Der Jubilar beschenkt sich mit tosendem Applaus

Von: Friedhelm Ebbecke-Bückendorf
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Mitreißender Auftritt: Chor und Orchester der Städtischen Musikgesellschaft beim Jubiläumskonzert zum 150-jährigen Bestehen, zusammen mit Gaststar Dawn Marie Flynn-Sirrenberg, die hier die Habanera aus der Oper „Carmen” singt. Foto: Friedhelm Ebbecke-Bückendorf

Eschweiler. Künstlerisch ein Erfolg, gesellschaftlich ein Ereignis: Die Städtische Musikgesellschaft schenkte allen musikliebenden Eschweilern ein Festkonzert zum 150-jährigen Bestehen von Chor und Orchester in Eschweiler.

Dreieinhalb Stunden lang Musik mit Höhepunkten aus Klassik und leichter Muse, bei freiem Eintritt - das Publikum am Samstag in der Weisweiler Festhalle bedankte sich mit rauschendem Beifall und gelegentlichen Begeisterungsschreien.

Die Musikgesellschaft hat „eine besondere Stellung und Wertschätzung” in Eschweiler, versicherte der Schirmherr des Jubiläums, Bürgermeister Rudi Bertram. Und wann sind schon einmal alle drei Bürgermeister von Eschweiler gemeinsam bei einem Konzert? Diesmal waren außer Bertram auch seine beiden Stellvertreter da: Helen Weidenhaupt als Anhängerin des Jubiläumsvereins und Manfred Groß ohnehin, denn er ist Präsident der Musikgesellschaft.

Die vergangenen Jahre der Städtischen Musikgesellschaft sind eine Geschichte geglückter Wagnisse. Das liegt vor allem an Horst Berretz, dem musikalischen Leiter. Einfühlsam und mit überragendem Können führt er das überwiegend aus Laienmusikern bestehende Orchester und den nicht mehr ganz jungen Chor zu Höchstleistungen. Das Publikum weiß, was es an Horst Berretz hat: Ihm galten am Samstag ein besonders herzlicher Applaus ebenso wie warme Dankesworte von Peter Adrian, der humorvoll und kenntnisreich durch das Programm des Jubiläumskonzertes führte.

Das begann nicht mit einem, sondern mit vielen Paukenschlägen, nämlich der mächtigen Ouvertüre der Händelschen Feuerwerksmusik als festliche Einstimmung. Das Frühjahrskonzert der Städtischen Musikgesellschaft ist seit vielen Jahren fester Bestandteil des Kulturlebens in Eschweiler. Aber in diesem Jahr, zum Jubiläum, wolle man „etwas ganz Besonderes bieten” , versicherte die Vorsitzende des Chores Cornelia Schwarz-Miseré, als sie mit Thomas Graff, dem Vorsitzenden des Orchesters, das Publikum in der Festhalle begrüßte.

Sie hatte nicht zu viel versprochen. Gemeinsam mit Gastchören und Solisten, die schon öfter mit der Musikgesellschaft zusammen auftraten, boten Chor und Orchester ein abwechslungsreiches Programm mit mal fröhlicher, mal mitreißender, mal ergreifender Musik. „Variatio delectat” stand als Motto über dem Festkonzert: Abwechslung erfreut.

Gastauftritte hatten der Städtische Chor Alsdorf mit einem Lied aus Haydns „Jahreszeiten”, der von Verena Berretz geleitete „Junge Chor Nothberg” mit zwei Liedern des zeitgenössischen walisischen Komponisten und Musikers Karl Jenkins sowie der Eschweiler Chor „Cantabile”, geleitet von Gregor Josephs. Besonders vom schwungvollen „Java Jive” der A-cappella-Formation „Cantabile” war das Publikum begeistert.

Begeisterung gab es auch bei den Auftritten der Solistin Dawn Marie Flynn-Sirrenberg. Nicht nur wegen ihrer gesanglichen Qualitäten, sondern auch dafür, dass sie ihre wechselnden Rollen in wechselnder Garderobe verkörperte. Als „Sissi” aus dem Musical „Elisabeth” trat sie im weißen Ballkleid auf, die Habanera aus der Oper „Carmen” sang sie in einem feuerroten Kleid, bei der Arie „O mio babbino caro” aus Puccinis Opder „Gianni Schicchi” war sie lindgrün gewandet, beim „Vilja-Lied” aus der Operette „Die lustige Witwe” von Franz Lehár natürlich in Schwarz. Und als die Musiker eine Zusammenstellung der schönsten Melodien aus dem Film „Titanic” spielten, schritt Dawn Marie Flynn in einem wasserblauen Kleid die Treppe zum Orchester hinunter und sang den Welthit „My heart will go on”.

Auch ein anderer Solist wurde gefeiert beim Jubiläumskonzert: Klarinettist Johannes Flamm spielte zwei Sätze aus Mozarts Klarinettenkonzert, das sanfte, liedhafte Adagio und das virtuose, tänzerisch beschwingte Rondo. Bei den Zigeunerliedern von Johannes Brahms durfte dann einmal die Orchestermusiker eine Pause machen. Der Chor der Städtischen Musikgesellschaft wurde nur vom Pianisten Theo Palm begleitet.

Höhepunkt des Abends

Das Orchester der Jubiläumsgesellschaft hatte sich drei musikalisch „dicke Brocken” ins Programm geschrieben. Neben dem erwähnten Klarinettenkonzert von Mozart war es zum einen der 2. Satz aus der „Sinfonie aus der Neuen Welt” von Antonin Dvorák. Diese „Totenklage Hiawathas” war trotz hörbarer Schwierigkeiten ein Höhepunkt des Konzertabends. Das Orchester spielte sie durchsichtig, innig, anrührend. Allein dieses Largo hätte schon den Besuch des Konzertes gelohnt.

Die dritte Herausforderung war der „Bolero” von Maurice Ravel. Das Stück lebt davon, dass es ein einziges, über 17 Minuten anhaltendes Crescendo ist, eine Steigerung in der Instrumentierung und der Lautstärke. Das richtig zu dosieren ist eine Herausforderung auch für den Dirigenten. Horst Berretz ließ erst ganz zum Schluss das Orchester, nun auch unterstützt vom Schlagwerk-Ensemble der Musikschule, losdröhnen. Ein Moment atemloser Stille nach dem dissonanten Zusammenbruch, dann begeisterter Applaus.

Der Applaus steigerte sich dann noch einmal, nach dem letzten Stück. Alle Chöre gemeinsam, begleitet vom Orchester, sangen das mächtige „O Fortuna” aus Orffs „Carmina burana”. Die Gäste des Jubiläumskonzertes klatschten stehend Beifall und bekamen eine Wiederholung dieses Stückes noch als Zugabe obendrauf.
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