Der Dauerregen setzt den Landwirten zu

Von: Tobias Röber
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„Wir machen grillen“, lautet ein Slogan des rheinischen Bauernverbandes. Der Dauerregen macht es derzeit nicht nur Otto Normalverbraucher, sondern auch den Landwirten schwer. Foto: Tobias Röber
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Blickt ein wenig besorgt in Richtung Erntezeit: der Dürwisser Landwirt Hubert Mock.

Eschweiler. Hubert Mock zuckt beim Blick auf eines seiner Zuckerrübenfelder mit den Achseln. „Das ist Natur. Daran kann man nix ändern.“ Recht hat er, trotzdem blicken die Landwirte der Region mit bangen Blicken gen Himmel. Der Dauerregen der vergangenen Wochen setzt Mock & Co. ordentlich zu.

Im Rahmen unserer Serie haben wir den Landwirt aus Dürwiß, der zugleich Sprecher der Ortsstelle Eschweiler der Landwirtschaftskammer ist, besucht.

„Das kann man niemandem erklären, das muss man gesehen haben“, sagt Mock und deutet auf eben jenes Zuckerrübenfeld. Da stehen saftig grüne Pflanzen neben kümmerlichen mit gelben Blättern. Der Dauerregen wird auch bei den hiesigen Bauern für Einbußen bei der Ernte sorgen. Wie zum Beweis stapft Mock aufs Feld und zieht zwei Rüben aus dem Boden. Eine „normale“ gewachsene und eine kümmerliche. An der Frucht sieht man den Unterschied deutlich. Den Größenunterschied könne die verkümmerte Rübe nicht mehr aufholen, sagt Mock. „Der Boden ist voll mit Wasser, und daher ist kein Sauerstoff darin. Auch die Organismen, die Würmer arbeiten dort nicht“, erklärt er weiter.

Das gelte auch für die Kartoffeln, die ebenfalls unter dem Dauerregen leiden. Und auch da gibt‘s Unterschiede. „In Kinzweiler gibt‘s eine Parzelle, die im Hang liegt. Da ist alles in Ordnung, weil das Wasser abläuft“, sagt Hubert Mock. Wenige Meter weiter in der Senke sammle sich jedoch das Wasser und die Kartoffeln verkümmern. Das Problem: Gegen Unkraut und Knollenfäule müssen die Landwirte jede Woche durch die Kartoffelfelder und Maßnahmen ergreifen. Bei dem tiefen Boden verursachen die schweren Maschinen jedoch Schäden, die die Landwirte jedoch in Kauf nehmen müssen.

Es müsse nun mal mindestens vier Tage am Stück trocken, warm und sonnig sein, damit die Böden trocknen und die Arbeiten voranschreiten können. Allerdings ist für das kommende Wochenende bereits der nächste Regen vorausgesagt.

Der erste Heuschnitt sollte ebenfalls schon weg sein. Von unten wachse der zweite Schnitt bereits nach, aber die nassen Böden machen es derzeit kaum möglich, den ersten Schnitt zu ernten. Das Heu wird nämlich geschnitten und drei- bis viermal gewendet, bevor es zu Heu wird und das Feld verlässt. Es gibt auch in der Region schon einige Betriebe, die auf Heu aus dem Schwarzwald und aus Frankreich zurückgreifen. Der Zukauf von zusätzlichem Futter geht selbstredend ins Geld.

Es gibt aber auch gute Nachrichten. Gerste und Weizen haben keine Probleme mit dem vielen Regen, sie können in den nächsten Wochen geerntet werden. Auch bei den Ackerbohnen und Erbsen sieht es laut Mock gut aus. Das gilt jedoch nicht für die Erdbeeren. Auch denen hat der Dauerregen ordentlich zugesetzt. Risse oder Pilzbildung sind die Probleme, die nach dem starken Regen auftreten. Apropos Regen. In den vergangenen Wochen hat es nicht nur ständig geregnet, sondern – und das bezeichnet Mock ebenfalls als großes Problem – sehr viel auf einmal dazu.

Ein anderes Thema beschäftigt Mock und seine Kollegen ebenfalls. In der Jülicher Zuckerfabrik gibt es Überlegungen, bei der diesjährigen Rübenkampagne, die im September beginnt, wie in anderen Werken auch die 24-Stunden-Anlieferung einzuführen. Das Jülicher Werk ist laut Mock deutschlandweit derzeit das letzte, in dem nicht nachts angeliefert wird. Das hätte auch für einige Eschweiler Landwirte Auswirkungen, vor allem logistische.

Die Genehmigung für eine 24-Stunden-Anfuhr hat die Jülicher Zuckerfabrik längst, sie wurde bislang nur nicht oder nur selten wahrgenommen. Zuletzt gab es etwa zwischen den Jahren eine außerplanmäßige Nachtanfuhr am Sonntag nach Weihnachten, als nach dem Ende des Lkw-Fahrverbotes einige Transporte starteten, um die „hungrige Zuckerfabrik“ rechtzeitig mit zu verarbeitenden Rüben zu versorgen. Für die Zuckerrübenbauern bedeutet die Änderung, frühzeitig Routen festzulegen.

Denn: Die Rüben werden von riesigen Rodern geerntet. Dann werden die aufgehäuften Feldfrüchte von sogenannten Lademäusen gereinigt und auf Anhänger verfrachtet, die zum Werk nach Jülich gefahren werden. Wie man sich vorstellen kann, geht das alles andere als geräuschlos vonstatten. Es müssen also erstmal die Parzellen ausfindig gemacht werden, die nicht zu nah an Wohnbebauung liegen. Hubert Mock ist zuversichtlich, dass in Eschweiler niemand nachts belästigt wird. Es müssen nur genügend Fahrer für die Nachtstunden gefunden werden.

Die letzten Rüben werden übrigens im Rahmen eines Feldtages am 9. Oktober geerntet. Der wird vom Maschinenring Rheinland-West veranstaltet.

Und bis dahin haben die (hiesigen) Landwirte vor allem eine Hoffnung: endlich Sonne, höhere Temperaturen und mehrere trockene Tage am Stück.

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