Eschweiler - Der Ersatz-Opa schenkt den Eltern Zeit

Der Ersatz-Opa schenkt den Eltern Zeit

Von: Sonja Essers
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Seit vier Monaten ist Wilfried Frauenkron Familienpate beim SkF. Als Ersatz-Opa geht er auf. Foto: Sonja Essers

Eschweiler. Vor wenigen Wochen holte Wilfried Frauenkron die kleine Mia (Name von der Redaktion geändert) das erste Mal vom Kindergarten ab. Daran erinnert sich der 65-Jährige noch ganz genau.

„Ist das dein Opa?“, fragten nicht nur die Kinder, sondern auch die eine oder andere Mutter wurde auf den fremden Mann mit dem weißen Bart aufmerksam, der von der Dreijährigen mit einer Umarmung begrüßt wurde.

Der Großvater der kleinen Mia ist Wilfried Frauenkron jedoch nicht. Der 65-Jährige kennt Mia und ihre Eltern erst seit vier Monaten. Für die junge Familie, die anonym bleiben möchte, ist der Rentner allerdings unverzichtbar geworden. Verwandte haben die berufstätigen Eltern in der Indestadt nämlich nicht. Für Entlastung im Familienalltag sorgt deshalb Wilfried Frauenkron: Er ist einer von sieben Familienpaten, die derzeit in Eschweiler ehrenamtlich tätig sind.

Wie wichtig Familienpaten sind, weiß Petra Kogel. Sie ist Sozialpädagogin beim Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) und verantwortlich für das Projekt, das in Stolberg, Aachen, Alsdorf und Düren bereits große Erfolge feierte. Warum der Bedarf auch in der Indestadt hoch ist, erklärt Petra Kogel so: „Bei vielen Menschen fehlt heute dieses familiäre Netzwerk an Verwandten, die die Familien ab und zu entlasten können.“ Das typische Familienbild, in dem Großeltern einen wichtigen Beitrag zur Erziehung leisten, sei nicht mehr zeitgemäß.

Das Projekt lief im vergangenen Jahr allerdings holprig an. Zwar standen schon einige Paten in den Startlöchern, darunter auch Wilfried Frauenkron, die Familien waren jedoch sehr zurückhaltend. „Ich denke, es liegt daran, dass die Paten Menschen sind, die man nicht kennt. Da besteht bei vielen Familien mit Sicherheit eine große Hemmschwelle, die ich auch nachvollziehen kann“, sagte Kogel damals. Trotzdem war sie von dem Konzept überzeugt. Zu Recht, wie sich nur wenige Monate später herausstellen sollte.

 

Derzeit fünf Patenschaften

 

Derzeit gibt es in der Indestadt fünf Patenschaften, drei weitere seien in der Vorbereitungsphase. Wilfried Frauenkron hat zwei Patenschaften übernommen. Seine Motivation? „Ich habe selbst erfahren, wie wichtig es ist, dass man auch mal eine Auszeit hat. Mein Anliegen ist es, den Eltern dies zu ermöglichen.“

Der zweifache Vater kümmerte sich 15 Jahre lang als Hausmann um seine beiden Söhne und machte dabei die Erfahrung: „Eltern möchten auch mal ohne ihre Kinder sein. Das ist verständlich und auch nicht negativ gemeint. Deshalb ist es doch umso schöner, wenn sie die Möglichkeit haben, auch mal etwas für sich selbst zu tun.“

Es war Ende des Jahres 2013 als Frauenkron durch einen Arbeitskollegen auf das neue Projekt des SkF aufmerksam wurde. Frauenkron recherchierte im Internet und meldete sich bei Petra Kogel. Einige Monate musste sich der Rentner gedulden. Im November des vergangenen Jahres hatte Kogel schließlich eine Familie gefunden, die Hilfe brauchte. Nach dem ersten Kennenlerngespräch stand sowohl für die Eltern der kleinen Mia, als auch für Wilfried Frauenkron schnell fest: Das passt.

Seitdem hat der Rentner einmal in der Woche die Möglichkeit, Opa zu sein. Ein Wunsch, der ihm bis vor vier Monaten nicht erfüllt werden konnte. Frauenkron holt die dreijährige Mia nicht nur vom Kindergarten ab, sondern besucht auch mit ihr den Spielplatz und liest ihr aus ihren Lieblingsbüchern vor.

Das gute Verhältnis, das zwischen dem Rentner und der dreiköpfigen Familie besteht, basiere vor allem auf Offenheit und Ehrlichkeit. „Wir haben uns auch ganz offen über das Thema Missbrauch unterhalten. Das war mir im Vorfeld sehr wichtig“, sagt Frauenkron. Schließlich gebe es auch Situationen in denen sich der körperliche Kontakt nicht vermeiden lässt. „Wenn wir unterwegs sind, dann muss ich ihr ja auch die Pampers wechseln.“

Das Thema Missbrauch spielt auch beim SkF eine wichtige Rolle, weiß Petra Kogel, die sowohl Paten, als auch Familien dazu rät, immer ein offenes Gespräch zu suchen. „Ein vertrauensvolles Verhältnis muss man erst aufbauen. Das ist etwas, das sich einfach entwickeln muss.“

Wer sich als Familienpate engagieren möchte, muss vorher ein polizeiliches Führungszeugnis ablegen und an einer Präventionsschulung teilnehmen. Auch Fortbildungen in Ersthilfe und zu pädagogischen Themen bietet der SkF seinen Ehrenämtlern kostenfrei an.

Wilfried Frauenkron möchte nicht nur den Eltern der kleinen Mia etwas Gutes tun. „Ich möchte einfach nur Opa sein“, sagt er und fügt hinzu: „Eltern sind da zu erziehen, und Oma und Opa sind da zu verwöhnen.“ Kogel weiß, dass das besonders für Kinder wie Mia, die ohne Großeltern in der Nähe aufwachsen müssen, wichtig ist. „Die Kinder genießen diese Aufmerksamkeit, die ihnen entgegen gebracht wird, ganz besonders.“

 

Wichtig, gebraucht zu werden

 

Für den 65-Jährigen ist es zudem besonders wichtig, gebraucht zu werden. In den kommenden Monaten will er mit der kleinen Mia öfter zum Spielplatz gehen und dort Zeit verbringen. „Ich wollte immer Enkel haben, solange ich selbst noch aktiv bin“, sagt der 65-Jährige. Frauenkron ist froh, dass er die Möglichkeit hat, sich als Familienpate zu engagieren. „Das ist wirklich eine Bereicherung, die ich jedem nur empfehlen kann.“

Auch Kogel ist mit dem bisherigen Verlauf des Projekts zufrieden. „Der Bedarf und die Nachfrage sind da. Ich bin zuversichtlich, dass dieses Projekt in Eschweiler genauso erfolgreich wird, wie in den anderen Städten“, ist sich die Sozialpädagogin sicher.

Interessierte Familien und Paten können sich telefonisch unter Telefon 609780 oder per Mail unter sozialdienst@skf-eschweiler.de an Petra Kogel wenden. Der SkF sucht auch für andere Bereiche stets Ehrenamtler.

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