Eschweiler-Hastenrath - Der Milchpreis ist weiter im Sinkflug

Der Milchpreis ist weiter im Sinkflug

Von: Timo Müller
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Die Kälbchen werden aus hygienischen Gründen zuerst in kleinen separaten Gehegen gehalten. Foto: Timo Müller
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Auszubildender Kai Marx, Hans-Peter Stenten und Irene Stenten mit einem der Kälbchen des Familienbetriebs. Foto: Timo Müller

Eschweiler-Hastenrath. Täglich stehen die Kühe von Hans-Peter Stenten vor der automatischen Melkmaschine des Landwirtes Schlange. Und das in einer Ordnung und Seelenruhe, wie es beim Menschen leider seltener zu beobachten ist. So wartet jede Kuh geduldig, bis sie an der Reihe ist.

Verlässt eine Kuh die Vorrichtung, öffnet sich eine kleine Tür, durch die das nächste Tier die Maschine langsam betritt. Mit Hilfe von Lasern macht diese dann die genaue Position des Euters ausfindig, woraufhin die Saugvorrichtung vorsichtig an die Zitzen fährt und die Kuh melkt. Ist der Vorgang abgeschlossen, verlässt das Tier die Maschine und die nächste Kuh tritt vor.

70 Rinder werden so täglich auf Stentens Hof am Killewittchen in Hastenrath gemolken. Die Milch wird dann von der Molkerei abgeholt, und dabei auf ihre Qualität geprüft. Kriterien hierbei sind beispielsweise der Keim- und der Zellgehalt, sowie Inhaltsstoffe wie Fett und Eiweiß. Die Molkerei verkauft die Milch weiter, und rechnet dann zurück, wie viel Geld die Landwirte pro Liter für ihre Milch erhalten. Der Preis befindet sich jedoch seit einiger Zeit im Tiefflug.

Erhielt Stenten im April noch 25,5 Cent pro Liter, waren es im Mai noch 24,5 Cent. Mancherorts ist der Milchpreis gar unter die 20-Cent-Marke gerutscht. Zum Vergleich: Um die Kosten decken zu können, gelten 35 Cent als durchschnittlich nötig.

Gründe für diesen Preisverfall sieht Stenten unter anderem im Russlandembargo. „Russland hat sehr viel Käse abgenommen“, so der Landwirt. „Für einen Kilo Käse braucht man zehn Liter Milch, dadurch ist viel Milch auf dem europäischen Markt geblieben.“ Dazu habe sich China aus dem Milchimport fast komplett zurückgezogen. Der niedrige Ölpreis tue sein Übriges, da viele Länder, die ihre Haupteinnahmen aus dem Ölgeschäft beziehen, nun nur noch wenig Geld haben, um Milchimporte zu finanzieren.

Außerdem entstand seit vergangenem Jahr, durch den Wegfall der Milchquote, die die Menge der Milch auf dem Europäischen Markt eingrenzte, ebenfalls ein Überangebot. Wurden die Landwirte damals noch bei einer Überproduktion sanktioniert, dürfen sie nun so viel Milch produzieren, wie sie möchten. Das heizt den Preisverfall noch weiter an.

„Jeder versucht, sich über den schlechten Milchpreis in die Menge zu retten“, so Stenten. Aus einzelbetrieblicher Sicht scheint das auch logisch. So hat jeder landwirtschaftliche Betrieb auch monatliche Fixkosten, die gedeckt werden müssen. Doch durch die immer größer werdende Milchmenge am Markt wird der Preis so zusätzlich gedrückt.

Doch nicht nur die Landwirte selbst leiden unter der Situation, betont Irene Stenten. Das gesamte landwirtschaftliche Wirtschaftssegment ist betroffen, da die Bauern aufgrund ihrer finanziellen Situation auch in nichts Neues mehr investierten.

So bleiben Käufe neuer Traktoren oder Maschinen aus. Auch an Düngemitteln oder Kraftfutter wird nun gespart, so dass eine ganze Branche an der jetzigen Situation auf dem Milchmarkt leidet. Stentens Familienbetrieb, der schon seit 1937 existiert, ist jedoch kein reiner Milchbauernhof, sondern ein Mischbetrieb.

So bestellt er auch Felder auf denen Zuckerrüben, Weizen, Gerste, Raps und Mais, welcher als Futter für die Tiere genutzt wird, wachsen. „Manchmal ist der Getreidepreis gut, und wenn dann der Milchpreis runtergeht, ist die Situation dann doch ausgewogen“, erklärt Landwirt Hans-Peter Stenten. „Aber im Moment ist der Getreidepreis auch ziemlich am Boden.“

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