Eschweiler - Der Flügel tanzt beim Walzer einfach mit

Der Flügel tanzt beim Walzer einfach mit

Von: Dirk Müller
Letzte Aktualisierung:
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Auch das gibt‘s: Tenor Stenzel lässt den Flügel samt Kivits und Notenständer Walzer tanzen.

Eschweiler. Das seriöse Auftreten der beiden Herren in Frack und mit Fliege wurde schon zu Beginn relativiert: Gestik, Mimik, mancher Scherz und die lustige Ansprache des Publikums im Talbahnhof waren erste humoristische Vorboten, und im Verlaufe des Abends bewiesen der Tenor Tiny van den Eijnden als Stenzel und Meisterpianist Wilbert Kivits ihr erstklassiges komödiantisches Talent.

Die Entscheidung, ob man einen Comedy- oder doch lieber einen Konzertabend verbringt, hatte das niederländische Duo den Gästen abgenommen, denn Stenzel und Kivits präsentierten beides – in einem äußerst unterhaltsamen Verbund.

Sänger und Pianist glänzten dabei komisch und musikalisch gleichermaßen; ihre Virtuosität war die Voraussetzung dafür, dass sie auf der Eschweiler Kleinkunstbühne eine ganz große Musikkomödie inszenieren konnten. Zudem wurde die fantastische Show von Stenzel und Kivits durch verblüffende technische Raffinessen angereichert. So dienten etwa der hydraulisch höhenverstellbare Klavierhocker und Kivits Flügel als Hilfsmittel für klingende Slapstick-Einlagen. Statt auf kleinen Rollen kam der Flügel auf dick bereiften Laufrädern daher, allerdings ohne Bremsen, was erheiternde bis erschreckende Konsequenzen hatte.

Nahm das Publikum das sich verselbstständigende Instrument und Kivits‘ Mühe, ihm zu folgen, noch fröhlich zur Kenntnis, hatten einige Gäste kurz darauf eine Schrecksekunde zu verdauen, als der Flügel tatsächlich von der Talbahnhof-Bühne stürzte, und die Plätze in der ersten Reihe wohl doch nicht die besten waren. Aber das Publikum hatte sich und mit Stenzels und Kivits‘ Hilfe auch den Flügel schnell gefangen und half den Musikern, das Instrument zurück auf die Bühne zu hieven. Jetzt wussten wohl alle Anwesenden, warum der Abend als „The Impossible Concert“ (das unmögliche Konzert) überschrieben war.

Charmant begeisterte das Duo die Gäste mit weiteren „zündenden“ Pointen: Bei einer Arie in höchstem Tempo rauchte Stenzel zunächst buchstäblich der Kopf, dann standen die Noten in seinen Händen plötzlich lichterloh in Flammen. Gut, dass er zur Sicherheit auch einen Notenständer mitgebracht hatte. Kaum waren die letzten Töne von Augustìn Laras Lied „Granada“ verklungen, wurde offensichtlich, dass es sich bei jenem Notenständer, ebenfalls auf Rollen, um eine weitere skurrile Maschinerie handelte, die sich selbst „entfaltete“. Die Musiker positionierten sie auf dem Flügel, auf dem auch Kivits rittlings Platz nahm, um zwischen den Beinen auf Klaviatur zu spielen.

Zu den Klängen von „An der schönen blauen Donau“ von Johann Strauss tanzten nun der Notenständer und, von Stenzel bewegt, auch der Flügel und Kivits einen originellen Walzer. Bei der weiteren teils turbulenten Symbiose aus Comedy und klassischem Konzert erwies der Flügel sich als wahrer „Zauberkasten“. Kivits entnahm ihm aus der Klappe ein Akkordeon, stellte ihn mit Stenzel gemeinsam hochkant, so dass an der Unterseite des Flügels eine Orgel zum Vorschein kam, die der Pianist ebenso wie das Akkordeon souverän bediente.

Beinah wäre das „unmögliche Konzert“ ein rundum gelungener Abend geworden, doch Stenzels Versuch, das Publikum zum Mitsingen zu bewegen, misslang. Vielleicht weil er dazu eines von Felix Mendelssohn Bartholdys „Liedern ohne Worte“ ausgewählt hatte...

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