Eschweiler - Das Gymnasium verabschiedet 69 Abiturienten

Das Gymnasium verabschiedet 69 Abiturienten

Von: Andreas Röchter
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Freudestrahlend hinaus in die Welt: 69 nun ehemalige Schülerinnen und Schüler des Städtischen Gymnasiums nahmen am Samstag ihre Abiturzeugnisse entgegen. Foto: Andreas Röchter
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Brachte unter anderem den Song „A time for us“ von Nino Rota zu Gehör: das Instrumentalensemble des Städtischen Gymnasiums. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. Geschafft! Und jetzt nichts wie raus in die Welt! 69 nun ehemalige Schülerinnen und Schüler des Städtischen Gymnasiums erhielten am Samstagvormittag im Rahmen einer würdevollen Entlassfeier in der mehr als vollbesetzten Schulaula ihre Abiturzeugnisse.

Den Anfang hatten die Festlichkeiten bereits wenige Stunden zuvor in der Pfarrkirche St. Peter und Paul genommen, wo Pfarrerin Frauke Meier und Pfarrer Michael Datené gemeinsam mit der Schulgemeinde einen ökumenischen Gottesdienst feierten.

Dabei stellte Frauke Meier ihre Predigt unter die Überschrift „Freiheit und Verantwortung“. Die Abiturienten seien frei, ihren Lebensweg selbst zu wählen. Doch eben diese Freiheit sei anstrengend und stelle eine Herausforderung dar. „Nehmt diese an und orientiert auch am Maßstab Mitmensch. Freiheit ist Beziehung, ist die Freiheit des Anderen“, so die Geistliche, die ihren jungen Zuhörern bescheinigte, über das Rüstzeug zu verfügen, um in Zukunft Verantwortung übernehmen zu können.

Wenig später sprach Schulleiter Winfried Grunewald zu Beginn der Abiturfeier den letztlich entscheidenden Satz des Festtages: „Herzlichen Glückwunsch zum bestandenen Abitur!“, sprach er eine von Herzen kommende Gratulation aus, bevor er in seiner Ansprache einen weiten Bogen schlug. Der aus dem germanischen stammende Begriff „Heimat“ sei ursprünglich ein Neutrum gewesen. „Hämatli – das Heimat – beschrieb ein Wohn- und Aufenthaltsrecht in einem bestimmten Landstrich“, so der Schulleiter.

Aktuell sähen zahlreiche Menschen ihren traditionell verstandenen Heimatbegriff gefährdet. „Natürlich gibt es Traditionen, die gepflegt und gestärkt werden müssen. Aber Traditionen verfügen nicht über einen Selbstzweck. Sie dürfen überprüft werden!“ Der nicht selten verklärte Begriff „Heimat“ befände sich im Wandel. „Momentan kommen Fremde in unsere Heimat, so wie ich aus Westfalen in das Rheinland gekommen bin“, nahm Winfried Grunewald auch Bezug auf die eigene Biographie.

„Und diese Noch-Fremden suchen Schutz und bringen andere Gewohnheiten, Lebenseinstellungen und zum Teil auch eine andere Religion mit. Sie sind aber Teil unserer Heimat“, unterstrich der Pädagoge. Doch gravierende Veränderungen in kurzer Zeit sorgten bei einem Teil der Einheimischen für Verunsicherung und Angst. „Sieben Prozent der Wähler haben bei der NRW-Landtagswahl für eine Partei gestimmt, die ein nationalistisches Heimatgefühl vermittelt“, gab Winfried Grunewald zu bedenken.

Die Vermittlung von Angst, Verachtung und das Hochziehen von Grenzen seien jedoch denkbar schlechte Ratgeber. An deren Stelle müssten gegenseitiger Respekt und Wertschätzung treten. „Bemühen wir uns, ins Gespräch zu kommen. Sprachen zu erlernen dient dem Frieden. Und dieser ist notwendig, um die Heimat zu erhalten“, machte der Redner deutlich, um sich abschließend direkt an die Abiturienten zu wenden. „Auch ihr seid dafür verantwortlich, die Heimat zu gestalten. Das Abiturzeugnis attestiert euch die Reife, eure, aber auch unser aller Zukunft in die Hand zu nehmen!“

In einem kurzen Grußwort hatte Bürgermeister Rudi Bertram zuvor die Abiturienten aufgefordert, sich um das Wohl der Gesellschaft zu kümmern. „Seien Sie weltoffen, gehen Sie auf Menschen zu, lernen Sie unterschiedlichste Kulturen kennen. Gestalten Sie mit und bringen Sie neben Ihrer beruflichen Ausbildung Ihre sozialen Kompetenzen ein“, so der Verwaltungschef.

In die gleiche Kerbe schlug Dr. Erwin Bähr als Vertreter der Goldabiturienten: „Das Leben wird auch für euch den einen oder anderen Zickzack-Kurs bereithalten. Und auch ein blaues Auge gehört manchmal dazu. Wichtig ist, dass ihr euch davon nicht einschüchtern lasst und das Maul aufmacht, wenn es notwendig ist“, so der durchaus rustikale Ratschlag, dem sich Stefan Schmitz als Silberabiturient mit Glückwünschen anschloss.

Thomas Graff äußerte als Vorsitzender der Vereinigung der ehemaligen Schüler und der Freunde des Städtischen Gymnasiums die Hoffnung, dass die Abiturienten nach acht Jahren an dieser Schule über genügend Rückgrat verfügten, um aufrecht durch das Leben schreiten zu können. Gemeinsam mit Winfried Grunewald verlieh er die Preise der Peter-Liesen-Stiftung an die Abiturientinnen Regina Herdt und Maren Paulmann für deren soziales und musikalisches Engagement.

Eine dem Anlass angemessene „Lobrede“ der besonderen Art hielten die beiden Jahrgangsstufenleiter Anke Fries-Ewert und Felix Louis im humorvollen und auch kritischen Dialog. „Abiturreden stehen dem Feiern im Weg“, startete Felix Louis, der seinen ehemaligen Schützlingen bescheinigte, „die bisher größte Leistung eures Lebens“ vollbracht zu haben. Und dies unter schwierigen Bedingungen: „Ich hätte nicht gerne unter diesen Umständen das Abitur abgelegt. Zunächst die Umstellung auf G8, dann die drei dunklen Jahre an dieser Schule und zu guter Letzt auch noch wir“, erklärte der Lehrer selbstironisch.

Gewisse der aktuellen Schülerschaft gegenüber gehegten Vorurteile seien jedoch bestätigt worden. „Stichwort allerletzter Drücker“, bemerkte Anke Fries-Ewert kurz und knapp. Einige Lehrer seien darüber hinaus womöglich nicht erfreut, nicht zum Abiball eingeladen worden zu sein. „Sagen wir dies nicht öffentlich, dann lernt ihr vielleicht nichts daraus. Schließlich sind wir Lehrer“, so die Stufenleiterin, die zuletzt auch im Namen ihres Mitstreiters erklärte, von den Schülerinnen und Schülern ihrer ersten Jahrgangsstufe viel gelernt zu haben. „Wir freuen uns, wenn ihr das Städtische Gymnasium nicht ganz aus den Augen verliert!“, so ihre Hoffnung.

Dann schritt Winfried Grunewald zur Tat, um den 69 Abiturienten ihre Zeugnisse zu überreichen. Zwei Zeugnisse zieren die Note 1,0. 16 Mal steht die Eins vor dem Komma. Musikalisch fand die Entlassfeier ihren Abschluss: Der Schulchor unter der Leitung von Annette Zumbroich, der auch den Gottesdienst musikalisch mitgestaltet hatte, stimmte unterstützt von der Schulband und den Abiturienten den Song „We‘re all in together“ aus dem „High School Musical“ an.

Ebenso überzeugte das Instrumentalensemble unter anderem mit dem „Prélude“ aus dem „Te Deum“ von Marc-Antoine Charpentier. Die Abiturientinnen Merle Hillmann und Maren Paulmann, letztere hatte bereits während des Gottesdienstes am Cello geglänzt, warfen einen gesanglichen Ausblick auf das Goldabitur des Jahres 2067. Bis dahin dürfte das Motto erstmal lauten: Leben!

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