Den Bibern gefällt es auch mitten in der Indestadt

Von: Andreas Gabbert
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Zwischen Inde- und Uferstraße
Zwischen Inde- und Uferstraße hat der Nager trotz des großen Verkehrsaufkommens in der Innenstadt ganze Arbeit geleistet: Lärm macht dem Biber nicht viel aus. Foto: Christina Diels

Eschweiler. Die Zeichen sind unverkennbar. Mitten in der Stadt, zwischen Inde- und Uferstraße ist ein Biber am Werk. Die Krone eines Baumes liegt im Wasser, und unten am Stamm sind die typischen Nagespuren zu sehen.

Das gleich neben dem Flussbett der Inde eine vielbefahrene, vierspürige Hauptverkehrsader verläuft scheint den tierischen Baumeister bei seiner Arbeit nicht gestört zu haben. „Krach stört den Biber überhaupt nicht”, sagt Lutz Dalbeck, Bibermanager bei der Biologischen Station im Kreis Düren. Solange sich das Tier unten im Flussbett sicher und ungestört fühle, sei es dem Biber ziemlich egal, was um ihn herum geschehe. Allerdings sei die Gefahr irgendwann unter die Räder eines Autos zu geraten doch recht hoch. „Viele Biber finden so den Tod”, sagt Dalbeck.

In der Regel reicht aber ein Abstand von rund 50 Metern zwischen einer Straße und einem Fluss aus, um diesem Schiksal zu entgehen. Der Biber bewegt sich nämlich nur selten mehr als 20 bis 30 Meter vom Ufer weg, damit er bei Gefahr schnell wieder im Wasser verschwinden kann. „Früher musste er sich vor dem Wolf verstecken, heute sind es eben Spaziergänger mit Hund vor denen er lieber in Deckung geht.”

Das Überleben in der Stadt ist für den Biber kein Problem. „Der Biber wird sich den Gegebenheiten anpassen und meist in der Nacht aktiv sein”, glaubt Dalbeck.

Doch wie ist der Biber überhaupt mitten in die Stadt gekommen? Dalbeck hegt die Vermutung, dass es sich um einen Nachfahren der zwölf polnischen Biber handelt, die in den 1980er-Jahren im Hürtgenwald ausgesetzt wurden. Von dort haben sich die Tiere innerhalb von zwei Jahrzehnten in die Nordeifel und entlang der Rur bis in die Niederlande ausgebreitet. In den Kreisen Jülich, Heinsberg und Euskirchen wurden die Nager ebenso gesichtet. Dalbeck weiß, dass sich Biber auch an der unteren Inde wohlfühlen. „Von da aus ist er schnell in Eschweiler”, sagt der Experte. Häufig legen die Tiere entlang von Flüssen und Bächen zehn bis 20 Kilometer zurück, manchmal können es auch 30 sein.

Wie lange der Biber in Eschweiler bleiben wird, ist schwierig zu einzuschätzen. „Ich bin ja selber kein Biber” sagt Dalbeck mit einem Schmunzeln auf den Lippen. Manchmal seien die Tiere plötzlich ohne ersichtlichen Grund wieder verschwunden. Möglicherweise sei der Biber auch auf Wanderschaft, dann bleibt er ein paar Wochen und zieht weiter. Es könne aber auch durchaus sein, dass sich der Biber in der Eschweiler Innenstadt ansiedelt meint Dalbeck. Denn was er zum Leben braucht findet er auch hier: Laubbäume am Ufer und Grünflächen mit Stauden, Brennesseln oder Rasen. Der Biber ernährt sich rein vegetarisch. Wenn er dann noch die richtige Wassertiefe vorfindet, fühlt er sich wohl. Er braucht eine gewisse Tiefe, um die Sicherheit zu haben, schwimmend entkommen zu können. Außerdem legt er seinen Bau oder seine Burg so an, dass sich der Eingang unter Wasser befindet. Von oben ist ein Bau am Ufer meist nicht zu erkennen. „In der Inde gibt es genügend tiefe Stellen, und die findet er”, ist Dalbeck überzeugt.

Häufig sind die Tiere zu zweit unterwegs. Es könnte also auch sein, dass ein Pärchen hier eine Familie gründen möchte. In der Regel besteht so eine Biberfamilie aus vier bis sechs Exemplaren aus drei Generationen. „Wenn man auf eine solche Gruppe trifft, kann man die Größenunterschiede gut erkennen”, sagt Dalbeck. Innerhalb der Familie sind die Tiere sehr gesellig, aber wehe es gesellt sich ein fremder Biber dazu. Dann ist der Teufel los, anderen Artgenossen gegenüber können sie sehr aggresiv reagieren.

Selbst wenn sich der Biber dauerhaft in Eschweiler niederlassen sollte, gibt es keinen Grund zur Sorge, dass er einen Staudamm anlegen und für Überschwemmungen sorgen könnte. Zum einen staut der Biber ein Gewässer nur, wenn es ihm für sein Sicherheitsbedürfnis zu niedrig erscheint, was bei der Inde nicht der Fall sein dürfte. Zum anderen würde ein Biberdamm in größeren Wässern nicht lange halten, erklärt Dalbeck. Nach einem größeren Gewitter würde der Damm von den Wassermassen fortgespült.

Allerdings könnten dem tierischen Baumeister noch ein paar Bäume zum Opfer fallen. Besonders im Winter, wenn der Biber kein Grünfutter mehr findet, ist er auf Rinde und Knospen der Bäume angewiesen. Wertvolle Bäume lassen sich aber vor den Zähnen des Nagers schützen. Dabei ist Dalbeck gerne behilflich. Die Biolgische Station Düren hat, gefördert vom Landschaftsverband Rheinland ein Biberprojekt ins Leben gerufen. Ziel ist es, das gedeihliche Nebeneinander von Mensch und Biber in der modernen Kulturlandschaft zu unterstützen. Bei Probleme oder Fragen, kann man sich unter Tel. 02427/94987-14 an die Arbeitsgruppe Biber wenden.
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