Demenzkranke mit dem Herzen behandeln, nicht medizinisch

Von: ista
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Thomas Hagen, Referent eines Pflegedienstes.

Eschweiler. Einem sehr sensiblen Thema widmete sich der Bergrather Gesundheitskreis. Der fünfte Veranstaltungsabend des Gesundheitskreises seit seiner Gründung vor zwei Jahren stand unter der Überschrift „Wer tickt wie - Demenz verstehen”.

Dem Referenten und Leiter eines Pflege- und Gesundheitsdienstes, Thomas Hagen, gelang es, die zahlreichen Gäste in seinem Vortrag für die Krankheit Demenz zu sensibilisieren.

Zuwendung und Verständnis

Einfühlsam und emphatisch berichtete er von seinen eigenen Erfahrungen im Umgang mit Patienten und dem Leid und der Belastung der pflegenden Angehörigen. Der von einer Musikgruppe vorgetragene Titel „Dawn Dämmerung”, den ein Angehöriger über die Demenzerkrankung seiner Mutter geschrieben hat, berührte die Anwesenden sehr. Er zeigte, wie wichtig es ist, das Leben für die Betroffenen und die Angehörigen so lebenswert wie möglich zu machen. „Wir müssen lernen, Demenzkranke mit dem Herzen zu behandeln und nicht medizinisch”, so Hagen.

Denn auch wenn sich die Patienten oftmals nicht mehr artikulieren können oder zunehmend körperlich und geistig abbauen, so sind sie doch ebenso bedürftig nach Zuwendung und Verständnis wie ein gesunder Mensch. Vielmehr haben Demenzkranke eine andere Wahrnehmung, sie leben mit zunehmender Krankheit wieder in ihrer eigenen Vergangenheit. Genau dort sollen Angehörige die Betroffenen abholen, also an dem Ort, an dem dieser gerade ist.

„Kiste des Wohlfühlens” anlegen

Damit den Pflegepersonen diese Erinnerungen im Falle einer Demenz bekannt sind, kann es hilfreich sein, schon als gesunder Mensch eine „Kiste des Wohlfühlens” anzulegen. Dort hinein sollen Dinge gelegt werden, die für das eigene Leben wichtig waren oder auch sind. So können im Falle einer Erkrankungen die positiven Erinnerungen mit Hilfe des Kisteninhaltes reaktiviert werden. Denn Unwissenheit und Unverständnis führen oftmals dazu, dass sich die Patienten unwohl fühlen, da sie sich in einer anderen Erinnerungsstufe befinden, ihnen aber Außenstehende nicht dorthin folgen können.

Es ist wichtig zu verstehen, dass Demenzpatienten ihr eigenes Verhalten nicht mehr steuern können. Ein anrührendes Gedicht des 15-jährigen Schülers Steffen Esser verdeutlichte die Nöte und Hilflosigkeit der Patienten, die gefangen sind in einer Welt, in der sie sich nicht mehr verständigen können und in der sie nicht mehr richtig verstanden werden.

Um Angehörigen und interessierten Bürgern eine Möglichkeit des Austausches zu bieten, möchte Thomas Hagen in Bergrath einen Demenzkreis ins Leben rufen. Interessierte können sich melden unter der Telefonnummer 02403/32241.
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