Eschweiler - Das Ohr: Ein Sinnesorgan, das vielen Probleme bereitet

Das Ohr: Ein Sinnesorgan, das vielen Probleme bereitet

Von: ran
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„Alle mal herhören“: Marion Bergk, Dr. Norbert Böttges, Erich Stier, Matthias Scheffe und Bettina Herlitzius (v. l.) warben in Eschweiler für induktive Höranlagen. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Es ist des Menschen leistungsfähigstes Sinnesorgan, das nicht einmal im Schlaf völlig „abgeschaltet“ wird. Dennoch wird die Bedeutung des Gehörs häufig unterschätzt. Doch Schwerhörigkeit zieht eine starke Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit nach sich und bedeutet somit auch einen großen Verlust an Lebensqualität.

Das Inklusionsamt der Städteregion Aachen unter der Leitung von Bettina Herlitzius sowie die Verantwortlichen des Hörgeschädigten-Zentrums Aachen luden nun unter der Überschrift „Alle mal herhören“ zu einer Informationsveranstaltung in das Eschweiler Rathaus ein, bei der Experten erläuterten, wie induktive Höranlagen schwerhörigen Menschen eine verbesserte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen können.

„Mit 19 Prozent ist nahezu ein Fünftel der Bevölkerung von Schwerhörigkeit betroffen. Das bedeutet, dass in der Städteregion Aachen rund 100000 Menschen unter Schwerhörigkeit leiden. Man kann also mit Fug und Recht von einer Volkskrankheit sprechen“, betonte Marion Bergk vom Hörgeschädigten-Zentrum Aachen zu Beginn der Informationsveranstaltung. Da die Menschen immer älter würden, steige auch die Zahl der Menschen, die an Altersschwerhörigkeit erkrankten. „Das Gehör informiert, alarmiert, aktiviert, sorgt für Orientierung, ist unverzichtbar für die Kommunikation und hat darüber hinaus eine wichtige soziale und emotionale Funktion“, unterstrich die Sozialpädagogin.

Die Folgen von Schwerhörigkeit seien unter anderem Unsicherheit, Zweifel, Misstrauen und Angst. Auch birge Schwerhörigkeit die Gefahr, zwischenmenschliche Beziehungen zu vergiften. „Bei Schwerhörigen steigt die Gefahr der Altersdemenz und laut Studien liegt die Suizidgefahr zehn Prozent höher als bei Menschen, die nicht von Schwerhörigkeit betroffen sind“, erklärte Marion Bergk. „Induktive Höranlagen sind wichtig und nützlich. Sie sind Inklusion pur.“

Mit Dr. Norbert Böttges vom Deutschen Schwerhörigenbund NRW ergriff dann ein von Schwerhörigkeit Betroffener das Wort. „Bei mir gingen die Hörprobleme im Alter von 35 Jahren los und wurden 15 Jahre lang stetig schlimmer. Zuletzt bin ich im beruflichen Bereich nicht mehr zurecht gekommen. Nach dem Tragen von Im-Ohr- und Hinter-Ohr-Geräten habe ich mich dann zu einer Operation entschieden, bei der mir Cochlea-Implantate eingepflanzt wurden“, berichtete der Referent, der allerdings einräumte, dass Hörgeräte den Hörverlust nicht gänzlich ausgleichen können.

Problem liegt in der Akustik

Das Hauptproblem sei dabei häufig nicht die Lautstärke, sondern die Akustik innerhalb eines Raumes. Diplom-Ingenieur Matthias Scheffe erklärte technische Details induktiver Höranlagen und ließ wissen, dass seit fünf Jahren gesetzlich verankert sei, dass in jedem öffentlich zugänglichen Raum mit Beschallungsanlage eine Höranlage für Schwerhörige vorhanden sein muss. „Die Kosten für eine fest installierte Anlage liegen bei rund 2500 bis 3000 Euro“, so der Geschäftsführer eines Ingenieurbüros für Raumakustik und Beschallungstechnik.

Erich Stier von der Initiative „induktiv besser verstehen“, der betonte, selbst vier Generationen von Hörgeräten kennengelernt zu haben, wies darauf hin, dass vor allem im süddeutschen Raum, aber auch im Bereich Köln, das Wissen schwerhöriger Menschen in Sachen induktive Höranlagen wesentlich umfassender sei.

„Auch in der Städteregion Aachen müssen die Schwerhörigen erfahren, dass es induktive Höranlagen gibt und wie einfach der Umgang mit ihnen ist“, so seine Forderung. „Deshalb werben wir dafür“, sagten Bettina Herlitzius und Marion Bergk.

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