gesamtvorsitzende.

Ein klares Anliegen aller Anwesenden brachte Wetzel schließlich so auf den Punkt: „Wir müssen alles dafür tun, dass wir nicht wieder die Dummen sind, die am Ende für die Kosten dieser Krise aufkommen.”
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