Deniz Yücel wird mit Europäischen Sozialpreis ausgezeichnet

Von: rpm
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Sitzt seit Februar in der Türkei hinter Gittern: „Deniz Yücel. Foto: Karlheinz Schindler/dpa
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Nimmt für ihren inhaftierten Bruder den Europäischen Sozialpreis entgegen: Ilkay Yücel. Foto: Nowicki

Eschweiler. Nordkorea, Syrien, China, Eritrea, Kuba: Länder, in denen Pressefreiheit wenig bis gar nicht gilt. Die Türkei folgt knapp dahinter, wie aktuellen Zahlen der Organisation Reporter ohne Grenzen zu entnehmen ist: auf Platz 155 von 180 Ländern, deren Liste der Schande von Nordkorea angeführt wird.

In der Türkei, die sich leicht damit tut, Journalismus zum Verbrechen zu erklären, sitzt Deniz Yücel, deutscher Staatsbürger, seit dem 14. Februar in Haft. Als einer von derzeit rund 170 inhaftierten Journalisten. Dem Korrespondenten der „Welt“ und Kurt-Tucholsky-Preisträger, der oft kritisch über die Zustände in der Türkei berichtete, werden Terrorpropaganda und Volksverhetzung vorgeworfen. Eine Anklageschrift gibt es nicht.

Zahlreiche Appelle, Yücel aus der Haft zu entlassen, stießen bei den Machthabern am Bosporus bislang auf taube Ohren. Jetzt nimmt sich auch der Europaverein GPB der Sache an. Der Verein, der seit 1997 jährlich den Europäischen Sozialpreis an Menschen verleiht, die sich beispielhaft für Menschlichkeit und Menschenrechte und gegen Armut und soziale Ausgrenzung einsetzen, zeichnet in diesem Jahr Deniz Yücel aus.

Eine Auszeichnung, mit der der Verein nicht nur einmal mehr auf das Schicksal des Inhaftierten aufmerksam machen, sondern auch ein Zeichen für die Pressefreiheit setzen will. Die Preisverleihung steht unter dem Leitgedanken „Für ein Europa der Werte. Freiheit – Medienfreiheit/Pressefreiheit: ein hohes Gut der Demokratie“.

Traditionell am 3. Oktober wird der Europäische Sozialpreis im Ratssaal der Stadt Eschweiler verliehen. Entgegennehmen wird ihn die Schwester des in der Türkei Inhaftierten, Ilkay Yücel, die sich für ihn und die anderen Inhaftierten einsetzt. Ilkay Yücel veranstaltet bundesweit Solidaritätsevents.

Als solches versteht sich auch die Sozialpreisverleihung. Europavereinssprecher Peter Schöner beschreibt den Preis generell wie folgt: „Unsere Auszeichnung ist ein Appell an die öffentliche Meinung, die Schwachen, Kranken, die Wettbewerbsverlierer und die Minderheiten nicht aus den Augen zu verlieren. Durch die öffentliche Auszeichnung wollen wir die Motivation unserer Preisträger stärken.“

Preisträger, deren Liste illustre Namen aufweist – aber auch Menschen, die im Stillen Großes geleistet haben und noch leisten. Menschen, die sich für Kinder in Tschernobyl einsetzen, für Waisen in Rumänien, für weltweite Grünhelm-Einsätze, für Menschen in Afrika, für innerdeutsche Verständigung, für unsere Umwelt, für Toleranz, Frieden, Solidarität und Mitmenschlichkeit .

1997 machten Petra und Heinz Brocks den Anfang, es folgten Ingrid Sommerfeld, Janina Ochojska, Karl-Heinz Schmadalla, Emil Rixen, Thomas Beckmann, Dr. Reinhard Eroes, Dr. Bernd Bierbaum, Heinz-Jürgen Kuran, Dr. Rupert Neudeck, Dr. Marta Bocsi, Professor Dr. Smail Cekic, Heiner Buttenberg, Tilman Zülch, Professor Dr. Jozef Miklosko, Otto Stöcker, Sabine Drewanz, Hermann Carl, Heinz Jussen und Brigitte Averdung-Häfner. Und nun: Deniz Yücel.

Laudatorin beim Festakt im Ratssaal ist am kommenden Dienstag Doris Akrap. Die taz-Redakteurin kennt Deniz Yücel seit ihren Kindertagen: Die beiden sind gemeinsam in Flörsheim im Main-Taunus-Kreis aufgewachsen. Festredner ist Professor Bernd Mathieu, Chefredakteur unserer Zeitung.

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