Denkfabrik hilft Justitia auf die Sprünge

Von: rpm
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Geballter juristischer Sachverstand in einer Praxis mit Atrium - zum Luftholen im Alltagsstress. Auf der Bank die Rechtsanwälte Dietmar Boss (links) und Heinz Peters, dahinter ihre Kollegen Dieter Pletz (rechts), Dr. Claudia Beineke (2. von rechts), Andreas Fleuster (4. von rechts) und Hans Peter Girkens (7. von rechts) inmitten ihres Teams. Foto: Rudolf Müller

Eschweiler. Von „Boston Legal” ist er hellauf begeistert. Nicht etwa, weil er sich selbst in den Anwälten wiederfindet, die da allabendlich nach Büroschluss in Dachterrassen-Sesseln mit Whiskeyglas und Zigarre Männergespräche führen. Sondern weil´s einfach eine unterhaltsame TV-Serie ist. Spökes mit ernstem Kern.

Mit dem Anwalts-Alltag in Deutschland hat das aber ebenso wenig zu tun wie ein „Liebling Kreuzberg”, sagt Heinz Peters: „Kein Anwalt kann es sich leisten, wegen einer Zwangsvollstreckung für fünf Euro den ganzen Tag durch die Gegend zu laufen.” Wie der Anwalts-Alltag hierzulande wirklich aussieht, davon kann Heinz Peters ein langes Lied singen. Der 56-Jährige ist seit 30 Jahren Mitglied der inzwischen größten Eschweiler Anwaltspraxis.

Und die feiert in diesen Tagen Greburtstag: Vor 75 Jahren gründete Hein Gruissem die Kanzlei. Der Mann, der inzwschen 102 Jahre alt wäre, schrieb Justizgeschichte: Nach Kriegsende wirkte er im „Oppenhoff-Prozess” mit, verteidigte eine wegen der Ermordung des Aachener Oberbürgermeisters durch die Organisation „Werwolf” mitangeklagte Frau und erwirkte einen Freispruch: Gruissem war es gelungen, zum esten Mal in der deutschen Rechtsgeschichte den „Befehlsnotstand” zu thematisieren („Hätte ich nicht geschossen, wäre ich selbst erschossen worden”.)

Der „Werwolf”-Prozess blieb nicht der einzige, der Gruissem bekannt machte. In einer Zeit, die ihre eigenen Herausforderungen hatte: Die im Krieg zerstörten Eisenbahnschienen waren noch nicht wieder hergerichtet, ein Auto war unerschwinglicher Luxus: Hein Gruissem schwang sich aufs Fahrrad und radelte zu Gerichtsterminen selbst bis Köln.

75 Jahre nach Kanzleigründung und sieben Jahre nach Gruissems Tod ist das Anwaltsteam auf sechs Kollegen gewachsen: Dietmar Boss, seit 1969 dabei, ist spezialisiert auf Straf-, Bau-, Erb- und Familienrecht, Heinz Peters ist Fachanwalt für Familienrecht, Dieter Pletz befasst sich mit Steuer-, Arbeits- und Wohnungseigentumsrecht, Hans-Peter Girkens ist Fachanwalt für Bau- und Architektenrecht, Andreas Fleuster ist Fachanwalt für Strafrecht, und Dr. Claudia Beineke ist Fachanwältin für Famiienrecht sowie für Miet- und Wohnungseigentumsrecht.

Allein diese Auflistung zeigt, welchen Wandel die Anwaltstätigkeit durchgemacht hat: „Als ich anfing, hat noch jeder Anwalt nahezu jedes Gebiet beackert”, erinnert sich Heinz Peters. „Heute kommt am Trend zur Spezialisierung niemand mehr vorbei.” Eine weitere Entwicklung: „Gerichte legen heute viel mehr Wert auf Einzelfallgerechtigkeit. Das braucht einerseits mehr Zeit und macht andererseits Prognosen, wie ein Prozess ausgeht, immer schwieriger.”

Neben den sechs Anwälten arbeiten zwei Azubis, eine Bürovorsteherin und sieben Rechtsanwalts-Fachangestellte in der Praxis an der Marienstraße 11, die derzeit flächenmäßig erweitert wird. Eine jurisprudentielle Denkfabrik rund um ein Freiluft-Atrium - frische Luft sorgt für klare Gedanken.

Und auf der Bank im Freien ließe abends auch prima bei einer Zigarre klönen. „Wer alles bierernst nimmt, der vergällt sich das Leben”, sagt Peters.
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