Das Indestadion weicht einem Baugebiet

Von: Patrick Nowicki
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Bald rollen große Bagger an: Das Indestadion soll bald einem Baugebiet weichen. Der Nutzungsvertrag mit der ESG endet am 30. Juni. Foto: Essers

Eschweiler. Das Indestadion wird bald Geschichte sein: In den nächsten Monaten wird der Umkleidetrakt abgerissen. Dort plant die Stadt ein modernes Wohnquartier mit verschiedenen Wohnformen. Zur neuen Saison können die Fußballer der ESG zunächst auf dem ehemaligen Platz des SV Nothberg trainieren.

Alternativ schlug der ESG-Vorsitzende Dithard Sobek auch vor, am Sportplatz Patternhof ein Kleinkunstrasenfeld zu bauen. Bürgermeister Rudi Bertram (SPD) macht jedoch unmissverständlich klar, dass dieses Vorhaben finanziell für die Stadt nicht zu stemmen sei.

Kunstrasenplatz als Bonbon

Die ESG steht sinnbildlich für das Dilemma, in dem viele Eschweiler Fußballvereine stecken: Der Nachwuchs fehlt, die Auflagen wachsen, so dass kaum noch ehrenamtliche Trainer und Vorstandsmitglieder zu finden sind. Hinzu kommt die finanzielle Not der Kommune, die wenig Spielraum für Investitionen in Sportstätten lässt. Im vergangenen Jahr zogen der FC Preußen Hastenrath und der SV Nothberg die Konsequenzen und fusionierten. Mit Erfolg, denn seitdem geht es sportlich bergauf. Als Bonbon erhielt der neue Verein Berger Preuß einen Kunstrasenplatz.

Während nach dem kommenden Wochenende die Sommerpause der Amateurkicker ansteht, rollt hinter den Kulissen der Ball. Gesprochen wird über Kooperationen und Fusionen. Manfred Bräuer, 1. Vorsitzender von Fortuna Weisweiler, nennt jedoch die größte Hürde, die bei den Gesprächen zu nehmen ist: „Jeder will fusionieren, aber jeder will auch, dass der andere Verein zu einem kommt.“ Will sagen: Kein Club will seine Spielstätte aufgeben. „Da hat der SV Nothberg einen vorbildlichen Schritt getan, den ich sehr hoch werte“, sagt auch Bürgermeister Rudi Bertram.

Der alte Platz des SVN soll nämlich bald ebenso bebaut werden wie das Indestadion. Der Verkaufserlös macht den Bau des Kunstrasenplatzes in Hastenrath möglich. Schon 1999 wählte die Stadt diesen Weg: in Dürwiß. Die alte Germania-Stätte an der Hans-Böckler-Straße ist inzwischen verschwunden, dort steht eine Wohnsiedlung. Der ehemalige Platz des SCB Laurenzberg soll im Rahmen des Baugebiets „Neue Höfe Dürwiß“ genutzt werden. Etwa zehn Millionen Mark steckte die Stadt in den Bau der Großsportanlage. Der heutige Bürgermeister Rudi Bertram war bei der Entscheidung Leiter des Sportamtes.

Mit den Diskussionen damals verbindet er noch heute zwiespältige Gedanken. Die bevorstehende Kommunalwahl nutzten die beiden Vereine Germania und SCB dazu, ihre Forderungen in die Höhe zu schrauben. Aus dem ursprünglichen Plan, ein Vereinsheim mit drei Plätzen für zwei Vereine zu errichten, wurden schließlich fünf Plätze und zwei Vereinsheime. „Das hat natürlich bei den anderen Vereinen Begehrlichkeiten geweckt“, sagt Bertram heute.

Nach einer sportlichen Hochphase ist der FC Germania Dürwiß in der bitteren Realität – auch dies ist eine Parallele zur ESG – angelangt. Aktuell ist der Verein ohne Vorstand. Die 1. Mannschaft steigt in die Kreisliga A ab. Die Not ermöglicht Schritte, die sich Fußball-Nostalgiker nicht vorstellen wollen. Die verbliebenen Germania-Verantwortlichen nahmen Kontakt zu Rhenania Lohn auf. Zwar sind es zunächst nur lockere Gespräche, aber auch die Rhenania steht vor einem großen Umbruch und einer ungewissen Zukunft. Eine Fusion der Lokalrivalen ist nicht mehr grundsätzlich ausgeschlossen.

ESG mit Rhenania Eschweiler oder FV Eschweiler, St. Jöris mit den Sportfreunden Hehlrath, Fortuna Weisweiler mit FV Eschweiler – es hat immer wieder solche Annäherungen gegeben. Bisher noch ohne klare Ergebnisse. „Es gab vor Jahren mal den Plan, dass der Patternhof Spielstätte und das Waldstadion Trainingsstätte für einen gemeinsamen Verein werden“, berichtet ESG-Kassierer Dieter Ganser. Ob dieser Plan endgültig zu den Akten liegt? Ganser will dies nicht ausschließen. „Der Gedanke ist ja schon vernünftig“, räumt er ein.

Realschule nutzt ESG-Platz

Dass die ESG ein Kleinspielfeld mit Kunstrasen anstrebt, hat gute Gründe. Bei schlechtem Wetter ist der Rasenplatz am Patternhof nicht bespielbar. Auch das Vereinsheim hat die besten Jahre bereits hinter sich. Es muss also Geld investiert werden. Was den Verantwortlichen der ESG in die Karten spielt, ist die Tatsache, dass der Platz auch von der Realschule Patternhof genutzt wird. Damit kann die Stadt das Areal, das städteplanerisch sicherlich interessant ist, nicht vermarkten, ohne den Schulsport einzuschränken.

Am 30. Juni läuft die Nutzungsvereinbarung mit der ESG für das Indestadion laut Bürgermeister Rudi Bertram aus. Dass danach nicht noch einmal der Vertrag verlängert wird, hat auch einen weiteren finanziellen Hintergrund, denn die Unterhaltung der Anlage kostet Geld. Zwischen 30.000 und 40.000 Euro jährlich, rechnet Bertram vor. Möglich, dass sich auch bald an anderer Stelle etwas bewegt:

Für das Weisweiler Stadion liegt ein konkretes Kaufinteresse vor. Helena Stormanns, die unmittelbar neben der Anlage ihren Reitstall betreibt, möchte ihr Areal erweitern. Wie die Profi-Springreiterin bestätigt, sei man seit vier Jahren in Gesprächen mit der Stadt. In Weisweiler finden mehrmals im Jahr hochkarätige Profi-Wettkämpfe statt. Platzbedarf ist also vorhanden, zudem Stormanns immer wieder in Absprache mit der Fortuna Teile des Stadions nutzt.

Zunächst wird jedoch das Inde­stadion aufgegeben.

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