Der lebenswichtige Aderlass: Es gibt ihn immer seltener

Von: Andreas Gabbert
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Blutspenden sind wichtig, weil der Bedarf an Blutprodukten nicht künstlich zu befedigen ist. Foto: imago/Blickwinkel

Eschweiler. Schwer verletzt werden die Opfer eines Unfalls in ein Krankenhaus gebracht. Doch dort kann ihnen niemand helfen, weil nicht mehr genügend Blutkonserven vorhanden sind - ein schrecklicher Gedanke. Um den Lebenssaft, den Patienten in den Krankenhäusern und der ambulanten ärztlichen Betreuung zum Überleben dringend benötigen, müssen die Blutspendedienste des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) stündlich mindestens 450 Spender zur Ader lassen.

Die Versorgung ist zwar noch gewährleistet, aber die Bestände werden täglich knapper, meist reichen sie gerade mal für einen Werktag. Schuld daran sei das gute Wetter, sagt Friedrich-Ernst Düppe, Pressesprecher des DRK. Der Sommer trage dazu bei, dass die ohnehin niedrige Spendenbereitschaft noch weiter abnehme. „Mit zweieinhalb bis drei Prozent Spendenwilliger kann man nicht 100 Prozent der Patienten versorgen”, sagt Düppe. Nötig seien mindestens vier bis fünf Prozent.

Im Eschweiler St. Antonius Krankenhaus kennt man das Problem. „Das ist kein neues Phänomen”, sagt der kaufmännische Direktor, Michael Hanke. Auch dort hat man einen Rückgang der Spendenbereitschaft registriert. Probleme mit der Versorgung der Patienten gebe es in Eschweiler aber noch nicht, da dort mit blutarmen Verfahren operiert werde, erklärt Hanke. Außerdem werde bei planbaren Operationen zunehmend von der Eigenblutspende Gebrauch gemacht. Im Jahr 2009 wurden in Eschweiler 10581 Operationen vorgenommen. Bei 488 Operationen wurde Blut transfusioniert. Für insgesamt 853 Patienten wurden 5800 Blutkonserven benötigt.

Jeder einzelne Spender werde derzeit dringend gebraucht, sagt Düppe. „80 Prozent der Bevölkerung sind einmal in ihrem Leben auf eine Blutspende angewiesen”, weiß der DRK-Pressesprecher. Zurzeit fehlen vor allem die Blutgruppen A und 0, bei der Gruppe sieht es etwas besser aus. Blut spenden kann jeder gesunde Bürger über 18 Jahre. Erstspender dürfen nicht älter als 60 Jahre sein.

Sollte sich die Lage nicht bessern, müsse über eine Rationierung der Blutkonserven nachgedacht werden, sagt Düppe. Dann würden planbare Operationen, „wo es nicht auf die Minute ankommt”, verschoben. Für die Betroffenen sei dies natürlich alles andere als erfreulich.
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