Eschweiler-Kinzweiler - Der Telekom-Turbo ist manchmal ziemlich flügellahm

Der Telekom-Turbo ist manchmal ziemlich flügellahm

Von: Sonja Essers
Letzte Aktualisierung:
6656309.jpg
Bürger aus Obermaubach, Bilstein, Bogheim, Schlagstein und Untermaubach sollen künftig schnelleres Internet nutzen können. Derzeit laufen die Ausbauarbeiten. Foto: smb

Eschweiler-Kinzweiler. Langsame Internetverbindungen sollten von nun an der Vergangenheit angehören. Seit der vergangenen Woche zählt Eschweiler in Sachen Internet zu einer der schnellsten Städte in der Region. Damit es soweit kommen konnte, verlegten Mitarbeiter der Telekom in den vergangenen neun Monaten 44 Kilometer Glasfaserkabel. Doch nicht jeder profitiert davon.

Außerdem wurden 110 so genannte Multifunktionsgehäuse installiert. 22.000 Haushalte in der Indestadt sollten so schnelle Leitungen bekommen. Der Haushalt von Walter Chroscinsky gehört allerdings nicht dazu.

Der Rentner, der an der Kirchstraße in Kinzweiler wohnt, ist sauer. Er spricht von einer „großen Sauerei“ und „reiner Abzocke“. „Ich zahle für absoluten Mist“, ist er sich sicher. Das Internet sei bereits seit Jahren ein leidiges Thema, sagt er. „Ich habe schon vor zwei Jahren mal gekündigt, weil man mir eine 16.000er Leitung versprochen hatte, die Leistung aber nur bei 2000 lag.“

Nach dem Bericht über das neue Glasfasernetz keimte bei dem Rentner wieder Hoffnung. Als kurze Zeit später auch noch ein Vertreter des Unternehmens an seiner Tür auftauchte und ihm versicherte, dass er nun problemlos mit Turbo-Geschwindigkeit im Internet surfen könne, konnte Chroscinsky sein Glück kaum fassen. Schließlich wartete er schon lange genug auf eine intakte Verbindung. „Wenn Sie bei mir etwas eingeben, dann können Sie in Ruhe noch einen Spaziergang machen, vielleicht ist es danach soweit.“

Der Rentner unterschrieb also einen neuen Vertrag, doch das böse Erwachen kam schneller als gedacht. Chroscinsky erhielt noch am selben Tag einen Anruf des Unternehmens, das seine Daten überprüfen wollte. In dem Telefonat wies der Rentner auf sein Sonderkündigungsrecht hin, das unbedingt in den Vertrag aufgenommen werden sollte. Schließlich habe er aus seinen schlechten Erfahrungen gelernt.

Auch am Telefon versicherte ihm die Mitarbeiterin, dass er die Turbo-Leitung problemlos nutzen könne. Doch Chroscinsky blieb skeptisch und bat um eine erneute Überprüfung. Nach einigen Stunden klingelte sein Telefon wieder. Dieses Mal hatte das Unternehmen allerdings schlechte Nachrichten. „Man hat mir gesagt, dass das doch nicht geht. Ich könnte in meinem Haus höchstens eine 2000er Leitung haben; daraufhin habe ich den Vertrag storniert.“

Walter Chroscinsky ist von dem Unternehmen enttäuscht. „Wenn ich mich nicht so reingehängt hätte, dann hätte ich jetzt einen neuen Vertrag an der Backe.“ Vor allem stört den Rentner, dass man ihm keine Auskunft darüber geben konnte, warum eine schnelle Leitung bei ihm nicht möglich ist. Seine Nachbarn hätten diese Probleme nicht. „Nebenan und Gegenüber ist das nicht so“, sagt er.

Doch wie konnte es zu diesem Missverständnis kommen? Anja Oppermann, von der Abteilung Infrastrukturvertrieb der Telekom, erklärt auf Nachfrage unserer Zeitung, dass nicht jeder Haushalt in Kinzweiler an die schnelle Leitung angeschlossen werden könne.

Das liege vor allem daran, dass der Stadtteil in zwei Bauprojekte eingeteilt worden sei. Während in dem einen Teil neue Multifunktionsgehäuse installiert wurden, konnte in dem anderen Teil durch die Hilfe von Bundes- und Landesfördermitteln die Leitungen mittlerweile von 2 MBit/s auf 50 MBit/s ausgebaut werden.

Damit müssen sich die Anwohner erst einmal begnügen, denn die Installation der so genannten Vectoring-Technik, die in den neuen Multifunktionsgehäusen verankert ist, ist aus rechtlichen Gründen im anderen Bauabschnitt noch nicht zulässig. Es könne jedoch weitere Gründe dafür geben, weiß die Vertreterin des Unternehmens. „Die Verbindung hängt auch mit dem Kabelverzweiger zusammen.“ Es komme nämlich u.a. darauf an, wie weit das Haus vom Kabelverzweiger entfernt sei. Je weiter man davon entfernt wohne und je schlechter das Kabel sei, umso schlechter auch die Verbindung.

Und was bedeutet dies für Walter Chroscinsky? Ändern könne man an der Situation erst einmal nichts. „Der Kunde kann sich bei uns melden und wir überprüfen den Anschluss dann noch einmal genau“, schlägt Oppermann vor. Doch warum versuchte der Vertreter Chroscinsky einen Vertrag zu verkaufen, obwohl dieser dem Rentner nichts gebracht hätte?

Oppermann nimmt ihren Mitarbeiter diesbezüglich in Schutz. Das könne man vorher nie genau wissen, meint sie. „Manchmal ist es auch so, dass die linke Straßenseite anders versorgt ist, als die rechte. Wir hatten auch schon den Fall, dass es in einem Doppelhaus eine unterschiedliche Versorgung gab.“

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert