Eschweiler - Der lustigste Ex-Beamte öffnet seinen Witze-Schalter

Der lustigste Ex-Beamte öffnet seinen Witze-Schalter

Von: Volker Rüttgers
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„Spass muss sein!“: Bei allem Ernst der Lage streut Hans-Hermann Thielke, seines Zeichens ehemaliger Postbeamter, gerne mal einen kleinen Witz im Kulturzentrum ein. Foto: Volker Rüttgers

Eschweiler. Du siehst, was der Mann denkt: wenn er gestenreich um die richtigen Worte ringt, Nebensatz an Nebensatz reiht und beim Versuch, auch wirklich jedes noch so unwichtige Detail korrekt wiederzugeben, grandios an der Pointe der Geschichte vorbei erzählt.

Dieser leicht empörte, unbeholfene Gesichtsausdruck hat ihn neben seinem gelben Pullunder und der akkurat gescheitelten Schmierfrisur zu einem der bekanntesten Stand-up-Comedians Deutschlands gemacht und personifiziert wie kaum ein anderer den typisch deutschen Spießbürger: Hans-Hermann Thielke, seines Zeichens langjähriger Postbeamter.

„Ausschweifendes Anlecken führt in vielen Fällen zu einer Überspeichelung der Marken“ – auch nachdem er nach über 30 Jahren aus dem Itzehoer Postdienst entlassen worden ist, kreisen Thielkes Lebenstipps immer noch rund um seinen Beruf, der wie bei kaum einem anderen auch eine Berufung ist. So hatte der Kabarettist, der im wahren Leben auf den Namen Helmut Hoffmann hört und in der Tat bei der Post tätig gewesen ist, bei seinem Talbahnhof-Besuch am Freitag auch gleich seinen Erste-Hilfe-Ratgeber für die deutsche Post, Titel „Wir haben Sie leider nicht angetroffen“, im Gepäck und ließ es sich nicht nehmen, ausführlichst aus seinem Erfahrungs-Fundus zu schöpfen.

Fiesta als Naturschutzgebiet

Vom Marder unter der Motorhaube seines Ford Fiestas, der nun zum Naturschutzgebiet erklärt worden sei, über seine Zustell-Erfahrungen in der Neumünster Justizvollzugsanstalt bis hin zum Stromausfall im Postamt – Thielke scheint skurille Situation förmlich anzuziehen wie die Bahn Verspätungen, die ja heutzutage glücklicherweise im Detail erklärt würden, es gebe ja kein „Bahngeheimnis“ mehr. Da „Post und die DDR ja mittlerweile in Privatbesitz übergegangen“ seien, braucht der pedantische Ex-Beamte schon die volle Aufmerksamkeit, um dem Fortschritt zu folgen. Hilfreich ist hierbei das eigens von ihm zusammengestellte Post-Lexikon von A wie Abfertigung bis V wie Vertrauen.

Gewiefter Geist

So wie die „Zwei-Euro-Briefmarke einer Sechzig-Cent-Marke nicht das Wasser reichen“ könne, so sollte man Hans-Hermann Thielke nicht unterschätzen, denn hinter der unsicheren Biedermann-Fassade steckt ein gewiefter Geist, der dem Zuschauer öfter den Spiegel vor hält, als diesem vielleicht lieb ist. „Thielke kommt“ (so der Titel seines aktuellen Programms), sieht und siegt, zumindest in seiner oft übertrieben euphorisierten Vorstellung, aber das macht ihn irgendwie sympathisch.

Hoffentlich kommt Helmut Hoffmann alias Hans-Hermann Thielke in seinem gelben Pullunder bald wieder zum Eschweiler Kulturzentrum Talbahnhof, es muss ja nicht gleich mit Bahn oder Post sein.

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