Der Mensch: Nur eine Laune der Natur?

Von: ran
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Sieht bei richtiger Interpretation die Vereinbarkeit von Evolution und Schöpfung als mögliche Option: Professor Ulrich Lüke. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Was ist der Mensch? Woher kommt er? Fragen, die seit Jahrtausenden nicht nur Philosophen, sondern beinahe jeden Menschen bewegen. In unseren modernen Zeiten stehen sich vor allem Naturwissenschaftler wie Richard Dawkins, der gegen jede Gottesvorstellung spricht, und kreationistische Christen, die den Schöpfungsbericht der Bibel wörtlich nehmen, konträr gegenüber.

Im Rahmen des Forums „Gott und die Welt” referierte der Theologe und Biologe Ulrich Lüke, seit 2001 als Professor für Systematische Theologie am Katholischen Institut für Theologie an der RWTH Aachen, unter der Überschrift „Der Mensch - Plan Gottes oder (dummer) Zufall?” im Gemeindezentrum St. Michael.

„In den Debatten über Evolution und Schöpfung stehen sich sehr häufig äußerst plakative Alternativen in größtmöglicher Konkurrenz gegenüber”, betonte Prof. Ulrich Lüke zu Beginn seines Vortrags. Vorschnelle Urteile seien jedoch in beide Richtungen problematisch.

So enthalte die Genesis als erstes Buch der Bibel mit dem Hymnus des „Sieben-Tage-Werkes” sowie der „Adam und Eva-Erzählung” zwei Schöpfungsberichte, die wortwörtlich nicht zusammenpassten. „Aber es handelt sich dabei auch nicht um eine Schöpfungsreportage”, gab der 1951 in Münster Geborene zu bedenken.

„Dennoch sind beide Geschichten richtig, weil sie etwas über das Wesen des Menschen erzählen. Sie sind gute Urkunden über das, was der Mensch ist - nämlich gut und böse”, so Ulrich Lüke, der sowohl den Kreationisten als auch den Naturwissenschaftlern um Richard Dawkins das notwendige Textverständnis für eine korrekte Interpretation absprach.

Kreationisten keine Spinner

Dabei seien Kreationisten keinesfalls ausschließlich naturwissenschaftsfremde Spinner. Auch Forscher und Mathematiker gehörten zu dieser Gruppe radikaler Christen. „Nach ihrer Vorstellung ist zum Beispiel der menschliche Körper so komplex, dass er nicht durch Zufall entstanden sein könne. Begründen tun sie dies mit dem Beispiel, dass nachdem ein Tornado über einen Schrottplatz hinweggefegt ist, auch keine Boeing 747 entstanden sei”, machte der Referent, der 1980 zum Priester geweiht wurde, deutlich.

Dieser „plakativen und manchmal primitiven Herangehensweise” stehe aber die Tatsache gegenüber, dass es natürlich wesentlich weniger komplexe Lebewesen gebe als den Menschen.

Im Mittelpunkt der Frage „Evolution oder Schöpfung” stehe die gegenteilige Meinung, ob ein „Designer” notwendig sei oder nicht. Und der Begriff Zufall spiele bei den Debatten eine wichtige Rolle. „Dabei ist der Zufall eigentlich ein mathematisches Rechenexempel, das allerdings so komplex ist, dass es für viele Menschen unverständlich bleibt

„Wir können Gott nicht beweisen. Doch die Naturwissenschaftler können auch nicht beweisen, dass Gott nicht existiert”, fasste Hans Coenen, Organisator der Veranstaltungen innerhalb des Forums „Gott und die Welt”, Vortrag und Diskussion zusammen. Und zog ein positives Fazit: „Wer möchte als aufgeklärter Mensch schon zeigen, dass er auch religiös ist? Ich denke, der heutige Abend hat gezeigt, dass beides möglich ist!”
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