Das Weihnachtsfest wird 13 Tage später gefeiert

Von: Tobias Röber
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Priester Vadim Karpenko beim Gottesdienst am Heiligabend in Düren. Seit vier Jahren geht der 39-jährige gebürtige Ukrainer seiner Berufung nach. Foto: Alexander Barth
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Derzeit werden die russisch-orthodoxen Gottesdienste in der Kirche St. angela in Düren gefeiert. Vadim Karpenko träumt davon, eines Tages eine eigene Kirche zu bauen.

Eschweiler/Düren/Trier. Vadim Karpenko hat am Dienstag Weihnachten gefeiert. Der gebürtige Ukrainer und Wahl-Indestädter ist nämlich Priester in der russisch-orthodoxen Kirche. Für die Schwestern und Brüder dieses Glaubens ist Heiligabend am 06. und der 1. Weihnachtstag am 07. Januar. Warum? Weil für sie der julianische Kalender gilt.

Vor 13 Jahren kam Karpenko, 39 Jahre alt, nach Deutschland. Er stammt aus Odessa, einer Millionenstadt am Schwarzen Meer. Mit Frau und seiner inzwischen 17-jährigen Tochter zog er damals nach Aachen. Karpenko ist Softwareentwickler und trat in der Kaiserstadt eine Stelle an. Im Jahr 2006 zog es die Familie nach Eschweiler. Mittlerweile haben Vadim Karpenko und seine Frau zwei weitere Kinder: Seine Söhne sind zwei und vier Jahre alt.

Dass er einmal Priester werden würde, hätte er als Kind nicht gedacht. Sein Vater war Kommunist und beim Militär. „Ich musste damals heimlich getauft werden“, erinnert sich Karpenko. Damals war er zwei Jahre alt. „Danach war ich nie wieder in der Kirche“, sagt er. Nach der Perestroika begann Karpenko in der Bibel zu lesen, und er besuchte Kirchen. Unter anderem in Aachen. „Die ersten Gottesdienste der russisch-orthodoxen Kirche in Deutschland fanden in Aachen statt“, erzählt Karpenko.

Später folgte er seinem Herzen, seiner Überzeugung, wie er sagt. Er fühlte sich berufen, Priester zu werden. Im Jahr 2006 begann er ein Fernstudium in Paris in orthodoxer Theologie. Eigentlich dauert dieses fünf Jahre, Vadim Karpenko benötigte vier. Das orthodoxe Institut in Frankreichs Hauptstadt wurde im Jahr 1927 von Exil-Russen gegründet.

Im Jahr 2010 wurde er Priester in Trier. Das ist schon etwas besonderes, ist der orthodoxe Glaube in Trier doch schon mehrere Jahrhunderte präsent. 2012 kam dann Düren hinzu. Seinem Beruf als Softwareentwickler geht er aber weiterhin nach. Einmal pro Woche fährt Karpenko für einen Gottesdienst nach Trier, in Ausnahmefällen (etwa wenn ein Gemeindemitglied stirbt) auch öfter. Dazu kommen die Gottesdienste in Düren. Beruf und Berufung kosten ihn schon einiges an Zeit.

In der russisch-orthodoxen Kirche ist es kein Problem, dass die Priester verheiratet sind und Kinder haben. Im Gegenteil. „Erst heiratet man, dann wird man Priester“, erklärt Karpenko und lacht. Ebenso hätten viele orthodoxe Priester mehrere Kinder. Er kenne welche mit sieben oder mehr Kindern, darunter etliche adoptierte. Die Familien der Priester sind quasi Ersatzfamilien.

Den sozialen Aspekt seiner Berufung stellt Karpenko in diesem Zusammenhang in den Vordergrund. Kinder und Jugendliche sollen gut erzogen werden, also etwa in Frieden leben und nicht stehlen. Senioren sollen aktiv bleiben und sich immer weiter engagieren.

Das ist ein Unterschied zwischen russisch-orthodoxer und römisch-katholischer Kirche. Ein anderer ist eben das Weihnachtsfest, beziehungsweise die gesamte „geweihte Zeit“ von der Geburt Christi bis zur Taufe Christi. In dieser Zeit, die noch bis zum 18. Januar dauert, sind unter anderem die Lieder in den Kirchen fröhlicher, die Besucher knien sich während der Gottesdienste nicht, und es muss nicht gefastet werden. Ähnlich ist es zwischen Ostern und Pfingsten.

Nicht formell Mitglied

Für die Zukunft hat Vadim Karpenko weitere Ziele. Er würde gerne eigene Kirchen für seine Glaubensbrüder und -schwestern bauen. Das ist gar nicht so leicht. In der russisch-orthodoxen Kirche wird man nicht formell Mitglied, Steuern gibt es auch nicht. Mitgliederzahlen könne man so auch nur schwer ermitteln.

Eine Kirche muss rein aus Spenden finanziert werden. In Düren wurde vor einem halben Jahr der Verein russisch-orthodoxe Kirche Düren gegründet.

In Düren gibt es eine russisch-orthodoxe Gemeinde, in Aachen ebenso. Für seine Heimatstadt Eschweiler, die ihm nach eigendem Bekunden gut gefällt, sieht Karpenko derzeit keine Möglichkeit einer solchen Gemeinde. Mit Trier und Düren ist er aber auch schon genug ausgelastet.

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