„Das Platt soll nicht verloren gehen“

Von: Tobias Röber
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Spielerisch Platt lernen: Bei diesem VHS-Kurs, der von Stefanie Bücher (links) geleitet wird, lernen Greta Rehahn und Tim Stracke viele Wörter in Mundart kennen. Zur Freude von Gretas Großmutter Hannelore Rehahn und Tims Tante Birgit Schumorek. Foto: Tobias Röber

Eschweiler. „Isch will e Iis koofe.“ Als ein paar Kinder in einer Eschweiler Eisdiele nacheinander mit eben diesen Worten ein Eis bestellten, bekamen sie erstmal nichts. Mal abgesehen von merkwürdigen Blicken. Platt ist eben nicht mehr in aller Munde, und viele verstehen nur noch Bahnhof, wenn in Mundart geredet wird. Es gibt nicht wenige, die befürchten, dass das Eischwiele Platt ausstirbt.

Damit das nicht geschieht, gibt es unter anderem einen VHS-Kurs in Kooperation mit dem Eschweiler Geschichtsverein, in dem Kinder mit ihren Großeltern (oder anderen Verwandten) gemeinsam Platt lernen.

Die „Botterbloom“

Als Lehrbuch in diesem Kurs dient die „Botterbloom“ (Butterblume). Der Eschweiler Geschichtsverein hat dieses Werk für Kinder und junge Leute herausgegeben. Streng nach dem Lehrbuch geht es aber überhaupt nicht zu. Im Gegenteil: Das meiste geschieht spielerisch – und macht den Teilnehmern jede Menge Spaß. Wie Greta Rehahn, fünf Jahre alt, und mit Oma Hannelore dabei. Beziehungsweise „et Gretche, dat is et Schwesterche va der Köbes“, wie Kursleiterin Stefanie Bücher die Fünfjährige begrüßt.

Gretas Großmutter spricht fließend Platt und natürlich fände sie es schön, wenn ihre Enkelin das auch könnte. Zumindest ein wenig. „Es ist schon toll, wenn ein paar Wörter hängen bleiben“, sagt Stefanie Bücher. Und das eine oder andere bleibt ganz sicher in den Köpfen. Zum Beispiel beim Spiel „Nanu!“, bei dem Tiere umschrieben werden sollen. Oder bei einem Spiel, bei dem Reimwörter gesucht werden. „Was reimt sich auf „Huus?“ Richtig: „Muus!“ Die Übersetzung: Haus reimt sich auf Maus.

Lange Zeit sei kein Platt-Kurs zustande gekommen, jetzt sind immerhin fünf Kinder mit je einem Erwachsenen dabei, freut sich die Büttenrednerin.

„Et Breijmuhl van Bersch“

Stefanie Bücher ist vor allem den Karnevalisten auch als „Et Breijmuhl van Bersch“ bekannt. Sie ist als Büttenrednerin Teil der Mullejaane, der Vereinigung der Büttenredner, die es sich ebenfalls zum Ziel gesetzt hat, die Mundart zu pflegen, und stellt in ihrem eigenen Freundeskreis fest, dass Platt nicht mehr ganz so angesagt ist. „Viele in meiner Generation können Platt nicht mehr verstehen. Das ist schade, gerade in Eschweiler mit unserem Karneval“, sagt sie. Stefanie Bücher hält ihre Büttenreden ausschließlich op Eischwiele Platt. Schade findet sie, dass einige ihrer Freunde danach vor ihr stehen und sagen: „Ich verstehe das nicht.“

Dass immer weniger Bürger Mundart beherrschen ist nichts Neues, und dieser spezielle VHS-Kurs in Zusammenarbeit mit dem Eschweiler Geschichtsverein ist auch längst nicht die einzige Initiative in der Indestadt, das Platt zu erhalten. In Eschweiler gibt es etwa ein Wörterbuch mit über 11 000 Begriffen. In 27 Jahren hat der Arbeitskreis 3 im Eschweiler Geschichtsverein die Worte zusammengetragen und einem Buch mit über 400 Seiten zusammengefasst. Alle acht Wochen treffen sich die Heimatsprachler in der Gaststätte Lersch. Wie groß das ehrenamtliche Engagement ist, zeigt sich in zahlreichen Heften, CDs, Büchern und Beiträgen.

Auch Mundartabende bietet der Arbeitskreis unter der Leitung von Leo Braun an. Der Mundartkurs mit der VHS ist der jüngste Spross des Arbeitskreises.

Birgit Schumorek tut sich mit Platt ein wenig schwer. Sie ist die Tante des kleinen Tim Stracke, der mit seinen fünf Jahren ebenfalls erste Gehversuche in Eschweiler Mundart unternimmt. So kann Birgit Schumorek zum einen etwas mit ihrem Neffen unternehmen und beide lernen gleichzeitig etwas.

Weitere Teilnehmer willkommen

Es wird aber nicht nur gespielt, sondern auch gesungen. Klar, dass sich Stefanie Bücher und ihre Mitstreiter wünschen, dass in Kindergärten noch mehr Platt gesprochen und gerne auch gesungen wird. In einigen gibt es das, in vielen nicht. Der jetzige Kurs ist der zweite dieser Art. Stefanie Bücher ist bislang zufrieden. Selbstredend sind weitere Teilnehmer gerne gesehen. Wer Interesse hat, Platt zu lernen, zu sprechen oder aufzufrischen – und das mit Enkel, Neffe & Co., der kann sich gerne bei der VHS melden. „Das Platt soll nicht verloren gehen“, ermuntert Stefanie Bücher zur Teilnahme.

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