Der Eschweiler Westen bekommt ein neues Gesicht

Von: Rudolf Müller
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Problemfeld Hauptbahnhof: Verkehrs- und Parksituation müssen dringend verbessert werden. Gedacht ist an ein Parkhaus auf der anderen Seite der Gleise.
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Steht seit Jahren leer: der ehemalige Supermarkt an der Gutenbergstraße. Vorschlag des Planungsbüros: Abreißen und das Areal neu gestalten.
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Eine Brücke ähnlich der oben abgebildeten könnte zum Blickfang an der Steinstraße werden.
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Unter Wert verkauft werden derzeit auch die historischen Fassaden der Siedlung Hüttenstraße.

Eschweiler. Es tut sich was im Westen. Nachdem der Stadtteil Ost wie auch die Innenstadt mit guten Ergebnissen „runderneuert“ wurden, ist jetzt das Viertel zwischen oberer Indestraße, Gutenbergstraße, Karlstraße und Hauptbahnhof an der Reihe, ein neues, modernes Gesicht zu bekommen.

„Integriertes Handlungskonzept Eschweiler-West“ ist das Stichwort, unter dem die Stadt sich für eine Vielzahl von Maßnahmen satte Fördermittel des Landes erhofft. Und die Zeichen dafür stehen gut. Im Planungs-, Bau- und Umweltausschuss stellte Dr. Frank Pflüger, dessen Aachener Planungsbüro HJP schon die Erneuerung des Ostviertels begleitet hat, jetzt das Konzept vor, das nun unter Beteiligung der Bürger in den einzelnen Projektbereichen konkretisiert werden soll.

Eine erste große Bürgerversammlung soll im Oktober stattfinden, Anfang 2017 soll das Konzept dann eingereicht werden. Erste Fördermittel sollen 2018 fließen, 2018/19 sollen dann auch erste Maßnahmen des auf sechs bis acht Jahre angelegten Projektkatalogs verwirklicht werden.

Dass das Thema, das schon 2012 einmal die Kommunalpolitiker beschäftigte, jetzt wieder auf die Tagesordnung kommt, hat seinen Grund: Anders als vor Jahren stehen jetzt umfassende Fördermittel in Aussicht. „Nach ersten Planungen haben wir von der Landesregierung schon Signale bekommen, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, sagt Pflüger.

Zwischen Indestadt und Landschaftsraum gelegen, ausgestattet mit mehreren Schulen, Altersheimen, Kindergärten und gleich drei Bahnhöfen hat das Westviertel einiges zu bieten. Aber auch eine Menge Schwachstellen. „Der öffentliche Raum kann in vielen Bereichen Aufbesserungen vertragen“, so Stadtplaner Frank Pflüger.

Visionär denken

Herausragendste Schwachstelle ist der Hauptbahnhof. Der ist alles andere als ein Aushängeschild für Eschweiler. Schwierige Verkehrsführungen, enormer Parkdruck: Dass sich hier etwas ändern muss, darin sind sich alle Beteiligten einig. Die optimale Lösung: der Bau eines Parkhauses auf der südlichen Seite des Schienenstrangs, auf städtischem Gelände, mit Zufahrt von der neuen L 238 her.

Das schränke die Betriebe auf dem FA.-Neuman-Areal ebenso wenig ein wie das attraktiv umzugestaltende Bahnhofsvorfeld und belaste auch die Wohngegend dort nicht. Eine Lösung, die nicht von heute auf morgen realisierbar sei, so Eschweilers Technischer Beigeordneter Hermann Gödde: „Aber viele Fakten sprechen dafür. Und es ist ja nicht verboten, visionär zu denken.“

Alternativ sei eine Zufahrt über das Neuman-Gelände denkbar. FDP-Sprecher Christian Braune ging noch einen Schritt weiter: „Warum nicht neben dem Hauptbahnhof einen großen Busbahnhof anlegen und so einen großen Knotenpunkt an der Strecke Paris-Köln schaffen, der auch von Fernreisebussen angesteuert werden könnte?“ Hier sei auch der Bau weiterer Hotels denkbar.

Neu gestaltet werden, so Pflüger, müsse auch die Rad- und Fußwegeverbindung zwischen Bahnhof und Innenstadt. In der Hüttenstraße sollten nicht nur die Parkplätze neu ausgerichtet, sondern auch die historischen Fassaden saniert werden. Und „über kurz oder lang“ müssten auch die dortigen Obdachlosenunterkünfte auf einen zeitgemäßen Stand gebracht werden.

Neu gestaltet werden soll auch der Bereich Karlstraße/Mittelstraße. Dabei soll das Umfeld der dominierenden St.-Barbara-Kirche verschönert werden. Rückläufige Schülerzahlen an der Karlschule machten es möglich, den Schulhof zu verkleinern und einen Teil für Wohngebäude zu nutzen.

Eine städtebauliche Verdichtung hält Pflüger auch im Innenbereich des Berufskolleg für sinnvoll. Hauptproblem des Bereichs an der August-Thyssen-Straße: der enorme Parkdruck. Eine Lösung dafür ist noch nicht gefunden: „Die Parkprobleme werden nicht kleiner, wenn die Eissporthalle abgerissen wird und dort Wohnbebauung entsteht. Wir müssen das Ganze neu strukturieren und eine Win-win-Situation für Schüler, Lehrer und Anwohner suchen.“

Eine weitere Baustelle: die Brücke Steinstraße. Die, so Pflüger, sei dringend sanierungsbedürftig. Er halte einen Neubau für das Sinnvollste – keine simple flache Indeüberquerung, sondern ein weithin sichtbares Bauwerk: „in städtebaulich attraktiver Form als Eingangssignal für die City“.

Kein Supermarkt

In Arbeit ist bereits die Zukunft des früheren Indestadions: Hier, in unmittelbarer Nähe zur Inde, werden im kommenden Jahr Wohnhäuser entstehen. Gleich daneben liegend eine Kindertagesstätte, und der benachbarte Kiosk an der Ecke Gutenberg-/Franz-Rüth-Straße spielt laut Pflüger im Stadtteilleben eine wichtige Rolle. Alles andere als attraktiv ist der frühere Supermarkt auf der gegenüberliegenden Seite der Gutenbergstraße, der seit Jahren leersteht.

Die Hoffnung, er könne angesichts der durch die geplanten Neubauten steigenden Anwohnerzahlen wieder zu einem Supermarkt werden, zerstreute Pflüger: „Bei dieser kleinen Verkaufsfläche gibt es keinen Betreiber, der das wirtschaftlich hinkriegen könnte.“ Zudem, so Hermann Gödde, liege das Langwahn-Center nur wenige Fußminuten entfernt. Pflügers Vorschläge: den Bau entweder als eine Art Bürgerbegegnungsstätte nutzen oder den Block abreißen und neu bauen, was die Chance eröffnet, hier am Eingang des Gutenbergviertels einen attraktiven Platz zu kreieren.

Was letztlich geplant wird, dass soll sich in einer Reihe von Bürgerversammlungen und Gesprächen unter Beteiligung des im Gutenbergviertel arbeitenden Runden Tisches, des Quartiermanagements und anderen herauskristallisieren. Hermann Gödde: „Ohne die Menschen in den einzelnen Teilquartieren werden wir keine Lösungen finden.“ Eine durchaus doppeldeutige Feststellung: Denn die enge Einbindung der Bürger in den Projektprozess ist unabdingbare Voraussetzung für den Erhalt von Fördermitteln.

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