Der „Ostblock-Latino“ Marek Fis gibt im Talbahnhof Gas

Von: ran
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Nahm auch im Talbahnhof nicht wirklich ein Blatt vor den Mund: Comedian Marek Fis blieb den zahlreichen Zuschauern selbst auf gar nicht gestellte Fragen kaum eine Antwort schuldig. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Der Begriff „Vorurteil“ fehlt in seinem Wortschatz nahezu vollkommen. Stattdessen brillierte Marek Fis am Mittwochabend im sehr gut besuchten Talbahnhof mit feinsinnigstem Humor, außerordentlicher Beobachtungsgabe sowie sprachlicher Vielfalt und Genauigkeit.

Der Comedian beleuchtete im Rahmen seines zweistündigen Programms „Baustelle Europa – Ein Pole packt ein/aus“ in sachlichem Ton unter Berücksichtigung der weltpolitischen Gesamtsituation die deutsch-polnischen Beziehungen und arbeitete dabei auch die eine oder andere unbedeutende Mentalitätsdivergenz heraus. Oberster Leitsatz des „Ostblock-Latinos“ bleibt dabei natürlich stets, ausschließlich der Wahrheit verpflichtet zu sein!

„Volksschulehoch“

„Selbstverständlich kann ich nur in Deutschland mit dem Wort ‚Baustelle‘ im Programm auftreten. In Polen müsste die Überschrift ‚Das Haus ist fertig‘ lauten“, verdeutlichte Marek Fis, der die deutsche Sprache laut eigener Aussage durch das Studium der beiden Fernsehsender RTL und RTL 2 sowie verschiedenster Radioprogramme in Verbindung mit dem einen oder anderen Kurs an der „Volksschulehoch“ gelernt hat, die unterschiedliche Interpretation des Wortes Arbeitsmoral in beiden Ländern. „Auch der polnische Papst hat im Gegensatz zu seinem Nachfolger bis zuletzt gearbeitet“, hatte er gleich ein weiteres passendes Beispiel parat.

Politisch sieht der 31-jährige seine Wahlheimat aber durchaus gut aufgestellt. Nicht zuletzt durch das Dschungelcamp: „Endlich schiebt Deutschland Deutsche ab. So gibt es in jedem Januar ein Dutzend Probleme weniger in diesem Land. Schließlich dürften die zwölf Insassen zusammen mehr Schulden aufweisen als ganz Griechenland“, so die Vermutung des regelmäßigen Gastes des Quatsch Comedy Clubs.

Und auch in Sachen Humor seien die Deutschen ganz weit vorne: „Wer Ursula von der Leyen zur Verteidigungsministerin ernennt...“ Außerdem sei Deutschland das einzige Land der Welt, in dem es drei Comedians geschafft hätten, ein Olympiastadion komplett zu füllen. „Zuletzt Mario Barth, davor ein Mann in einem drolligen weißen Kostüm mit Vornamen Benedikt und vor etwas längerer Zeit ein Herr mit einem unvorteilhaften Schnurrbart, der sich in Polen allerdings keiner allzu großen Beliebtheit erfreuen durfte“, wusste Marek Fis zu berichten.

Etwas sorgenvoll blickt er jedoch auf das intellektuelle Niveau im Land der Dichter und Denker. „2011 erhielt Bushido einen Integrationspreis. 2013 war das Dschungelcamp für den Grimme-Preis nominiert. Was kommt als nächstes? Werden die Wollnys im Jahr 2017 mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet? Erhält Daniela Katzenberger das Bundesverdienstkreuz?

Bekommt Nordkorea 2020 den Friedensnobelpreis? Und wird der Verfasser von ‚Mein Kampf‘ im Jahr 2022 posthum mit dem Literaturnobelpreis geehrt?“, stellte der Comedian durchaus provokante Fragen, um sich kurz darauf allerdings wieder erfreulicher Entwicklungen in Sachen Völkerverständigung zu widmen. „In Polen heißt inzwischen jede zweite Frau unter 18 Jahren mit Nachnamen Matthäus. In Bulgarien übrigens jede einzelne“, so der Verfasser des Musikalbums „Dirty Danzig“.

Glühwein mit neun Prozent?

Nicht ganz nachvollziehen kann Marek Fis jedoch die deutsche Tradition des Weihnachtsmarktes: „Wir Polen müssen keine Bude aufstellen, um zu saufen! Und Glühwein mit neun Prozent? So viel hat in meinem Heimatland das Leitungswasser“, wies er auf geringfügige Unterschiede hin, bevor er nach lautstarkem und langanhaltendem Applaus seines Publikums diesem ganz selbstverständlich für einige „Selfskis“ zur Verfügung stand.

Seine Anfänge auf der Bühne hatte Marek Fis im Jahr 2006, als er im Talentwettbewerb des Quatsch Comedy Clubs den 2. Platz belegte. Es folgten zahlreiche TV-Auftritte.

Typische Markenzeichen sind sein polnischer Akzent, eine graue Jogginghose und ein rotes T-Shirt mit dem Aufdruck Polska und dem Wappen der Republik Polen mit goldgekröntem weißen Adler. Mittlerweile wurde der goldgekrönte weiße Adler auch mit dem Schriftzug „Ostblocklatino“ ersetzt.

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