Schevenhütte/Eschweiler - Das Schultreffen hält ein ganzes Dorf auf Trab

Das Schultreffen hält ein ganzes Dorf auf Trab

Von: Sonja Essers
Letzte Aktualisierung:
15560758.jpg
Freuen sich auf das Schultreffen am 3. November: Robert Wolff (links) und Rainer Sauer (rechts). Foto: Sonja Essers

Schevenhütte/Eschweiler. Bis zu 40 Schüler in einem Klassenraum und zwei Lehrer, die allerhand mit ihren Sprösslingen zu tun hatten. „War einer von ihnen krank, musste der andere beide Klassen übernehmen. Manchmal hat auch ein guter Schüler aus der Oberstufe die Unterstufe beaufsichtigt“, sagt Reiner Sauer und lacht. Geschichten wie diese gehörten zu seinem Schulalltag Anfang der 1960er Jahre.

Reiner Sauer besuchte damals die katholische Volksschule Schevenhütte, die vor 50 Jahren für immer ihre Türen schloss. Damit die Erinnerung an die Schule und ihre Schüler nicht verblasst, haben sich Sauer und seine Mitstreiter etwas Besonderes einfallen lassen: Sie veranstalten ein Schultreffen.

Was das bedeutet? 250 noch lebende Ehemalige konnten bisher ausfindig gemacht werden und wurden zum anstehenden Treffen am Freitag, 3. November, eingeladen. „Vor zehn Jahren hat schon einmal ein Klassentreffen stattgefunden. Das wollten wir wiederholen, aber nicht auf einzelne Klassen limitieren, sondern auf die ganze Schule ausweiten“, sagt Sauer.

Detektivische Arbeit

Ein Vorhaben, das sich als besonders arbeitsreich herausstellte. Schließlich sind die ältesten Ehemaligen über 90 Jahre alt und nicht alle per E-Mail oder telefonisch zu erreichen. „Dann wird es schwierig, Leute zu finden. Man kämpft sich an die Adressen ran. Aber da ich die genealogische Arbeit mag, macht mir das nichts aus“, sagt Sauer.

Um die ehemaligen Schüler ausfindig zu machen, wurden er und seine Mitstreiter regelrecht zu Detektiven. Durch alte Jahrgangsfotos gelangte das Organisationsteam an immer mehr Namen. „Wir haben ein ganzes Dorf mobilisiert“, sagt Mitorganisator Robert Wolff und lacht.

Doch nicht von allen Jahrgängen gebe es Bilder. Während der Weltkriege seien kaum Fotos entstanden. Dennoch wolle man von so vielen Klassen wie möglich Bilder sammeln, um ein Jahrbuch zu erstellen, das es nie gegeben habe. Zudem erhalten der älteste Schüler und derjenige, der die weiteste Anreise hatte, ein kleines Präsent. Für Letzteres gibt es gleich mehrere Kandidaten.

Zwar lebt der Großteil der Ehemaligen in Stolberg, Eschweiler oder Düren, einige hat es jedoch auch bis nach Ungarn, die USA oder nach Thailand verschlagen. Ob sie ebenfalls an dem Treffen teilnehmen, weiß Sauer nicht. Jedoch will er eine Skype-Verbindung herstellen, damit die ehemaligen Mitschüler die Veranstaltung über das Internet verfolgen können.

Doch nicht nur an ihre eigene Schulzeit wollen die Mitglieder des Organisationskomitees erinnern, sondern auch an die Geschichte der Schule, die besonders interessant ist. Wie lange es in Schevenhütte eine Volksschule gab, kann nicht mehr genau ermittelt werden. Man vermutet aber, dass die Schule zum Zeitpunkt ihrer Schließung bereits 250 Jahre auf dem Buckel hatte.

Das Errichten einer Schule in Schevenhütte sei sicherlich eine Bedingung für die Schevenhütter Pfarrerhebung um 1699 gewesen und könnte durch den Stifter und Jülicher Wehrmeister Dietrich von Leers betrieben worden sein, vermutet Reiner Sauer. Der erste bekannte Schevenhütter Schulmeister war Heinrich Henneß, der im Jahr 1711 starb.

130 Taler Gehalt

Nach seinem Tod übernahmen für die nächsten 125 Jahre jeweils die Küster und Pfarrer den Schulunterricht – es wurden aus dieser Zeit keine Lehrernamen überliefert. 1831 wurde Lehrer Peter Joseph Moringen der Diensteid abverlangt.

1833 wurde der Schulamtskandidat Adolph Levere gegen Zahlung von 130 Talern jährliches Gehalt von der Gemeindeverwaltung Gressenich offiziell als Lehrer und Küster an der Elementarschule und Pfarrkirche Schevenhütte eingesetzt. Lehrer Moringen und Levere unterrichteten im neuen Schulgebäude, das 1819 direkt neben dem Pfarrhaus errichtet wurde. Zuvor wurde im Schulgebäude in der Hohlstraße unterrichtet. Dieses wurde im Jahr 1928 schließlich abgerissen.

In der neuen Schule waren die Lehrer Johannes Theodor Kück (1838 bis 1875), Johannes Dickmeis (1875 bis 1893), Peter Lenzen (1893 bis 1924), Barbara Hermanns (1876 bis 1902) sowie Richard Giesen (1924), Maria Linden (1902 bis 1947), Heinrich Houben (1924 bis 1958), Johanna Freh (1947 bis 1950), Martha Basten geb. Classen (1950 bis 1956), Klaus Lieck (1958 bis 1968) und Annemarie Maßhöfer (1957 bis 1968) tätig. Aufgrund der Kriegseinwirkungen fand der Unterricht während der Renovierungsarbeiten im Saal des Restaurants Roeb statt. Die ehemaligen Lehrer sind mittlerweile allesamt gestorben.

Die langgeplante Schulreform trat am 1. August 1968 in Kraft. Die verbleibenden Schüler, die zuvor noch in Schevenhütte eingeschult worden waren, wurden acht Wochen später zur neu gebildeten Mittelpunkt- und Grundschule Gressenich oder nach Mausbach geschickt.

Nicht alle Stolberger waren mit dieser Entscheidung einverstanden. Reiner Sauer, der 1963 zur Realschule wechselte, meint, dass diese Entscheidung unumgänglich gewesen sei. „Es war sehr schwer, einen strukturierten Schulbetrieb in dieser Form weiter aufrecht zu erhalten“, meint er. Schließlich war die katholische Volksschule Schevenhütte vom Typ her eine Zwergschule. Das heißt: Die Schule besaß nur zwei Zimmer. In einem wurde die Unterstufe – also die Klassen eins bis vier – in einem zweiten die Oberstufe (Klassen fünf bis acht) unterrichtet.

Rückmeldungen erwünscht

Rund 60 Rückmeldungen haben Reiner Sauer, Robert Wolff und ihr Team, zu dem auch Pauline Frantz, Bertha Frantz, Marianne Mund, Gerti Eymael, Ulla Munscheid, Karin Koss, Brigitte Breuer, Bert Häckler, Irene Plum und Helga Krüger gehören, bereits erhalten. Sauer hofft, dass sich noch mehr melden. „Es wäre schön, wenn wir die alten Erinnerungen wieder aufleben lassen könnten“, sagt er.

Wer die katholische Volksschule in Schevenhütte besucht hat und noch keine Einladung erhalten hat oder wer noch Fotos zur Verfügung stellen kann, kann sich an Reiner Sauer unter SauerRL@me.com wenden.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert