„Der Glaube fällt ja nicht vom Himmel!“

Von: Friedhelm Ebbecke-Bückendorf
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Für Pfarrer Hannokarl Weishaupt ist die Vermittlung des Glaubens die vordringliche Aufgabe der Kirche. Foto: Ebbecke-Bückendorf

Eschweiler. Die Weitergabe des Glaubens hält Hannokarl Weishaupt angesichts sinkender Mitglieder- und Priesterzahlen für die zentrale Aufgabe der katholischen Kirche. Die damit verbundenen strukturellen Probleme ließen sich lösen. Hannokarl Weishaupt leitet die Gemeinschaft der Gemeinden (GdG) Heilig Geist, ein Zusammenschluss von fünf früher selbstständigen Pfarrgemeinden im Eschweiler Süden.

Die katholischen Gemeinden in Eschweiler stehen vor Problemen. Einige dieser Probleme gibt es schon lange: Die Zahl der Kirchenmitglieder sinkt, die Zahl der Priester geht zurück. Neue, aktuelle Probleme kommen hinzu: Vom Bistum gibt es weniger Geld für die Erhaltung kirchlicher Gebäude. Deshalb wurden bereits die Kirchen St. Michael und Herz Jesu entwidmet. Und durch den Weggang von Pfarrer Osnowski in Dürwiß entsteht eine Lücke, die voraussichtlich nicht geschlossen werden kann.

Ja, sagt Pfarrer Hannokarl Weishaupt, das seien gewiss Probleme, weil neue Strukturen geschaffen und neue Wege gesucht werden müssen. Aber: „Struktur ist nicht die wichtigste Frage, sondern: Wie geht die Glaubensweitergabe?“

Die katholischen Christen von Heilig Geist suchen derzeit nach Möglichkeiten, die Kirche St. Marien im Stadtteil Röthgen und die vier Pfarrheime der ehemals selbstständigen Gemeinden St. Antonius Bergrath, St. Barbara Pumpe-Stich, St. Cäcilia Nothberg und St. Wendelinus Hastenrath langfristig zu erhalten. Die Instandhaltung dieser fünf Gebäude wird nicht mehr vom Bistum bezuschusst. Das war im Oktober des vorigen Jahres Ergebnis der Aufstellung eines Kirchlichen Immobilien-Managements (KIM).

Beschlossen wurde aber auch, die Kirche St. Marien nicht zu entwidmen. Sie sei „ein zentraler Punkt im Stadtteil Röthgen“, sagte Pfarrer Weishaupt jetzt bei einem Gespräch mit unserer Zeitung. „Für diese Gebäude müssen wir uns neue Finanzierungsquellen und -möglichkeiten suchen, um sie zu erhalten. Das wird zurzeit getan.“ Im GdG-Rat, dem Nachfolger der fünf Pfarrgemeinderäte, und in mehreren Ausschüssen werde nach Ideen und Lösungswegen gesucht. Zum Glück gebe es für die fünf Gebäude keinen aktuellen Sanierungsbedarf.

Bald geregelt werden muss die Leitung der Gemeinden im Eschweiler Norden, wo gerade der Dürwisser Pfarrer Ralph Osnowski sein Amt aufgegeben hat. Hannokarl Weishaupt: „Sicher ist, dass wir keinen kanonisch eingesetzten Pfarrer mehr in Dürwiß und in Weisweiler/Hücheln bekommen. Das heißt, Pfarrer Hennes, Pfarrer Datené und ich werden die Dinge neu strukturieren müssen.“ Das geschehe gemeinsam mit den drei GdG-Räten und dem Bistum.

Organisatorisch sind die früher vielen katholischen Pfarrgemeinden in Eschweiler seit einigen Jahren in drei so genannte „Gemeinschaften der Gemeinden“ zusammen gefasst. Die nach Mitgliederzahlen größte ist mit rund 12.000 Christen die Gemeinschaft im Süden, Heilig Geist, die von Pfarrer Weishaupt geleitet wird. Die GdG Eschweiler-Stadtmitte wird von Pfarrer Michael Datené geleitet. Im Norden und Osten der Stadt ist es komplizierter.

Der einzige dort noch verbliebene Pfarrer Dr. Rainer Hennes ist für Kinzweiler zuständig, zusätzlich hat er die Pfarr-Administration, also die Verwaltung, von Neu-Lohn und Hehlrath übernommen. Für Weisweiler samt Hücheln ist Pfarrer Weishaupt der Administrator. Seelsorgerisch betreut werden die Weisweiler Katholiken von Pfarrer Norbert Crampen, der allerdings hauptberuflich Religionslehrer in Aachen ist. Weishaupt: „Wer die Administration in Dürwiß übernimmt, wird demnächst bekannt gegeben.“

Pfarrer Weishaupt gewinnt der unbefriedigenden Situation Positives ab. „Unbefriedigend ist es in dem Sinn, dass Altes vergangen ist und nun kommt das Neue. Wenn ich der Vergangenheit anhänge mit der Vorstellung, dass jede Kapellengemeinde ihren Sonntagsgottesdienst hat – das ist vorbei.“ Man werde neue, andere Wege gehen müssen, aber: „Die Eschweiler Katholiken haben die Gewissheit, dass sicherlich in mehreren Kirchen unserer Stadt am Sonntag die Eucharistie gefeiert wird. Einige müssen allerdings auch mal anreisen dann.“

Die organisatorischen Fragen seien wichtig, und die Probleme müssen gelöst werden. Für wichtiger hält es Pfarrer Weishaupt jedoch, vom Glauben zu erzählen. Die katechetische Arbeit, das Weitergeben des Glaubens, das sei entscheidend. Und das, sagt er, sehen auch die Laien im GdG-Rat so, deren Arbeit Weishaupt vorbehaltlos lobt.

Der GdG-Rat sei es ja, der die pastorale Arbeit in der Gemeinde entscheidend mitträgt und gestaltet. Aus dem Zusammenschluss der fünf Gemeinden habe sich „ein gutes, hörendes Miteinander“ entwickelt. Ohnehin lebe die Arbeit in der Kirche durch die Menschen, die sich engagieren. Und das sind viele. Die Kirchenchöre, die Messdiener, „wenn wir die Schützen hinzurechnen, kommen wir in Heilig Geist auf bestimmt 500 Leute“.

Die Möglichkeiten, Menschen zum Glauben zu führen, sie im Glauben zu festigen – das ist das Thema, das Hannokarl Weishaupt intensiv bewegt: „Der Glaube fällt ja nicht vom Himmel!“ Man müsse von ihm erzählen, man müsse ihn leben.

Den Glauben will Weishaupt auch nicht an den Besucherzahlen der Gottesdienste festmachen. Wobei es ihn natürlich freut, dass diese Zahlen nicht mehr weiter zurückgehen: „Wir haben den Trend, dass die Besucherzahlen sich halten. Und dass zu den Hochfesten, also Ostern und Weihnachten, die Zahlen auch besser werden.“

Das habe sich besonders in St. Marien gezeigt, wo es in der Adventszeit und in der Fastenzeit spirituelle Angebote gab, und auch die Ausstellung der Misereor-Hungertücher: „Interessanterweise waren die Gottesdienste in St. Marien sehr gut besucht in dieser Zeit“. Durchschnittlich werden katholische Gottesdienste von sechs bis sieben Prozent der Gemeindemitglieder besucht, bei den großen Festen sind es zehn bis zwölf Prozent.

Niederschwellige Angebote

Um Glaubensinhalte zu vermitteln, wird in den Gremien von Heilig Geist über niederschwellige Angebote nachgedacht: „Wie können wir als Gemeinde einladender werden?“ Menschen, die beim Besuch eines Gottesdienstes mit seinen möglicherweise ungewohnten Abläufen und Riten ein Gefühl des Unwohlseins beschleicht, seien vielleicht besser zu erreichen, wenn man sie einfach einmal in der Adventszeit zu einem Kakao ins Gemeindezentrum einlädt.

Weishaupt: „Jeder Mensch sucht nach Sinn in seinem Leben. Da haben wir als Katholiken, als Christen, ein gutes Angebot zu machen mit unserem Gottesbild.“ Dafür müsse man allerdings „den Mut haben, von der Botschaft, die man im Herzen hat, zu erzählen.“

„Einladen“ ist eines der Wörter, die Pfarrer Weishaupt häufig benutzt, wenn er von der Kirche und vom Glauben redet. Die Erstkommunion ist eine solche Einladung zum Glauben, nicht nur für die Kinder selber. „Die Kinder sind eingeladen zum Fest des Glaubens, um Jesus Christus kennen zu lernen und im Glauben zu wachsen, aber wir haben seitens der Pfarrei keinen Anforderungskatalog.“ Es heiße nicht „Du musst“, sondern „Du bist eingeladen“.

Eingeladen zur Vorbereitung auf die Kommunion sind auch die Eltern. Und in den dörflich strukturierten Gebieten der GdG Heilig Geist kommen die auch, zu fast 100 Prozent. Weishaupt: „Ich denke, die Eltern gehen mit einer großen positiven Erfahrung von Kirche und Gemeinde aus dieser Vorbereitung raus und sind der Kirche näher als am Anfang. Das heißt nicht, dass wir sie jetzt jeden Sonntag in der Kirche sehen. Sie leben ihr Christsein und ihren Glauben so, wie sie es für richtig halten.“

Zu spüren sei das aber, wenn die Kirche um Engagement bittet. Gerade junge Menschen seien offen für soziales Engagement und Einsatz für öffentliches Wohl, weiß der Pfarrer und erwähnt die Katholische Junge Gemeinde (KJG) in Nothberg – „aber auch die Eltern, wenn man sie anspricht, da gibt es selten ein Nein.“

In diesen Wochen sind die Erstkommunionsfeiern in den fünf Gemeinden der Pfarrei Heilig Geist. Bei den Anmeldungen, so hat Hannokarl Weishaupt beobachtet, gibt es tatsächlich so etwas wie ein Stadt-Land-Gefälle. In dörflich strukturierten Gemeinden wie etwa Hastenrath kommen „fast flächendeckend“ alle Kinder und gehen geschlossen als Jahrgang zur Erstkommunion.

In den eher städtisch strukturierten Stadtteilen wie Röthgen und Pumpe-Stich „gibt es einen Abbruch. So 30 bis 40 Prozent der Kinder gehen da schon nicht mehr zur Erstkommunion“. Auch die Teilnahme der Eltern an der Kommunionsvorbereitung sei dort geringer.

Bei der Firmung liegt die Teilnahme der jungen Christen bei etwa 50 Prozent, ist die Erfahrung des Geistlichen. Auch bei diesem Sakrament werden die Teilnehmer am Wochenende und in Gruppenstunden „ohne Anforderungskatalog“ vorbereitet: „Sie sind eingeladen, ihren Glauben zu vertiefen und sich bewusster für das Christsein zu entscheiden“.

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