Eschweiler - Das Seepferdchen allein ist nicht ausreichend

Das Seepferdchen allein ist nicht ausreichend

Von: Christina Handschuhmacher
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Begehrt: Die Wartelisten für die Schwimmkurse bei den Wasserfreunden Delphin Eschweiler und der DLRG sind lang. Bis zu ein Jahr kann zwischen Anmeldung und Kursstart vergehen. Foto: dpa

Eschweiler. Die Anforderungen sind klar definiert: „Jedes Kind soll am Ende der Grundschulzeit schwimmen können. ‘Schwimmen-Können’ heißt, dass es sich möglichst angstfrei ohne Fremdhilfe in schwimmtiefem Wasser zielgerichtet fortbewegen kann.“ So steht es im Lehrplan Sport für die Grundschulen in NRW.

Die Zahlen, die das Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) vor einiger Zeit zum Thema Schwimmkompetenz von Grundschulkindern ermittelt hat, sprechen eine andere Sprache. Demnach geht die DLRG davon aus, dass nur jedes zweite Kind am Ende der vierten Klasse sicher schwimmen kann. Und das bedeutet im Umkehrschluss: „Die Hälfte der Kinder sind am Ende der vierten Klasse keine sicheren Schwimmer“, sagt DLRG-Sprecher Martin Janssen.

Zwar hätten der repräsentativen Studie zufolge 74 Prozent der Viertklässler das Frühschwimmerabzeichen „Seepferdchen“ absolviert, dies bedeute allerdings nicht, dass die Kinder sicher schwimmen könnten. Die Anforderungen des „Seepferdchens“ – ein Sprung vom Beckenrand und 25 Meter Fortbewegen im Wasser sowie das Heraufholen eines Gegenstands aus schultertiefem Wasser – seien gering. „Kinder sind erst nach dem Schwimmabzeichen in Bronze sichere Schwimmer“, sagt Janssen.

Dr. Christoph Herzog, Vorsitzender der Wasserfreunde Delphin Eschweiler, kennt die Zahlen der DLRG und er kennt die Situation vor Ort: „Bei den Kursen für Nichtschwimmer beobachten wir seit Jahren einen erhöhten Bedarf.“ Die Wartezeit für einen Platz in einem Nichtschwimmerkurs liege derzeit bei bis zu einem Jahr. Und das ist nicht einmal besonders lang. Herzog weiß von Schwimmvereinen etwa im Ruhrgebiet zu berichten, wo zwischen der Anmeldung des Kindes und dem ersten Sprung ins Wasser bis zu zwei Jahre vergehen.

Bäderschließungen? Ausfallender Unterricht? Woran liegt es, dass laut DLRG die Schwimmkompetenz von Grundschulkindern immer mehr abnimmt? „Die Straffung des Schulunterrichts und das Verlagern von Schulstunden in den Nachmittag führen dazu, dass wir die sonst üblichen Hallenzeiten gegen vier oder fünf Uhr nachmittags heute kaum noch nutzen können“, sagt Herzog. Zudem seien viele Kinder regelrecht im Freizeitstress – zwischen Tennisstunden und Klavierunterricht bleibte kaum Zeit, um einen Schwimmkurs zu besuchen.

Die DLRG nennt Bäderschließungen – seit 2007 hätten 800 Bäder deutschlandweit ihre Türen geschlossen beziehungsweise seien von Schließung bedroht –, ausfallenden Schwimmunterricht und unqualifiziertes Fachpersonal als Gründe.

Diese Einschätzung will Ewald Leclaire, Leiter der Katholischen Gemeinschaftsgrundschule Bohl und Sprecher der Grundschulleiterkonferenz, nicht teilen: „Bei uns findet der Schwimmunterricht vom zweiten Schuljahr an regelmäßig – also wirklich einmal pro Woche – statt.“ Drei Lehrer würden dann mit den etwa 40 Kindern in die Schwimmhalle an der Jahn-straße fahren. Natürlich sei der Schwimmunterricht aufwendig, und viel Zeit im Wasser bleibe neben Anfahrt, Umziehen und Rückfahrt nicht übrig, aber das Thema Schwimmunterricht hat an der KGS Bohl Priorität. „Von allen Zweitklässlern können derzeit nur vier noch nicht schwimmen“, sagt Leclaire. Andere Zweitklässler hätten bereits ihr Bronze-Schwimmabzeichen erworben. Kaum verwunderlich, dass die Grundschüler aus Bohl das Schwimmsportfest der Primarstufen nun schon mehrere Jahre in Folge für sich entschieden haben.

Und wie oft können die Grundschüler in Eschweiler ins Wasser springen? Drei Tage pro Woche sei das Hallenbad zwischen 8 und 13 Uhr für die Grundschulen reserviert, an den zwei anderen Wochentagen würden sich die weiterführenden Schulen das Bad mit der Öffentlichkeit teilen, sagt Dieter Kamp, städtischer Referent für das Schulwesen. Wer zu welcher Zeit ins Schwimmbad geht, entscheiden die Grundschulen selbst. Drei Klassen parallel könnten das Bad nutzen. Leclaire ist mit diesem System rundum zufrieden: „Die Stadt Eschweiler kümmert sich intensiv um ausreichend Schwimmzeiten für Schulen.“ Und: „Für die Grundschulen in Eschweiler ist es möglich, dass allen Kindern das Schwimmen beigebracht wird.“

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