Der Schlachthof setzt sich mit guter Qualität durch

Von: se
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Helmut Hohl, Udo Rombach und K
Helmut Hohl, Udo Rombach und Klaus Philippi (von links) klärten darüber auf warum die Fleischpreise immer weiter ansteigen. Foto: Sonja Essers

Eschweiler. Bereits seit 1894 besteht der Schlachthof in Eschweiler, der mittlerweile der einzige in der Region ist. Trotzdem wissen viele Bürger weder, was genau in dem Gebäude an der Inde geschieht, noch wissen sie, warum die Preise für Fleisch immer weiter steigen.

Dies hat die Genossenschaft Fleischversorgung Eschweiler eG (FVE), die seit 1975 besteht, zum Anlass genommen, um einen Informationsaustausch unter dem Motto „Fleisch aus der Region - Fleisch für die Region” zu veranstalten.

Es trafen sich Landwirte, Fleischer, Fleischhändler und Veterinäre aus der ganzen Region, um sich über dieses Thema auszutauschen. „Uns ist besonders wichtig, dass die Verbraucher darüber aufgeklärt werden, warum die Preise für Fleisch immer weiter nach oben gehen”, erklärte Klaus Philippi, Vorstandsmitglied der Genossenschaft FVE.

Immer weniger Vieh

Dafür gibt es gleich mehrere Gründe wie Philippi im Folgenden erzählte: „Das Fleisch wird teurer, weil es immer weniger Vieh auf dem Markt gibt. Zudem steigen auch die Preise für die Futtermittel immer weiter an. In den vergangenen fünf Jahren sind diese um rund 40 Prozent angestiegen.” Außerdem werden immer mehr Mais und Getreide für die Biogasanlagen benötigt, welches den Landwirten wiederum für die Versorgung ihrer Tiere fehle, so Philippi. Aber nicht nur aus diesem Grund haben viele Landwirtschaftsbetriebe in den vorigen Jahren ihre Produktion eingestellt. „Es dauert zwei Jahre bis ein Tier geschlachtet werden kann. Allein die Versorgung der Tiere ist für die Landwirte ein Fulltime-Job. Dieser Aufgabe widmen sich immer weniger junge Landwirte, so gibt es mittlerweile unter den Landwirten kaum Nachfolger und immer mehr Betriebe schließen” erklärt Philippi.

Auch die BSE Krise vor gut zehn Jahren habe dazu beigetragen, dass es immer weniger Vieh gibt, das geschlachtet wird. Um die Region mit Fleisch versorgen zu können, muss sich der Schlachthof in Eschweiler mit einer hervorragenden Qualität auszeichnen. Aus diesem Grund müssen jedes Jahr bestimmte Vorlagen der eG erfüllt werden. Außerdem habe man im Jahr 2004 das Öko-Zertifikat erhalten, so Philippi. „Die Vorgaben für dieses Zertifikat müssen wir jedes Jahr erfüllen, aber so können unsere Tiere auch mit dem Öko-Siegel ausgezeichnet werden. So fahren wir zwar zweigleisig, aber damit fahren wir gut”, erklärte Philippi weiter.

Um dies den Besuchern zu verdeutlichen, stand nach der Begrüßung, die der im Aufsichtsrat tätige Helmut Hohl vornahm, eine Besichtigung des Schlachthofes an. „In unserem Betrieb arbeiten 35 ausgebildete und qualifizierte Fachkräfte, so können wir hochwertige Waren produzieren”, erklärte Philippi. Zudem verarbeite man im Schlachthof nur regionale Tiere, so seien die Transportwege kurz und die Tiere vor der Schlachtung wesentlich entspannter, so das Vorstandsmitglied der FVE. Eine schonende Schlachtung spiegele sich auch in der Qualität der Produkte wider. Im Schlachthof Eschweiler, der seinen Betrieb ab 22 Uhr aufnimmt, werden 20 bis 30 Schweine und acht Rinder pro Stunde geschlachtet.

„Nur wenn die Tiere sich wohlfühlen, schmeckt dem Verbraucher auch das Fleisch”, sagte Philippi. Um dies zu gewährleisten, werden die Schweine auf Stroh gebettet und die Rinder in Einzelboxen gehalten. „Da die Tiere meist rund sechs bis zehn Stunden vor der Schlachtung ankommen, haben sie genug Zeit, sich auszuruhen. So können wir eine hohe Qualität des Fleisches gewährleisten, die sich jedoch auch im Preis widerspiegelt”, fuhr Philippi fort.

Die Teilnehmer des Informationsaustausches waren sich darüber einig, dass der Schlachthof in Eschweiler unbedingt erhalten bleiben solle. Ein weiteres Ziel der FVE ist, dass der Schlachthof in den kommenden Jahren nicht privatisiert wird. Dies wurde vor allem in der abschließenden Diskussionsrunde zwischen Fleischern, Fleischhändlern, Landwirten und Veterinären deutlich.

Verunsicherte Verbraucher

Aber auch die immer weiter ansteigenden Fleischpreise waren ein großes Thema der Diskussionsrunde. „Verbraucher müssen sich heute schon überlegen, dass sie morgen mehr für Fleisch ausgeben müssen”, gab Bernhard Conzen, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Heinsberg, zu bedenken. Auch Bruno Zahren, Innungsmeister des Kreises Heinsberg, stimmte seinem Vorredner zu und ergänzte: „Hinzu kommt, dass die Verbraucher wegen der Lebensmittelskandale der vergangenen Jahre stark verunsichert worden sind. Es ist unsere Aufgabe, dies zu ändern.” Dr. Harlizius von der Landwirtschaftskammer Bonn fasste dies wie folgt zusammen: „Damit sich etwas ändert, müssen wir mehr auf den Verbraucher zugehen und ihm zeigen, wie die Tiere leben und warum der Preis für Fleisch immer weiter steigt.” Bernhard Conzen schloss die Diskussion mit den Worten: „Ich kann nur hoffen, dass der Verbraucher dazu bereit ist für gute Ware mehr zu zahlen, damit so die Produktion in der Region gesichert werden kann.”
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