Der Wald für die Bürger rückt näher

Von: Tobias Röber
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Seltenes Tier, das sich im Propsteier Wald sehr wohlfühlt: der Mittelspecht. Foto: imago/Arco Images
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Es gibt viel Gesprächsbedarf rund um den Propsteier Wald. Hier erklärt Stephan Miseré (rechts) interessierten Bürgern etwas rund um das Gelände. Foto: Förderverein Propsteier Wald
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Setzen sich für den Propsteier Wald als Bürgerwald ein: Christoph Häfner, Eberhard Büttgen, Reiner Fey, Hermann Gödde, Franz-Josef Emundts und Stephan Miseré (von links). Foto: Tobias Röber

Eschweiler. Die Ziele für den Propsteier Wald sind klar beschrieben. Öffnung für alle Bürger, Schutz des einzigartigen Lebensraumes, Etablierung von besonderen Lernorten und naturnahe Waldbewirtschaftung. Nachdem die Idee der Gründung einer Genossenschaft (vorerst) nicht in die Tat umgesetzt wird, ist der Förderverein Propsteier Wald dennoch guter Dinge, die Ziele erreichen zu können.

Der Propsteier Wald, südwestlich von Eschweiler gelegen, ist rund 370 Hektar groß und zum überwiegenden Teil seit 1952 militärisches Sperrgebiet. Dieses rund 270 Hektar umfassende Waldgebiet, das bis 1995 als Munitionslager der belgischen Truppen genutzt wurde, sowie die restlichen unversperrten Bereiche sollten ursprünglich von der Waldgenossenschaft Propsteier Wald gekauft werden.

Diese genossenschaftliche Idee wurde im vorigen Jahr sogar mit dem Deutschen Naturschutzpreis bedacht. Zu einer Gründung kam es bislang jedoch nicht. Eigentümerin des Geländes ist die Bundesrepublik Deutschland, vertreten von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA). Die hat einen Wert des Geländes zwischen fünf und sechs Millionen Euro ermittelt. „Wir haben hingegen ein Gutachten, das von einem Drittel ausgeht“, sagt der Technische Beigeordnete Hermann Gödde. Eine Einigung dürfte bei diesen unterschiedlichen Voraussetzungen schwierig werden, und einen großen Betrag, wie ihn sich die BIMA vorstellt, kann die Genossenschaft kaum stemmen.

Gödde ist Beisitzer im Förderverein, der gegründet wurde, um die oben genannten Ziele zu verwirklichen. Der Förderverein setzt sich zusammen aus Eberhard Büttgen (Vorsitzender), Reiner Fey (stellvertretender Vorsitzender), Hans-Gerd Hilgers (Kassierer), Stephan Miseré (Schriftführer), Hermann Gödde, Franz-Josef Emundts und Dieter Spiertz (alle Beisitzer).

Zwischen Förderverein, der Stadt Eschweiler, die das Projekt tatkräftig unterstützt, und der BIMA besteht eine Kooperation. Die Ziele sollen in einer Vereinbarung festgehalten werden. Seitens des Fördervereins ist man zuversichtlich, diese Vereinbarung im ersten Quartal 2013 unterzeichnen zu können. Damit wären erste Bedenken ausgeräumt. Der Förderverein will unbedingt verhindern, dass das Gelände von einem Investor gekauft, die Rohstoffe (Holz) herausgezogen werden und der Wald (oder was davon übrig wäre) anschließend wieder auf den Markt kommt. „Es gibt alte Baumbestände, die für die Spanplattenindustrie durchaus interessant sind“; sagt Eberhard Büttgen. Der Bovenberger Wald sei ein Beispiel dafür, wie es nicht laufen solle.

Die Vereinbarung sieht vor, dass die Bundesrepublik Eigentümerin bleibt. „Mit dieser Kooperationsvereinbarung können wir unsere Ideen 1:1 umsetzen“, sagt Gödde.

Was soll künftig im Propsteier Wald geschehen? Zum einen ist die Einrichtung eines Forschungszentrums geplant. Zum anderen soll der Wald für die Bürger geöffnet werden und außerschulischer Lernort sein. Eberhard Büttgen nennt ein paar Ideen für Projekte im Wald. So soll es bereits in den Osterferien des kommenden Jahres ein Jugendcamp im Wald geben. Kinder und Jugendliche aus Eschweiler sollen dann mit Gleichaltrigen des Jugendhilfeprojekts „wildewaldwelt.de – Jugendhilfe erlebt, begreift und packt an!“ aus Freiburg und dem Raphaelshaus Dormagen eine Woche im Wald verbringen. Die beiden Partner wurden ebenfalls mit dem Deutschen Naturschutzpreis ausgezeichnet. Im Rahmen des Jugendcamps sollen die Teilnehmer unter anderem Waldbauarbeiten erledigen, etwa Bäume fällen und Orchideenfelder pflegen. Gegenbesuche in Freiburg soll es dann zu einem späteren Zeitpunkt geben.

Viele Bürger bieten ihre Hilfe ebenfalls für Waldbauarbeiten oder auch andere Aktionen wie Müllsammlungen an.

Für die gestalterische Umsetzung der Fördervereinsprojekte wurde der Eschweiler Designer Christoph Häfner gewonnen. Das Logo stellt einen Mittelspecht in abstrahierter Form dar. Der Mittelspecht ist ein eher seltener Vogel, der sich im Propsteier Wald aber pudel-, pardon: vogelwohl fühlt. Die charakteristische rote Federhaube ist ebenso Bestandteil des Logos wie die Farben blau und grün, die symbolisch für Luft und Wasser, beziehungsweise Erde und Wald stehen. Weitere Bedeutungsebenen sind die grünen „Jahresringe“ der Bäume, zudem kann der Spechtkopf auch als Lupe gedeutet werden. Die steht für den außerschulischen Lernort. Für die eingangs genannten vier großen Ziele wurden zudem Comics erstellt.

Der Förderverein, der derzeit 65 Mitglieder hat, will Projekte anstoßen und finanziell unterstützen. Der Mitgliedsbeitrag beträgt für Einzelpersonen zehn Euro pro Jahr, Familien zahlen 15 Euro. Weitere Spenden sind natürlich ebenfalls möglich.

Das Projekt Bürgerwald nimmt langsam aber sicher Formen an. Jetzt müssen nur noch genug Indestädter mitmachen.

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