Eschweiler/Stolberg - Der Meister des Viersaiters genießt die Freiheit

Der Meister des Viersaiters genießt die Freiheit

Von: psi
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Da geht‘s lang zur guten Musik: Peter Sonntag mit Reno Schnell (links) und Max Sonntag (rechts) spielten im Rahmen der Reihe „Blues meets Rock“ im Rio in der Schnellengasse. Foto: Paul Santosi

Eschweiler/Stolberg. Für einen normalen Werktags-Abend bescherte die Peter-Sonntag-Band dem Rio in der Schnellengasse am Dienstag eine stattliche Besucheranzahl. Was das Publikum in den zweieinhalb Stunden der Show an musikalischer Qualität und Variationsreichtum erleben durfte, war aber alles andere als normal, sondern von allererster Güte.

Diesmal unter der Bezeichnung „RPM Komplott“ gastierte Sonntag mit Sohn Max am Schlagzeug, Reno Schnell an der Gitarre, den Bläsern Yavuz Duman (Trompete), Markus Plum (Posaune), Patros (Saxophon) sowie der Sängerin Missi Wainwright-Schneider und Martin Mersmann (Keyboards & Electronics).

Peter Sonntag startete mit einer für ihn typischen Ballade, in der er den Bass gerne aus seiner Standardrolle als schnödes Hintergrund-Begleitinstrument herausbefördert. Beachtlich entwickelt hat sich auch Sonntags Klang in den letzten Jahren. Wenn er möchte, klingt sein Instrument wie der berühmte bundlose Fretless-Fender von Jaco Pastorius.

Nach der virtuosen Einstimmung ließ die Band ihre Bläser-Abteilung aus verschiedenen Ecken des Rio-Raumes nach vorn auf die Bühne zusammenkommen. Das klang für das Publikum wie ein live realisierter 5.1-Surround-Sound. Bei der Wahl der Titel orientiert sich das „RPM Komplott“ an nahezu allem, was in den vergangenen 30 bis 40 Jahren in Rock, Pop und Jazz über dem Durchschnitt rangierte. Manchmal nur in einigen Takten angedeutet treffen sich so Led Zeppelin, Stevie Ray Vaughan, die Beatles und Frank Zappa zu einem munteren Stelldichein. Gerade die Interpretation des Letzteren hat es Peter Sonntag immer wieder angetan.

Anspruchvolles Material

Gemeinsam mit der Aachener „Tinseltown Rebellion Band“ und dem Kölner Quartett „Drei vom Rhein“ wagt sich Sonntag damit an das wohl anspruchsvollste Material eines Rock-Komponisten überhaupt. Die Version von „Zoot Allures“, eines der Markenzeichen des 1993 verstorbenen US-Musikers Zappa, gehörte zu den absoluten Highlights.

Derlei Ausflüge kann man nur unternehmen, wenn man mit Reno Schnell eine Gitarren-Allzweckwaffe mit auf der Bühne hat. Schnell zieht mit traumhafter Sicherheit Sounds und Spieltechniken bekannter Gitarristen aus dem Ärmel und simuliert ohne Mühen in der gleichen Minute authentisch Jimi Hendrix, Jeff Beck oder Stevie Ray Vaughan. „Aber dabei immer mit ihrem eigenen künstlerischen Ausdruck und ihrer speziellen Note“, wie Peter Sonntag deutlich betont.

Beim Funk-Klassiker und der Synkopen-Orgie „What is hip“ von Tower of Power zeigten auch Max Sonntag am Schlagzeug und die Bläser des „RPM Komplottes“ ihr ganzes Können. Ein wilder Mix mit „I want You (She‘s so heavy)“ von den Beatles mündete schließlich in eine Adaption von J.J. Cales Klassiker „Cocaine“ und danach in das legendäre „Birdland“ von Weather Report.

Zusätzliche Akzente setzten Sängerin Missi Wainwright-Schneider mit ihrer warmen, wundervollen Stimme sowie Keyboarder Martin Mersmann, der sich stets geschmackvoll in die Band-Interpretationen einfügt. So ausgestattet hörte sich Richie Havens Woodstock-Klassiker „Freedom“ bei der Zugabe phasenweise an wie ein von Shirley Bassey gesungenes Intro eines James-Bond-Filmes.

Derlei musikalische Freiheit ist schon beachtlich. Die Zuschauer waren jedenfalls von allen Elementen der Musik-Revue der „RPM Komplottes“ äußerst angetan. Peter Sonntag hat erfreulicherweise nicht nur internationale Fans, wie etwa nächste Woche bei der renommierten NAMM Music Show in den USA, sondern auch in der Region ein treues und zahlreiches Publikum.

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