Der letzte Weg des geliebten Haustiers

Von: Tobias Röber
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In ihrem Büro im eigenen Haus
In ihrem Büro im eigenen Haus empfängt Rosa Wissgens-Lannot (rechts) ihre Kunden wie etwa Silvia Strecker. In dem Schrank stehen viele Urnen, die die Tierbestatterin vorzeigen kann. Foto: Tobias Röber

Eschweiler. Silvia Strecker traute ihren Augen kaum, als sie eines Abends vor dem Fernseher saß. In einer Reportage wurde gezeigt, wie tote Haustiere entsorgt werden. Sie wurden auf eine große Halde geworfen. Weg und das war´s. Silvia Strecker schaute die Sendung mit ihrem Mann. Am Fuß der beiden lag Labradorhündin Kim.

Von da an stand für die Streckers fest: So soll Kim nicht von uns gehen. Und da kommt Rosa Wissgens-Lannot ins Spiel. Sie wohnt in Kinzweiler und ist Tierbestatterin.

Auch Rosa Wissgens-Lannot hatte ein einschneidendes Fernseherlebnis. Sie sah eine Sendung über Tierbestattungen. Da verfestigte sich ihre Einstellung: „Ein Tier soll human gehen.” Im Jahr 2006 begann sie, seitdem hat sie viele Tiere bestattet, vom Fisch, über Hunde und Katzen bis hin zu Reptilien.

In Kinzweiler gibt es jedoch keinen Tierfriedhof. Alle Tiere werden kremiert, und zwar in Roermond. Dort hat Rosa Wissgens-Lannot einen Partner ihres Vertrauens gefunden. Bereits zwei Mal war Silvia Strecker dort. Kim musste eingeschläfert werden, und vor rund drei Monaten geschah ein Unglück in der Familie, als Malteser Tobi starb.

Es gibt drei verschiedene Formen der Kremierung: Bei der häufigsten Form, der Einzelkremierung, wird jedes Tier für sich verbrannt. Die Besitzer begleiten ihr Tier bis zum Kremierungsofen und erhalten die Asche zurück. Bei der Sammelkremierung werden mehrere Tiere einer Art verbrannt. Also nur Hunde oder nur Katzen zum Beispiel. Schließlich gibt es noch die anonyme Kremierung.

Silvia Strecker hatte von Arche Noah - so der Name der Kinzweiler Tierbestattung - schon vor langer Zeit gehört. Als Kim verstarb, nahm sie Kontakt zu Rosa Wissgens-Lannot auf. Die berühmte Chemie stimmte gleich.

Die Tierbestatterin holt das Tier je nach Wunsch ab, andere Kunden bringen ihr Tier. Dabei erlebt Rosa Wissgens-Lannot auch mitunter ungewöhnliche Dinge. So konnte sich eine Papageibesitzerin nicht von ihrem Liebling trennen. Bis sie sich an die Bestatterin wandte vergingen zwei Jahre. So lange lag der Papagei in der Kühltruhe neben Schnitzel und Pommes.

Wissgens-Lannot hat auch schon die Knochen von Tieren ausgebuddelt, die in Gärten kurz vor dem Abbaggern stehender Dörfern vergraben waren, und diese kremiert. Das einzige Tier, das Wissgens-Lannot nicht selbst anfassen konnte, war eine Bartagame. „Reptilien kann ich nicht anfassen”, erklärt sie. Ihre Tochter übernahm das.

Das Herrichten des Tieres vor der Kremierung übernimmt Rosa Wissgens-Lannot ebenfalls. In Roermond wird das Tier aufgebahrt. Bis zu einer halben Stunde ist dann noch Zeit, Abschied zu nehmen. In einer ruhigen Atmosphäre mit Kerzen und Musik.

„Oft wird es belächelt”, sagt Silvia Strecker und meint das Unverständnis so manches Bekannten oder Arbeitskollegen, warum Geld für eine Tierbestattung in die Hand genommen wird. So kostet die Einzelkremierung eines Tieres zwischen einem und zehn Kilogramm 240 Euro. Der Shuttle-Service nach Roermond (wenn der Tierbesitzer bei der Kremierung dabei sein möchte) kostet 150 Euro extra.

Das Abholen des Tieres kostet einen Euro pro Kilometer. „Ein Tier ist ein vollwertiges Familienmitglied”, sagt Wissgens-Lannot, die selbst bereits ein Tier in Roermond kremieren ließ.

Dieses Verständnis schätzen Kunden wie Silvia Strecker. Allein das Gespräch gleich nach dem Tod des Tieres helfe. Als Begleiterin sieht sich Wissgens-Lannot. Silvia Strecker hat diese Begleitung gut getan. „Einschläfern ist das schlimmste. Man bestimmt mit, wann das Tier geht”, sagt sie. Nach dem Unglück ihres Hundes rief sie gleich bei Rosa Wissgens-Lannot an, die sofort zur Stelle war.

„Es ist gut, wenn jemand da ist, der sich in einen hineinversetzen kann. Sie hat die schlimmen Momente genommen”, sagt Silvia Strecker über die Bestatterin und erklärt weiter: „Ich habe das Tier nicht einfach weggegeben. Es hat seinen Platz.” Bei dieser Art der Bestattung trete eine innere Ruhe ein und es habe geholfen, die Sache abzuschließen. Die Urnen mit der Asche der beiden Tiere stehen bei Familie Strecker im Wohnzimmer.

Aber nicht nur den Erwachsenen hilft Rosa Wissgens-Lannot. In ihrem Büro stehen Bücher eigens für Kinder, die sich mit dem Tod des geliebten Haustiers beschäftigen.

Die Bilder aus dem Fernsehen wird Silvia Strecker niemals vergessen. Sie ist einfach sehr froh, dass Kim und Tobi dieses Schicksal auf ihrem letzten Weg nicht teilen mussten.
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