Der „Scharfrichter“ erobert den Talbahnhof

Von: ran
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Eschweiler. Den von den Krankenkassen sehr nachdrücklich empfohlenen 10.000 Schritt des Tages tat Kabarettist Wilfried Schmickler am Dienstagabend auf der Bühne des ausverkauften Kulturzentrums Talbahnhof unmittelbar nach der Pause seines Programms „Das Letzte“. Das vom Publikum förmlich aufgesogene 10.000. Wort fiel dagegen nach gefühlten 43 Sekunden.

Doch tut eine gewisse Aufgeregtheit auch bitter Not: Schließlich liegen die Nerven quasi überall vollkommen blank! In unserer „Unverträglichkeitsgesellschaft“ seien alle gegen alle und alles allergisch, mancher Kabarettist sogar gegen Fotos.

Doch um auf das „Wort“ zurückzukommen: Stand dies wirklich am Anfang? Oder war es nicht doch der Glaube, die Hoffnung, der Weltfrieden, der Welthandel, das Auto, die Gesundheit, die Atmung, die Kunst, der Wald, der Glaube, die Hoffnung? Oder war es umgekehrt? „Unumstößlich fest steht jedoch, was zuletzt kommt: der Mensch“, so Wilfried Schmickler, dessen bitterböse Kommentare immer wieder den Zwischenapplaus des Publikums herausforderten.

Der Mensch lebe nicht mehr, er hechele nur noch, und dies vor allem hinterher. Die letzten Fragen des real-kollabierenden Kapitalismus würden im elitären Wolkenkuckucksheim geführt. Wobei letzteres inzwischen selbstverständlich als Cloud bezeichnet werden müsse. Hoffnung mache immerhin, dass die Regierung nun junge Menschen über die Gefahren des Internets aufklären wolle: „Wo? Dreimal dürfen sie raten!“, hatte Wilfried Schmickler jedoch sogleich die Ernüchterung parat. Also widmete sich der „Scharfrichter“ der deutschen Kabarettisten dem „Tagebuch eines Gradwanderers“, um kurzerhand all das, was nicht zu Deutschland gehört, auszusondern.

Was natürlich unverzüglich die Frage aufwerfe, ob Köttbullar (schwedische Fleischbällchen) denn zu diesem Land gehöre oder nicht? Auch in dieser Hinsicht sei die Nation gespalten. Nämlich in Köttbullarphile und Köttbullarphobe! Doch was macht eigentlich Angela Merkel?

„Grundsätzlich gehöre ich ja nicht zum Fanclub der Kanzlerin, eher stehe ich in der Hooligan-Ecke, doch inzwischen scheinen ja einige ‚Vollpatrioten‘ zu glauben, Merkel sei Freiwild für alle, die einen Schuss frei haben. Die Dämme der Kinderstuben sind endgültig gebrochen. Vielleicht sollte man es ja einigen Menschen im schönen Osten ermöglichen, einen echten Ausländer kennenzulernen. Aber wäre dies einem Ausländer zuzumuten?“, gab der Gewinner des Deutschen Kabarettpreises (2008) zu bedenken.

„Schlimmer geht‘s immer“

Wobei dieser durchaus Lösungen für das eine oder andere kleine Problem zur Hand hat: „Wir fressen den Planeten leer, dann haben wir wieder Platz“, stimmte er gesanglich vergnügt an. Und so endete „Das Letzte“ standesgemäß mit „Der letzten Lesung des letzten Briefs des letzten Apostels an die Leviten“. Doch „schlimmer geht‘s immer“! Man merke es am Fernsehprogramm: Um 23 Uhr laufe unter dem Titel „The Lady is a Trump“ die definitiv letzte Dokumentation zur Präsidentschaftswahl in den USA. Das böse Erwachen folgte. Immerhin könnte das Ergebnis zu einer Erweiterung des Schmickler-Programms führen. Vielleicht unter dem Titel „Das Allerletzte“?

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