Eschweiler - Der russische Adler bekommt eine Abfuhr

Der russische Adler bekommt eine Abfuhr

Von: Stefan Schaum
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Vatikan im Fokus: Kameramann und Regisseur besprechen während der Dreharbeiten zu „Gottes mächtige Dienerin” die nächste Einstellung. Die ARD zeigt den Zweiteiler am Karfreitag und dem darauffolgenden Foto: R. Bajo/Ziegler-Film

Eschweiler. Den russischen Doppeladler auf der Mütze eines päpstlichen Offiziers hat er in letzter Sekunde noch entdeckt. Um ein Haar wäre ein Schauspieler mit diesem Fehlgriff aus dem Kostümfundus ins Bild gelaufen. Ulrich Nersinger erinnert sich schmunzelnd an diese Szene. „Wär schon peinlich gewesen.”

Nicht bloß auf den korrekten Sitz klerikaler Kleidung hat der Eschweiler Diplom-Theologe bei den Dreharbeiten zum Fernseh-Zweiteiler „Gottes mächtige Dienerin” geachtet. Der 53-Jährige war dort der Fachmann für alle historischen Details.

Zu tun gab es reichlich bei der Produktion. „Welcher Schauspieler weiß denn schon, wie ein formvollendeter Ringkuss funktioniert oder wie sich ein Kardinal vor einem Papst verbeugt?” Er kennt sich mit solchen Dingen aus, denn der Vatikan ist ein Spezialgebiet des Theologen. Zehn Jahre lang hatte er während seines Studiums in Rom gelebt und unter anderem zur Militärgeschichte des Heiligen Stuhls geforscht.

Überrascht war er nicht, als Anfang 2009 das Fernsehen auf ihn zukam. Regisseur Marcus O. Rosenmüller rief ihn an. Ob er wohl Lust habe, die Verfilmung von Martha Schads Biografie der bayrischen Ordensschwester Pascalina Lehnert, die vier Jahrzehnte Haushälterin des Papstes Pius XII. war, zu unterstützen? Die hatte er, richtig große sogar. „Im Gegensatz zu so manchem Kollegen interessiere ich mich sehr für das Fernsehen. Ich bin fast schon ein Filmfreak. Star Trek und andere Science-Fiction-Sachen haben es mir richtig angetan.”

Klar also, dass er auch Remo Girone („Allein gegen die Mafia”) kannte, einen der Hauptdarsteller von „Gottes mächtige Dienerin”. „Als ich in Italien lebte, war er dort bereits ein riesiger Star.” Oder Christine Neubauer, die im Film die Nonne verkörpert. „Es war schon sehr beeindruckend, solche Schauspieler einmal zu treffen.”

Zunächst jedoch hat Ulrich Nersinger sich das Drehbuch vorgenommen. Wieder und wieder. Etliche Zettel hat er eingefügt und Notizen gemacht. „Das Ding war anschließend richtig zerfleddert.” Eine ziemlich lange Liste mit Änderungsvorschlägen hat er den Filmemachern geschickt. „Ich war richtig überrascht, wie viele davon übernommen worden sind.” Zwar gebe es im fertigen Film noch zwei, drei Szenen, die historisch wohl nicht so ganz korrekt und übertrieben sentimental seien, „aber so ein Film braucht eben eine besondere Dramaturgie.” Einen „kleinen Schuss Rosamunde Pilcher”, wie er augenzwinkernd sagt.

Spielt die Handlung in der ersten Hälfte des Films in München und Berlin, mussten Wuppertal und Krefeld dafür als Drehorte herhalten. Auch diese Erfahrung hat Ulrich Nersinger im Lauf der Dreharbeiten gemacht: „Es wird gedreht, wo es günstig und weniger hektisch ist. Und im Ruhrgebiet findet man noch viele dieser Gründervillen, die in den Großstädten während des Zweiten Weltkrieges zerstört worden sind.”

Im Vatikan selbst hat das Team auch nicht gefilmt. Dessen Gebäude wurden mit Hilfe von Fotos und Computertechnik in die Aufnahmen integriert, die im italienischen Umland entstanden.

Ratschläge per Telefon

Diesen Teil der Dreharbeiten hat Ulrich Nersinger größtenteils nicht am Filmset erlebt. „Ich war zu der Zeit krank, aber am Telefon oder per E-Mail jederzeit gefragt. Im Grunde war ich als Berater rund um die Uhr im Einsatz.”

Der Einsatz sei von allen sehr gewürdigt worden, sein Name taucht sogar im Abspann des Films auf. „Das hat mich sehr gefreut.” Und die Aussicht auf einen weiteren Einsatz beim Film? „Noch ist nichts geplant. Aber ich wäre nicht abgeneigt. . .”

Die erste Hälfte des insgesamt 180-minütigen Zweiteilers „Gottes mächtige Kriegerin” zeigt die ARD am morgigen Karfreitag um 20.15 Uhr. Christine Neubauer verkörpert Schwester Pascalina, die von 1939 bis 1958 Privatsekretärin des Papstes Pius XII. war. Der zweite Teil des Films ist am Samstag, 23. April, 20.15 in der ARD zu sehen.
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