Eschweiler - Der Pylon soll nicht mehr so lange leuchten

Der Pylon soll nicht mehr so lange leuchten

Von: Tobias Röber
Letzte Aktualisierung:
Der Werbepylon in unmittelbare
Der Werbepylon in unmittelbarer Nähe zur Autobahn sorgt weiterhin für Ärger. Foto: Tobias Röber

Eschweiler. Er ist 38,5 Meter hoch, leuchtet etliche Stunden am Tag und sorgt bei einigen Bürgern, die in seiner Nähe wohnen, für reichlich Ärger. Die Rede ist vom Werbepylon des Mediamarktes an der Auerbachstraße.

Anwohner hatten gegen die Baugenehmigung geklagt. Am Dienstag wurde im Verwaltungsgericht das Urteil verkündet. Das Ergebnis: Die Baugenehmigung ist rechtswidrig.

Genau heißt es im Urteil, dass die Baugenehmigungen teilweise aufgehoben werden. Teilweise, da sich die Genehmigungen auf den gesamten Baukomplex beziehen, also Elektronikfachmarkt und Pylon, es im Urteil aber lediglich um den Pylon geht. Klägerin ist in diesem Fall eine Anwohnerin, die von Anwalt Detlev Maschler vertreten wurde.

Vier Punkte, die zur Urteilsfindung beitrugen, wurden am Dienstag vorgetragen:

1. Eine erdrückende oder optisch bedrängende Wirkung übe der Werbepylon auf das Grundstück der Klägerin nicht aus. Die Annahme einer derart erdrückenden Wirkung scheide schon deshalb aus, weil das Haus der Klägerin rund 200 Meter vom Werbepylon entfernt sei.

2. Es wurde seitens des Gerichts geprüft, ob die Baugenehmigung für die Werbeanlage gegen das Gebot der Rücksichtnahme wegen unzumutbarer Lichtimmissionen im Sinne einer Raumaufhellung verstoße. Dies konnte nicht festgestellt werden. Im Mai 2001 hatte es dazu einen Ortstermin gegeben, bei dem ein Lichtsachverständiger anwesend war. Die Beleuchtungsstärke habe unter 0,5 Lux gelegen. Dabei handele es sich um einen nicht relevanten Wert, hieß es.

3. Dieser Punkt sei der entscheidende. Der Werbepylon verstoße gegen das Gebot der Rücksichtnahme, weil die Beleuchtung des Werbedreiecks zu einer (psychologischen) Blendung auf dem Grundstück der Klägerin führe. Es gebe eine ungewollte Ablenkung der Blickrichtung auf die Lichtquelle. Zudem sei das Werbedreieck ein leuchtendes Objekt am Nachthimmel in seiner ansonsten dunklen Umgebung. Der Mast sei bei völliger Dunkelheit nicht zu sehen. So entstehe der Eindruck, das Werbedreieck schwebe in der Luft.

4. Zum Schluss eine Anmerkung des Gerichts. Derzeit ist die Beleuchtung zwischen 23 und 5.30 Uhr ausgeschaltet. Das reiche nicht. Allerdings sei ein generelles Verbot als zu weit gehend anzusehen. Ein Einschalten der Beleuchtung montags bis samstags von 10 bis 20 Uhr wurde „empfohlen”. Das entspricht den Öffnungszeiten des Fachmarktes.

Das Fazit Detlev Maschlers fiel rundum positiv aus: „Ich bin sehr zufrieden. Wir haben den Prozess gewonnen. Der Pylon steht ohne Baugenehmigung da”, sagte er. Allerdings räumte er ein, dass er dieses Urteil gerade nach dem Ortstermin im vorigen Jahr so nicht erwartet habe.

Für Maschler steht fest: „Jetzt ist erstmal die Stadt am Zug.” Zur Anmerkung des Verwaltungsgerichts bezüglich der Beleuchtungszeiten sagte Detlev Maschler: „Wenn sie klug wären, würden sie das tun.”

Dieter Kamp, der für die Stadt Eschweiler als Beklagte vor Ort war, sieht das Ganze eher pragmatisch. Es müsse ein Kompromiss her. Bauliche Veränderungen müssten wohl nicht her, es gehe um die Zeiten der Beleuchtung.

Und wie geht es jetzt weiter? Eine Berufung ist zunächst einmal nicht zugelassen. Somit müssten die Stadt Eschweiler und der Bauherr, die FHFA Center II Eschweiler GmbH, zunächst einen Antrag auf Zulassung der Berufung beim Oberverwaltungsgericht Münster stellen. Einen Monat haben sie dafür Zeit. Detlev Maschler und Dieter Kamp hielten sich bedeckt, ob es weitere rechtliche Schritte gibt.

Eine neue Baugenehmigung muss in jedem Fall her. In der jetzigen sind keine Beleuchtungszeiten festgelegt. Rein theoretisch hätte die Beleuchtung also rund um die Uhr eingeschaltet sein können. Das Abschalten zwischen 23 und 5.30 Uhr war somit ein Kompromiss, einer, der nun so wohl nicht fortbestehen wird.

Die Kosten des Verfahrens tragen die Stadt Eschweiler und der Bauherr jeweils zur Hälfte. Eines ist sicher: Der Werbepylon wird in der Indestadt noch eine Weile Thema sein.
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