Der Major lässt es im Talbahnhof krachen

Von: Volker Rüttgers
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Der Hut, epische Gitarrensoli und nahezu perfektionistische Kompositionen sind auch nach über 30 Jahren Bühnenpräsenz seine Markenzeichen: Klaus „Major“ Heuser, hier mit Sänger Thomas Heinen. Foto: Rüttgers

Eschweiler. Mit Spitznamen ist das so eine Sache. Oft aus einer zufälligen Situation heraus geboren, bleiben sie ein Leben lang haften. „Major Healey!“, der Leadgitarrist einer aufstrebenden deutschen Rockband, kam Anfang der 80er Jahre nach einer kritischen Diskussion über anspruchslose US-Vorabendserien als erster auf den Namen des Kollegen von Major Nelson in „Bezaubernde Jeannie“.

Von da an wurde aus Klaus Heuser der „Major“, prägender Gitarrist von BAP, erfolgreicher Produzent und seit ein paar Jahren auch endlich wieder mit Gitarre auf der Bühne, so wie am Donnerstagabend im Talbahnhof mit seiner neuen Formation, eben der Klaus-Major-Heuser-Band.

Jedes Solo ein Dialog

Unter dem tief ins Gesicht gezogenen Lederhut sprießen mittlerweile graue Haare, doch es ist immer noch der herausfordernde, stechende Blick, der jedes Gitarrensolo zu einem Dialog mit dem Publikum macht und jeden BAPtisten an legendäre Rockpalast-Auftritte zurückdenken lässt, bei denen Klaus „Major“ Heuser als musikalischer Chef mit seiner Band abrockte. Der Song „Care for the world“ lieferte am Donnerstag ob seines markanten Gitarrenriffs genau dieses Feeling unzähliger BAP-Konzerte. Doch statt kölschen Texten erklang hierzu die rauchige Stimme Thomas Heinens, seines Zeichens glühender Springsteen-Anhänger und Frontmann der Coverband „Bosstime“.

Wer jedoch nach Heusers erfolgreicher Zusammenarbeit mit Richard Bargel („Men in Blues“) geradlinigen Rock à la „Back to the roots“ erwartet hatte, wurde überrascht, denn der Major und seine Band lieferten von Country-Rock über melodiöse Balladen bis hin zum erdigen Blues eine angenehme, abwechslungsreiche Mischung an Songs aus ihrem Debütalbum „Men in trouble“ ab.

„In trouble“ soll hierbei augenzwinkernd auf die Situation der Band nach Bargels Hörsturz bedingten Ausscheiden verweisen, schließlich mussten Heuser, Schlagzeuger Marcus Rieck und Bassist Sascha Delbrouck nun einen neuen charismatischen Sänger finden, der in die großen Fußstapfen Bargels treten konnte. Mit Thomas Heinen ist der Klaus Major Heuser-Band ein echter Coup gelungen, beherrscht der Sänger, Songwriter und Gitarrist die ruhigen balladesken Töne doch ebenso wie den tief aus dem Bauch kommenden, röhrenden Rock und röchelnden Blues. Seine Affinität zu „Boss“ Bruce Springsteen kann Heinen allerdings weder in Intonation noch in puncto Mimik und Gestik verbergen und versucht es auch gar nicht erst.

Mit dem sehr zurückgelehnten „Journey“, einer Countryrocknummer, die in ihrem Verlauf gehörig Fahrt aufnimmt, starteten der Major und seine Band am Donnerstag in ein über zweistündiges Konzert im Talbahnhof. Vom „Elferratstisch“ an der Seite der Bühne anfänglich noch leicht irritiert, zogen die Musiker ihr Publikum im gut gefüllten Kulturzentrum schnell in ihren Bann, hier halfen vor allem Songs wie „In your own time“, der es ohne Probleme in jedes Eagles-Programm schaffen würde, oder die Ballade „Day on the beach“, bei der Klaus Heuser zum Schluss noch einmal zu den Gitarrensoli greift, die ihn als BAP-Gitarrist in Liedern wie „Alexandra, nit nur do“ berühmt gemacht haben.

„Früher war auch nicht alles schön, so manche Platte musstest du dir erst noch schön rauchen“, stellte Heuser, der am Donnerstag gerne mit seinem Alter (57) kokettierte, klar. Deshalb genieße er es auch, jetzt die Musik zu spielen, die ihm und seiner Band Spaß mache und dies vor dem Publikum, das er auch noch bis in die letzten Reihen sehen könne, im Gegensatz zu den Stadion-Megakonzerten, die er zu Genüge erlebt habe.

Raum für Instrumente

Interessant ist, dass gerade Majors Streben nach radiotauglichen Rock-Pop-Nummern den Keil zwischen ihm und BAP-Chef Wolfgang Niedecken getrieben und schließlich 1999 zu Majors Ausstieg aus der Band geführt hatte, neigt der ehrgeizige Gitarrist heute doch mehr denn je zu ausladenden, instrumentallastigen Songs, die jenseits der Fünf-Minuten-Grenze liegen.

Neue musikalische Tiefe

Dass diese wie bei „The heat“ sogar als Rumba und direkt im Anschluss als „Midlife crises Rock“ richtig gut klingen, liegt an Majors nach wie vor nahezu perfektionistischen Kompositionen, die mit der neuen Unterstützung von Keyboarder Matthias Krauss, der bereits bei Jon Lord und den „Scorpions“ gespielt hat, eine neue musikalische Tiefe erlangen.

„Goin‘ away“ und „How can I go on“ – die Bluesstücke liegen Klaus Heuser immer noch sehr am Herzen. Eines seiner derzeitigen Lieblingslieder sei jedoch „Last favourite song“, eine anfänglich ruhige Fingerpicking-Ballade, die zur rhythmischen Rockhymne avanciert: „Eines der besten Lieder, die ich jemals geschrieben habe“, wie Heuser in einem Interview jüngst verriet.

Als Dankeschön an sein Eschweiler Publikum präsentierte die Klaus-Major-Heuser-Band als Zugabe noch einen brandneuen Song aus dem noch nicht veröffentlichten zweiten Album und kam der Bitte von Majors Vater nach, der einst nach dem Besuch des ersten Konzerts des damals zehnjährigen Klaus mit seiner Schülerband seinem Sohn einen wertvollen Tipp mit auf den Weg gegeben hat: „Spiel doch mal was Schönes!“

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