Das Kneipensterben geht immer weiter

Von: se
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Eschweiler. 125 Kneipen gibt es in der Indestadt, doch die Zahlen sinken. Rund die Hälfte befindet sich im Stadtkern, die andere Hälfte ist in den Orten angesiedelt. Zum Vergleich: In Stolberg gibt es gerade einmal 49 Kneipen. Kneipensterben ist längst nicht neu.

Marc Lersch und Theo Rinkens sind sich einig, dass das Kneipensterben in der Indestadt in vollem Gange ist. Gründe dafür kennen die beiden Vorsitzenden des Eschweiler Wirtevereins zu genüge. „Vom reinen Thekenbetrieb kann heute keiner mehr leben“, sagt Lersch, der sich noch an andere Zeiten erinnern kann: „Als ich vor 25 Jahren mittags aus der Schule kam, war die Kneipe voll. Das gibt es heute nicht mehr.“ Die Gäste kamen in ihrer Mittagspause nicht unbedingt auf ein kühles Blondes, sondern auf eine Tasse Kaffee, ein Glas Wasser und ein Pläuschchen.

Das bestätigt Kathi Winzen. Sie betreibt mit ihrem Mann Günter die Gaststätte „Zum Hirsch“ in Röhe und weiß: „Als ich fünf Jahre alt war, gab es in Röhe noch 13 Kneipen. Heute sind wir die einzige Gaststätte.“ In anderen Stadtteilen schließen ebenfalls immer wieder Kneipen. Allein von der Wirtschaft leben? Geht nicht! Das Ehepaar vermietet deshalb zusätzlich Zimmer und sichert sich so sein Einkommen. Für die 62-Jährige steht fest: „Die Interessen haben sich geändert. Junge Leute unterhalten sich nicht mehr, sondern wollen unterhalten werden.“

Dass die Zeiten, in denen man sich regelmäßig in der Kneipe traf, mittlerweile vorbei sind, musste auch Franziska Lohren feststellen. Den beliebten Frühschoppen jeden Sonntagmorgen gebe es schon lange nicht mehr. „Die Frauen wollen heute nicht mehr, dass ihre Männer betrunken nach Hause kommen“, sagt sie und fügt hinzu: „Früher sagten die Männer: ‚Schatz, ich ess‘ später.‘ Und wenn sie dann nach Hause kamen, haben ihnen die Frauen das Essen warm gemacht.“

Als Wirt könne man heute nur noch überleben, wenn man ein Konzept habe, meinen Lersch und Rinkens. Das hat auch Patrick Düsel erkannt. Er betreibt die Gaststätte „Zur alten Schmiede“ in St. Jöris und sagt: „Ohne Essen würde es echt eng werden.“ Das Sportheim ist zusätzliche Konkurrenz. Doch nicht nur eine abwechslungsreiche Speisekarte ist für die Gastronomen fast schon ein Muss. Ein Biergarten, Catering, die Übertragung von Sport-Events: Die Möglichkeiten seien zahlreich und immer mehr Wirtsleute versuchen sich mit einem eigenen Konzept von der Konkurrenz abzuheben, so Lersch. „Wo gibt es denn noch richtige Kneipen?“, fragt Rinkens und Lersch ergänzt: „Die urigen Kneipen, die es früher mal gab, gibt es heute kaum noch. Mittlerweile hat jede Kneipe einen Bistro-, Restaurant- oder Lounge-Charakter.“

Doch nicht nur ein Konzept sei wichtig. Die beiden Vorsitzenden des Eschweiler Wirte-vereins sind froh, in ihren Gaststätten regelmäßig Vereine begrüßen zu können. Schließlich kämen auf diese Weise auch öfter größere Feste, wie ein Geburtstag oder eine Hochzeit zustande.

Auch in der Gaststätte von Franziska Lohren wurde viel gefeiert. Kinderkommunionen, Geburtstage, Jubiläen: Die Liste der Feste war lang. Daran erinnern heute nur noch alte Fotos. Vieles habe sich mit dem Bau des Vereinsheimes auf der gegenüberliegenden Straßenseite geändert. „Mein Saal war nicht mehr groß genug und dort konnte man mit mehr Personen feiern. Also sind die Leute dahin gegangen“, erinnert sie sich.

Dass Vereinsheime zu weniger Andrang in den Kneipen führen, bestätigt Rainer Spenke, Geschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga Nordrhein. „Das ist ein großes Problem, weil der Umsatz abwandert“, sagt er. Früher sei man nach dem Training noch in die Kneipe gegangen, das sei heute kaum noch der Fall. Außerdem werden Vereinsheime gerne für Feste genutzt. „Am Anfang sieht es nach der günstigeren Lösung aus, aber unterm Strich ist es nicht viel preiswerter, weil man sich um alles selbst kümmern muss.“

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