Das Stadtnest lädt zu Gedankenspielen

Von: Patrick Nowicki
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Stationen der „Wege zur Kunst“: Über das „Stadtnest“ (links) freuen sich Vertreter von Kunstverein, Stadt und Sparkasse sowie Künstler Gert Jäger (2.v.l.). In der Kunstsammlung waren die Werke (rechts, von oben) von Dirk Schreiber, Spectrum und Urban Stark zu sehen. Foto: Patrick Nowicki
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Flügelwesen aus Metall: Künstler Alexander Göttmann (Mitte) im Gespräch mit Mitglieders des Kunstvereins. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Ein Stadtnest verbindet seit Sonntag offiziell die Städte Eschweiler und Stolberg. Das Werk des Heinsberger Künstlers Gert Jäger ziert nämlich den Kreisverkehr an der Stolberger Straße. Der Entwurf überzeugte in einem Wettbewerb Jury und unsere Leser.

Am Sonntag  wurde die Skulptur offiziell ihrer Bestimmung übergeben, als die „Wege zur Kunst“ des Eschweiler Kunstvereins dort endeten.

Die Rahmenbedingungen für Kunstinteressierte aus der ganzen Region passten am Sonntag perfekt, um zu den insgesamt sieben Stationen zu lustwandeln und dabei die unterschiedlichsten Werke zu begutachten. Der Genuss wurde immer wieder garniert mit Musik – bevorzugt Jazz. Stilecht eben. Und so war es selbstverständlich, dass die Veranstaltungsreihe, die alle drei Jahre fortgesetzt wird, in der Heimat des Eschweiler Kunstvereins starteten, nämlich in der Städtischen Kunstsammlung im Talbahnhof. Dort gewährten alle beteiligten Künstler kleine Ausschnitte ihrer Kreativität – das Augenmerk lag jedoch auf Dirk M. Schreibers Bildhauereien und multimediale Fotografie.

Begeisterung beim Auftakt

Sichtlich begeistert war die 1. Vorsitzende des Kunstvereins, Nadine Müllers, angesichts der zahlreichen Gäste und des strahlenden Wetters: „Ich habe mir schon Sorgen gemacht, dass wir im Oktober mit Wintermantel und Stiefeln zu den Stationen gehen müssen“, gestand sie. Am Sonntag konnte man getrost wieder das Sommerkleid oder -jacket aus dem Kleiderschrank ziehen.

Mit ihrem Stellvertreter Ralf Walraff stellte sie an den einzelnen Orten die Künstler und ihre Werke vor. Dass diesmal vorrangig Skulpturen zu sehen waren, hing auch mit dem Wettbewerb zusammen, den der Kunstverein ausgerufen hatte. Die Bewerber um die Skulptur auf dem Kreisverkehr wurden auch bei der Wahl der Künstler für die Veranstaltungsreihe bevorzugt.

Abwechslungsreich blieb es allemal: Vom Talbahnhof aus ging es zur Röthgener Burg, wo der Tross von Hausherrin Marie-Theres Kugel empfangen wurde. An dem alten Gemäuer, dass am Samstag sein 666-jähriges Bestehen feierte, waren die keramischen Stelen von Dieter Eichelmann ausgestellt, die einen farbenfrohen Kontrast zum braunen Bruchstein der Burg boten. Weiter ging es zum AGO-Seniorenzentrum, in dessen Garten die metallischen Flügelwesen Alexander Göttmanns glänzten.

Nach einer kleinen Stärkung führte die Kunstroute zur Feuerwache. Dort waren Urban Starks Kunstwerke zu erleben – Objekte, die Abstraktes und Objektkunst vereinen und immer in einem gesellschaftlichen Zusammenhang stehen. Helfer der Jugendfeuerwehr kümmerten sich auch dort darum, dass die Kunstfreunde nicht mit knurrendem Magen die letzten Stationen ins Visier nehmen mussten. Dass Kunst durchaus Menschen in schwierigen Situationen Halt geben kann, unterstreicht das Projekt Spectrum. In der Kreativwerkstatt sind die kleinen Stelen entstanden, die am Sonntag den Sticher Berg schmückten.

Eine Stippvisite beim Sponsor der „Wege zur Kunst“ war auch möglich: Wieder unterstützten die Sparkasse Eschweiler und die Kulturstiftung des Kreditinstitutes die Veranstaltungsserie. Gebietsdirektor Klaus Wohnaut, der sämtliche Stationen mit abschritt, begrüßte die Gruppe an der Sparkassen-Filiale Pumpe-Stich. Dort hatten gleich zwei Künstler ihre Skulpturen installiert: George Pavels Plastiken und Willi Arlts Reliefs aus Baustahl.

Am Kreisverkehr Stolberger Straße kam eine größere Menge Kunstinteressierter zusammen, um der offiziellen Übergabe des „Stadtnestes“, finanziert von der Sparkasse Eschweiler, beizuwohnen. Dass das Werk durchaus viele Interpretationsmöglichkeiten lässt, machten die Redner deutlich.

Dr. Christine Vogt, Direktorin der Ludwig Galerie in Schloss Oberhausen, machte deutlich, dass Kunstwerke auf einem Kreisverkehr nicht selbstverständlich seien: „Manche Gestaltung eines Kreisverkehrs verdient die Bezeichnung nicht. Da kommt einem das Grausen. Das ist hier völlig anders“, sagte sie. Das Werk der Künstlers Gert Jäger habe etwas Verbindendes, Offenes. Sie sieht darin die Offenheit der beiden Nachbarstädte. Zudem gebe die goldene Stadt, die aus dem Nest herauswachse, Anlass zu positiven Assoziationen.

Eschweilers Technischer Beigeordneter Hermann Gödde griff die Bilder auf und nutzte die Gelegenheit, auf die Probleme der Städte hinzuweisen: „Die Städte waren früher die der Freiheit, die Keimzellen der Demokratie, die Orte der Kunst und Literatur. Heute nimmt man den Städten die Luft, die Kultur weiter zu pflegen“, sprach der die finanziellen Sorgen der Kommunen an. Deswegen solle man in seinen Augen dafür kämpfen, die Städte stark zu halten. Positiv: Die Zusammenarbeit der beiden Nachbarstädte funktionierte bei der Gestaltung des Kreisverkehrs gut.

Fortsetzung in drei Jahren

Bei der Eröffnung im Kulturzentrum Talbahnhof hegte Bürgermeister Rudi Bertram den Wunsch, dass Künstler und Kunstschaffende mehr ihre Stimme erheben. Dank des Kunstvereins dürfte das zumindest in Eschweiler noch häufig der Fall sein. Die nächste Ausstellung ist schon geplant: Am 23. November ist die Vernissage vorgesehen. So lange bleibt die Ausstellung im Rahmen der „Wege zur Kunst“ geöffnet. So kann man bei den „Art Open“ in vier Wochen noch mal einen Blick auf die Skulpturen und die Vorschläge beim Wettbewerb werfen. Die nächsten „Wege zur Kunst“ finden in drei Jahren statt.

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