Der Omerbach wird fit für den großen Regen

Von: Jürgen Lange
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Spatenstich zum Bau von Rückh
Spatenstich zum Bau von Rückhaltebecken im Tal des Omerbachs: Paul Larue, Axel Wirtz, Ferdi Gatzweiler, Rudi Bertram und Prof. Dr. Wolfgang Firk (v.l.). Foto: J. Lange

Stolberg-Gressenich. Rudi Bertram sucht den Himmel immer wieder nach schwarzen Wolken ab. „Beim Gedanken an den nächsten kräftigen Regen wird mir immer ganz mulmig”, erinnert sich Eschweilers Bürgermeister nur ungern an die zahlreichen Überschwemmungen, unter denen vor allem die Nothberger leiden mussten.

Bis 1984 reichen die Überlegungen des Wasserverbandes Eifel-Rur (WVER) zurück, die Anlieger des eigentlich so beschaulichen Omerbachs vor Hochwasser zu schützen. „Man traut ihm gar nicht zu, dass er so anschwellen und über die Ufer treten kann”, sagt Dürens Bürgermeister Paul Larue während er sich die Baustelle anschaut, die in den nächsten Monaten den Lauf des ruhigen Bächleins stören wird.

Der Vorsitzende des Verbandsrats und Vorstand Prof. Dr. Wolfgang Firk stellten am Freitag die Maßnahmen vor, mit denen der WVER den Hochwasserschutz am Omerbach auf den statistisch einmal in 100 Jahren eintretende Regenereignis anhebt: den Bau von zwei weiteren Rückhaltebecken, nachdem 2007 bereits ein erstes, 30.000 Kubikmeter fassendes Bauwerk an der Eifelstraße in Eschweiler entstanden ist. 1,64 Millionen Euro investiert der Wasserverband mit 65-prozentiger Beteiligung des Landes sowie dank der Unterstützung durch die Bezirksregierung und die Städteregion.

9485 Kubikmeter Stauvolumen entstehen in einer Talsenke des Omerbachs am Rande eines Waldstücks oberhalb von Gressenich. Dabei nutzen die Ingenieure einen vorhandenen Wegedamm, der auf seine tragenden Bestandteile reduziert wird. Spundwände dienen als Abdichtung zum Untergrund. Kieshaltiger Boden wird aufgeschüttet bis auf eine Höhe von vier Metern. Auf der Dammkrone wird der Wirtschaftsweg wieder hergestellt.

3700 Kubimeter Erdreich müssen für den 90 Meter langen Damm bewegt werden, in den ein Auslauf aus Stahlbeton eingelassen wird, der über eine integrierte Hochwasserentlastung sowie ein Pegelhäuschen verfügen wird. An dieser Stelle kann der Omerbach von einem rechnerischen Wasserzufluss von 1,95 auf maximal einen Kubikmeter pro Sekunde gedrosselt werden.

Ein zweites Hochwasserrückhaltebecken entsteht zeitgleich vor der Mündung des Diepenlinchenbachs in den Omerbach. In der Talsenke zwischen Gressenich und Scherpenseel entstehen 10.775 Kubikmeter Stauvolumen auf einer Weide (der WVER stellte dem betroffenen Landwirt Ausgleichsflächen zur Verfügung) durch einen 150 Meter langen und fünf Meter hohen Damm aus kieshaltigem Boden, der mit Betonit abgedichtet wird.

Das Auslaufbauwerk kann den Diepenlinchenbach von dem 100-jährlichen Ereignis von 0,83 auf maximal 0,3 Kubikmeter drosseln, erläuterte Prof. Dr. Firk die technische Umsetzung vor zahlreichen Vertretern vom Kommunen und Verbänden. Beide Dammkörper sollen im Oktober fertiggesteltl sein und begrünt werden. Standorttypische Gehälze wie Weide, Erle und Wildkirche werden im Umfeld als Ausgleichsmaßnahme gesetzt.

Wie bedeutend die Becken für die Anlieger am Omerbach sind, unterstrich Ferdi Gatzweiler. „Es ist immer schwieriger zu erklären, wenn 100-jährliche Ereignis zwei, drei Mal innerhalb eines Jahres eintreten”. Dabei verwies der Bürgermeister auf weitere erforderliche Maßnahmen im Stolberger Stadtgebiet entlang von Vicht und Münsterbach.

Dass das Land den ländlichen Raum beim Hochwasserschutz nicht zugunsten der Ballungszentren an Rhein und Ruhr vernachlässigen dürfe, unterstrich Axel Wirtz. Investitionen in den Einzugsgebieten kämen letztlich auch den Menschen an den größeren Wasserläufen zugute.

Und in diesem Fall warten insbesondere die Nothberger auf die Fertigstellung der beiden Becken, damit sie den nächsten Starkregenereignissen etwas beruhigter entgegensehen können, wenn aus dem beschaulichen Omerbach wieder ein reißender Fluss zu werden droht.
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