Eischwiele - Der Käpitän verlässt die Brücke, nicht das Schiff

Der Käpitän verlässt die Brücke, nicht das Schiff

Von: vr
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Ein letztes Mal strahlte sie neben ihrem Tanzpartner Sebastian Plönnes auf der Scharwach-Bühne: Nach dieser Session beendet Anna Pütz ihre Tanzmarie-Karriere. Foto: Volker Rüttgers
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Plauderte wieder ungehemmt Eischwieler Geheimnisse aus und befeuerte die Gerüchteküche: Scharwachmüsje René Külzer. Foto: Volker Rüttgers
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Ein letztes Mal strahlte sie neben ihrem Tanzpartner Sebastian Plönnes auf der Scharwach-Bühne: Nach dieser Session beendet Anna Pütz ihre Tanzmarie-Karriere. Foto: Volker Rüttgers

Eischwiele. Er ist das Gesicht der Eschweiler Scharwache, der Kapitän, der sein Schiff seit zwölf Jahren stets „auf Kurs gehalten hat“, wie er es selbst formuliert. Am Samstag leitete Dr. Heinz Jansen seine letzte Gala-Sitzung als Präsident der KG Eschweiler Scharwache. Der Kapitän geht nach dieser Session nicht von Bord, verlässt aber die Brücke des Scharwach-Schiffs und die gesamte Besatzung legte sich am Samstag in der Dürwisser Festhalle noch einmal so richtig ins Zeug, um ihrem Präsidenten einen unvergesslichen Abschied zu bereiten.

Vom „Stippe Föttche“ zur akrobatischen Hebefigur, vom „ärme Studentenleävve“ bis zum Katastrophen-Italien-Urlaub, vom traditionellen Mariechen zum König der Löwen und immer mit viel „Jeföhl“ und Heimatliebe zur Indestadt, die Gala-Sitzung der Eschweiler Scharwache bot feinste Unterhaltung.

Während der Trend auf Karnevalssitzungen in Richtung Tanz und Musik geht, legen die Scharwächter nach wie vor großen Wert auf gute Büttenreden. Klar, wer ein „Scharwachmüsje“ in seinen Reihen weiß, der kann sich dies leisten. René Külzer wusste wieder so einiges Delikates zu berichten, angefangen von den Tücken der (viel zu kleinen) Umkleidekabinen in Kaufhäusern über „Kaschemme-Äu´s“ Unterwäsche-Vorlieben bis hin zum Wettbewerb zwischen Äu Lersch und Festhallen-Wirt Gerd Siedhoff. Jetzt, da sein Magenband wieder weg sei, schöpfte das „Scharwachmüsje“ wieder mit der großen humoristischen Kelle aus dem Vollen, sehr zur Freude des Publikums.

„Es ist für mich immer die größte Freude, wenn ich hier auf der Bühne einen jungen Nachwuchs-Büttenredner ansagen darf“, Dr. Heinz Jansen sollte vom „Studenten“ Thomas Schlenter nicht enttäuscht werden. Der frisch gebackene Büttenredner präsentierte sich bei seinem erst zweiten Auftritt, Premiere feierte er auf der Prinzenproklamation, erstaunlich souverän und berichtete von Erbsensuppen-Erlebnisse aus seiner WG und den Tücken beim Flirten mit der holden Weiblichkeit. „Isch bin ene ärme Student“, Thomas Schlenter bekam jedenfalls genügend Mitleid und jede Menge Anerkennung für seinen Vortrag vom Scharwach-Publikum.

Schließlich spürte auch „Der Lange“ wieder die Bretter der Festhallen-Bühne unter seinen Schuhsohlen, und auch ohne Prinzengewand sprühte Alfred Wings nur so vor Witz und Charme. Urlaub mit der Familie in „Bella Italia“, vom Stau bei 50 Grad Celsius im Auto bis zur Spaghetti-Allergie des Töchterleins war alles dabei, was Freude macht. Wenn einer eine Reise tut, dann weiß er etwas zu erzählen, diese Weisheit traf auf den Dürwisser Büttenredner zu, der allerdings weiß: „Die schönsten Mädchen leben hier in Eischwiele“, intoniert in seine Ode an die Eschweiler Mädchen.

Natürlich durften auch Tanz und Akrobatik an einem solchen Sitzungsabend in Dürwiß nicht zu kurz kommen. Das „Duo Naseweis“ aus Aachen spezialisierte sich musikalisch eher auf den deutschen Schlager und Jonglage auf dem Einrad, während die Showtanzguppe „Dancefire“ aus Lamersdorf einen bunte Musical-Einlage aus dem „König der Löwen“ in prächtigen Kostümen darbot. Und auch die Jugendtanzgruppe der Scharwache bewies Kreativität in ihrer Kostümwahl beim schwungvollen Michael Jackson-Medley.

Für Tanzmarie Anna Pütz sollte der Tanz mit Tanzoffizier Sebastian Plönnes zugleich der erste neue Tanz in fünf Jahren wie auch ihr letzter auf einer Gala-Sitzung ihrer Gesellschaft werden, da sie aus zeitlichen Gründen die Tanzschuhe nach dieser Session an den Nagel hängen wird. Für fünf Jahre Tanz bedankte sich die Scharwache bei Anna Pütz mit ihrer höchsten Auszeichnung, dem Hausorden.

Die ersten Abschieds-Tränen des Abends flossen, die nächsten dann bei der emotionalen Verabschiedung von Präsident Dr. Heinz Jansen, der als Kapitän seines Scharwach-Schiffs sowie als Büttenredner und natürlich als Prinz 1982 stets den Geist der Scharwach-Fastelovend verkörperte: „Er ist mit seiner Scharwache in alle Eschweiler Säle einmarschiert und hat gezeigt, dass man in Eschweiler zusammen gehört und zusammen feiert“, lobte Komitee-Präsident Norbert Weiland seinen Freund und bedankte sich mit dem Komiteewappen in Gold mit Brillianten.

Auch auf seiner letzten Sitzung als Präsident sang Dr. Heinz Jansen mit seinem Sextett kölsche und Eischwieler Leedche und bewies, als ob es nicht schon genügend Belege dafür gäbe, dass er ein Vollblutkarnevalist war, ist und bleibt: „Ich werde auch in Zukunft mit Freude im Eschweiler Karneval der Heinz Jansen sein, als den ihr mich kennt!“. Beim Dank an seine „größten Goldschätze“, seine Gattin und Tochter, zitterte die Stimme des eloquenten Präsidenten, der kein Mann polternder Töne, sondern stets einer mit feinem Gespür für die Situation und die Menschen um ihn herum ist.

Ein letztes Mal rief Kommandant Werner Henkelmann zum gemeinsamen Ausmarsch, ein letztes Mal machte der Regimentsspielmannszug unter der Leitung von Thomas Graf seine Aufwartung für Präsident Dr. Heinz Jansen.

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