Designierter Prinz schon vor der Geburt

Von: Sonja Essers
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Thomas Weiland (links) und Harald Weiland haben sich akribisch auf die Session vorbereitet. Am Sonntag geht es für das Duo so richtig los. Foto: Sonja Essers

Eschweiler. In diesem Raum hat alles angefangen. Es ist ein Zimmer mit knallgrünen Wänden, an denen Fotos und Autogrammkarten an die vergangenen Karnevalssessionen erinnern. Über einem blauen Sofa sind zahlreiche Orden zu sehen, auf der gegenüberliegenden Seite steht ein Mischpult.

In dem Proberaum der Kröetsch , der zwischen Dürwiß und Weisweiler liegt, fühlen sich Thomas und Harald „Hucky“ Weiland wohl. Hier bereiteten sich die beiden Indestädter wochenlang auf den Tag vor, der ihr karnevalistisches Leben von Grund auf ändern sollte: die Wahl zum Prinzen Karneval.

Rund einen Monat liegt der Abend zurück. Für die beiden Vollblutkarnevalisten erfüllte sich damit ein Wunsch, dem bereits eine jahrelange Vorbereitung zu Grunde lag und der am morgigen „Tag des Eschweiler Karnevals“ in die nächste Runde geht. Dann werden Thomas und Harald Weiland dem närrischen Volk offiziell vorgestellt. Doch dazu später mehr.

Die karnevalistische Laufbahn von Thomas Weiland beginnt bereits vor seiner Geburt. Um das zu verstehen, bedarf es einer kleinen Zeitreise in das Jahr 1981. Damals regiert sein Vater Norbert als Prinz Karneval über die Jecken in der Indestadt. Doch irgendwann geht auch diese Session vorüber, und um ihren Mann zu trösten, verspricht Ehefrau Hildegard ihm an Aschermittwoch: „Hür op ze kriesche, mer maache ene neue Prinz.“

Acht Jahre später ist es dann soweit: Thomas erblickt das Licht der Welt und ist bereits im Kindesalter ein echter Karnevalsjeck. Er ist Kinderpräsident und Tänzer der KG Lustige Reserve. Später arbeitet er im Vorstand als Vizepräsident mit. Mittlerweile ist der 25-Jährige Präsident der Gesellschaft. Dass er eines Tages Prinz werden will, ist nicht nur ihm schon früh klar. „Meine Freunde haben früher schon immer zu mir gesagt: „Du wirst mal Prinz.“ Nur wer Zeremonienmeister wird, stand nie fest“, sagt der 25-Jährige.

Das ändert sich vor sechs Jahren. Thomas nutzt das Weihnachtsfest im Kreise der Familie, um seinen Onkel zu fragen, ob er ihn als Zeremonienmeister begleiten möchte. Ganz so sicher, ist sich der Vollblutkarnevalist allerdings nicht. „Ich habe nie gedacht, dass Harald daran Spaß haben könnte.“ Harald, der bereits 1981 seinen Bruder Norbert als Prinzenbläser unterstützt, ist einverstanden. Überrascht ist er trotzdem. Schließlich steht für ihn die Musik im Vordergrund. Während der Karnevalssession ist er mit seiner Formation Kröetsch nicht nur auf den Eschweiler Bühnen zu Hause. „Irgendwann mal Zeremonienmeister zu werden, habe ich nie auf dem Schirm gehabt“, gibt er zu.

Ein Jahr später - erneut an den Weihnachtsfeiertagen - geht die Planung dann so richtig los. Thomas und Harald überlegen, wen sie in ihrem Prinzenstab dabei haben wollen. Dann melden sie ihrer Gesellschaft, der KG Lustige Reserve, dass sie in der Karnevalssession 2014/2015 als Prinz und Zeremonienmeister über die Jecken in der Indestadt regieren wollen.

Große Gefühle

Doch warum ausgerechnet in diesem Jahr? Einen besonderen Grund gebe es dafür nicht, sagt Thomas. Für die beiden Reservisten steht jedoch fest: Das Prinzenjahr soll nicht während eines Jubiläums des Vereins stattfinden. „Man kann nicht beides feiern“, ist sich Thomas sicher und fügt hinzu: „Wir wollen das Prinzenjahr groß feiern und da sollen auch alle mit dabei sein.“

Dass ihr Verein den beiden Karnevalisten den Rücken stärkt, wird auch am Wahlabend deutlich. Mit Fackeln und Musik werden sie vor dem Kulturzentrum Talbahnhof empfangen. Nach einem Gängelchen durch die Stadt geht es über die grün-weiß geschmückte Röthgener Straße in die zukünftige Prinzenhofburg, das Haus Flatten.

Für die Gefühle, die sie an diesem Abend empfinden, fehlen den beiden Vollblutkarnevalisten auch einen Monat später noch die Worte. „So etwas kann man nur mit Musik ausdrücken. Man müsste eigentlich ein Lied darüber schreiben“, sagt Harald. „Wir denken jetzt schon, dass das eigentlich gar nicht mehr zu toppen ist.“

Eine vernünftige Vorbereitung ist für die Karnevalisten das A und O. „Wir bereiten alles ganz akribisch vor“, sagt Thomas und Harald ergänzt: „Wir versuchen es zumindest.“ Beide lachen. Sie ergänzen sich gut und haben viele Gemeinsamkeiten, wie sie in den vergangenen Wochen herausgefunden haben.

Dazu zählt auch, dass die beiden Tradition und Moderne miteinander mischen wollen. Wie das genau aussehen soll, verraten sie allerdings noch nicht.

Auch in einem anderen Punkt sind sich Neffe und Onkel einig: Sie wollen auf der Bühne nicht singen. „Es gibt genug Musikgruppen. Das muss der Prinz doch nicht auch noch machen“, sind sie sich sicher, überlegen es sich dann allerdings doch noch anders. Ihr Entscheidung begründet Thomas so: „Das gehört einfach heute dazu. Früher ist für den Prinzen noch etwas gemacht worden. Heute ist der Prinz ein eingeplanter Programmpunkt. Das finde ich eigentlich schade.“

Nun freuen sich die beiden Indestädter auf die bevorstehende Session und die vielen besonderen Momente und Menschen, die sie erwarten werden.

Auf die Frage, ob sie Angst davor haben mit ihren Vorgängern verglichen zu werden, antwortet Harald: „Das wird man zwangsläufig.“

Einen Vergleich mit seinem Vater Norbert findet Thomas allerdings unpassend. Auch wenn für ihn, genauso wie für seinen Onkel Harald, die Familie an erster Stelle steht. „Da liegt so viel Zeit dazwischen, das kann man einfach gar nicht mehr miteinander vergleichen“, sagt der junge Mann. „Ich heiße zwar Weiland, aber ich bin Thomas und ich bin nicht Norbert.“

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