Eschweiler - Der Mann in Blau-Gelb ist ganz schön fit

Der Mann in Blau-Gelb ist ganz schön fit

Von: ran
Letzte Aktualisierung:
4636624.jpg
Der Mann ist Postzusteller mit Leib und Seele: Lothar Rappsilber hat gerade in diesen Tagen mehr als alle Hände voll zu tun.

Eschweiler. Es ist kalt, der Wind pfeift und aus der Luft fällt nicht selten Regen und manchmal auch Schnee. Winter halt! Während zahlreiche Menschen in den Büros, ihren Häusern oder Wohnungen die Heizung hoch drehen, zieht Lothar Rappsilber seine blau-gelbe Arbeitskleidung an, schnürt die aus Finnland stammenden Spezialschuhe und macht sich bereit für seine tägliche Runde durch die Eschweiler Innenstadt.

Der 42-jährige ist Postzusteller. An fünf Tagen in der Woche wirft er zahlreichen Indestädtern freudig erwartete oder befürchtete Nachrichten, aber auch die eine oder andere Überraschung in den Briefkasten. Dies tut er inzwischen seit sieben Jahren. Zuvor war Lothar Rappsilber als Maler und Lackierer tätig. „Und damit in jedem Winter arbeitslos“, blickt er zurück. „Doch auch und gerade in der kalten Jahreszeit fallen Kosten an. Also habe ich mich beruflich verändert.“

Den Gedanken, bei der Post zu arbeiten, hatte der gebürtige Linnicher schon viel früher. „Schon als Schüler habe ich ein Praktikum absolviert und mich nach der Schulzeit bei der Post beworben. Doch es gab so viele Bewerber, dass gelost werden musste, wer zum Vorstellungsgespräch eingeladen wird. Und da war ich leider nicht dabei. Doch inzwischen hat sich der Kreis ja geschlossen“, ist er zufrieden.

Die Voraussetzungen? „Man benötigt einen Führerschein. Ohne dauert es zu lange, die Verbund-, also die Außenbezirke, zu erreichen“, erklärt Lothar Rappsilber, der sich wunderte, dass ihm während seines Einstellungsgesprächs zusätzlich die Frage gestellt wurde, ob er Fahrrad fahren könne. „Doch dies war ernst gemeint, schließlich bewegen wir uns auf speziellen Fahrrädern, an denen vorne ein Korb befestigt ist. Das ist im Vergleich zu einem normalen Fahrrad schon eine Umstellung“, macht er deutlich.

Generell sollte die körperliche Konstitution eines Postzustellers („Postboten gab es, als Onkel Heini noch in Uhlenbusch tätig war“) gut sein. Denn die Wegstrecken sind nicht „ohne“, und zugestellt wird bei Wind und Wetter. „Wir sind Dienstleister. Das muss jedem, der diesen Job machen möchte, klar sein“, unterstreicht Lothar Rappsilber, dessen Abwehrkräfte durch die im Winter häufig wirklich frische Luft offenbar gestärkt werden

„Seit ich bei der Post bin, habe ich seltener mit Erkältungen zu kämpfen als zuvor.“ Auch von den typischen Berufskrankheiten „Rücken, Knie und Tennisarm“ blieb er bisher verschont. Selbst von Problemen mit Hunden weiß Lothar Rappsilber nichts zu berichten. „Obwohl das Klischee des vom Hund gebissenen Briefträgers stimmt“, nennt er das Beispiel einer Kollegin, die vor kurzem unangenehme Bekanntschaft mit einem Dobermann gemacht habe.

Werden denn in der heutigen E-Mail-, SMS- und Facebook-Ära überhaupt noch Briefe und Postkarten geschrieben? „Nur noch selten! Die Menschen sind schreibfaul geworden! In der Weihnachts- und Urlaubszeit nimmt die Zahl etwas zu, aber nicht wirklich entscheidend. Ältere Kollegen berichten auch noch von Telefonrechnungen, die kistenweise zugestellt wurden. Dies geschieht heute auch größtenteils online.“

Dafür habe die Zahl der Werbesendungen deutlich zugenommen, ebenso die Zahl der Werbeverweigerer. „Gehen Wurfsendungen an ´alle´ Haushalte, werden sie den Verweigerern nicht zugestellt. Sind sie an ´sämtliche´ Haushalte adressiert, wie etwa Jahreskalender von bestimmten Unternehmen, landen sie auch in deren Briefkästen“, weist Lothar Rappsilber auf einen feinen Unterschied hin.

Sein Dienst beginnt in der Regel um 6.40 Uhr in der Poststelle an der Rosenallee. „Zunächst steht bis 8.30 oder 9 Uhr der Sortierraum auf dem Programm, danach geht es an die eigentliche Zustellung“, legt er seinen Zeitplan vor. Abschließend führt der Weg noch einmal zurück zur Rosenallee, wo die unzustellbaren Sendungen neu sortiert werden.

Einen weiteren positiven Aspekt seines Berufs sieht Lothar Rappsilber in den nach wie vor vorhandenen Kontakten zu seinen „Kunden“ in den fünf Zustellbezirken, die er bedient. Und über die Mandarinen, die ihm ein Obsthändler in der Grabenstraße schon einmal zusteckt, freut er sich von Herzen. Mit Vitaminen lässt sich die Kälte des Winters natürlich noch besser aushalten. „Im Büro zu sitzen, wäre aber einfach nicht mein Ding. Auch als Maler und Lackierer war ich schon oft draußen. So gefällt‘s mir“, hat Lothar Rappsilber vor, auch in den kommenden Jahren den Witterungsbedingungen zu trotzen. Und den Indestädtern hoffentlich viele positive Nachrichten ins Haus zu bringen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert