Eschweiler - Der Pausen-Gong läutet zum großen Rauchen vor dem Tor

Der Pausen-Gong läutet zum großen Rauchen vor dem Tor

Von: Saskia Zimmer
Letzte Aktualisierung:
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Die meisten Schüler vom Berufskolleg verbringen ihre Pause außerhalb des Schulgeländes. Foto: Zimmer

Eschweiler. Am Berufskolleg Eschweiler läutet die Schulglocke längst nicht mehr nur die Pausen ein. Pünktlich mit ihrem Ertönen füllen sich die angrenzenden Gehwege und Fahrbahnen mit unzähligen Schülern. Draußen vor dem Schulgelände beginnt das große Rauchen, dreimal täglich pünktlich mit dem Pausengong.

Mit einem Brief wendet sich das Berufskolleg jetzt an die Bezirksregierung Köln. Die derzeitige Situation sei für Anwohner, Passanten, und Autofahrer unerträglich, unhaltbar. Manfred Hahnen, stellvertretender Schulleiter, sieht nur noch einen Ausweg: „Köln muss Druck auf die Landesregierung in Düsseldorf ausüben, damit sich etwas ändert.”

Gut eine Viertelstunde und ein, zwei Zigaretten später zieht sich die Masse wieder zurück ins Gebäude, gibt die Jahn- und August-Thyssen-Straße wieder frei für den Verkehr. Aber auch für einen Blick auf den Boden. Die Spuren des „Einfalls” werden jetzt sichtbar. Kippenstummel, Brötchentüten und Kaugummis bleiben zurück.

Dieses Szenario ereignet sich so oder so ähnlich Tag für Tag seit über einem Jahr. Im Januar 2008 ist das Nichtraucherschutzgesetz in NRW und damit ein generelles Rauchverbot auf dem Gelände öffentlicher Schulen in Kraft getreten. Am Eschweiler Berufskolleg hatte das zur Folge, dass die bis zu diesem Zeitpunkt existierende Raucherzone auf dem Schulhof abgeschafft werden musste.

Ein Vorteil des Rauchens auf dem Schulgelände, nämlich das Lehrer bei Fehlverhalten der Schüler eingreifen können, falle laut Hahnen jetzt weg: „Am Schultor hört unsere Kompetenz auf - und das wissen auch die Schüler ganz genau.”

Täglich besuchen rund 1000 von 2600 überwiegend volljährigen Schülern das Berufskolleg. „Ein großer Teil ist Raucher und die restlichen folgen dem Cliquensog hinaus auf die Straße”, sagt Hahnen. Während der Pausen ist auf der Ecke zur Jahnstraße tatsächlich kaum ein Durchkommen möglich. Dass auf diese Weise für Schüler und Autofahrer gefährliche Situationen entstehen, lässt sich leicht ausmalen.

Zudem flattern Hahnen regelmäßig Beschwerdebriefe auf den Schreibtisch. Auch Anrufe besorgter Eltern von der benachbarten Grundschule, verängstigter Altenheimbewohner und wütender Anwohner muss er mit zunehmender Häufigkeit entgegennehmen.

Eines kann dem Berufskolleg Eschweiler aber mit Sicherheit nicht vorgeworfen werden: Untätig geblieben zu sein. Kaum etwas ließen Lehrer und Schüler, auch in Zusammenarbeit mit der Stadt, im vergangenen Jahr unversucht, um die Raucher vor dem Schulgelände, zu rücksichtsvollem und sicherheitsbewusstem Verhalten zu bewegen.

So verteilte die Schülervertretung Flyer, das Ordnungsamt vergab gelbe und rote Karten sowie Bußgelder bei Fehlverhalten und neue Mülleimer wurden am Schultor aufgestellt. Hahnen: „Durch solche Aktionen konnten wir den Schaden zwar ein wenig eingrenzen, das grundsätzliche Problem aber nicht lösen.”

Hahnen setzt nun all seine Hoffnung auf eine Rechtgüterabwägung und dass die Bezirksregierung die Landesregierung zu einer solchen bewegen kann. Dabei würde - vereinfacht dargestellt - entschieden, ob der Nichtraucherschutz oder der Schutz der Schüler, Passanten, Anwohner und anderer Verkehrsteilnehmer gewahrt werden soll, weil beides anscheinend nicht miteinander zu vereinbaren ist.

Unterstützung für dieses Anliegen findet das Berufskolleg bei der Stadt. Bürgermeister Rudi Bertram habe auch schon einen entsprechenden Brief nach Köln geschickt, bestätigt Hahnen. Und er weiß: Auch andere Schulen wollen sich an die Bezirksregierung wenden. In Düsseldorf schließlich könnte dann entschieden werden, ob das Berufskolleg seine ehemalige Raucherzone wieder zurück erhält. Ob es soweit kommt - man wird es sehen und hören, wenn der Pausengong ertönt.
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