Das Gutenbergviertel und sein Ruf

Von: Tobias Röber
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Der Ruf eilt ihm oft voraus: D
Der Ruf eilt ihm oft voraus: Das Gutenbergviertel wird von vielen Indestädtern negativ gesehen. Zu Unrecht, wie viele Bewohner dort finden. Foto: Tobias Röber

Eschweiler. Christel Marks geht diesen Weg öfters. Raus aus ihrer Wohnung an der Gutenbergstraße, den Hund an der Leine und in Richtung Bolzplatz und Anglerteich. Bei Wind und Wetter ist sie unterwegs.

Es tut sich etwas im Viertel. An der Franz-Rüth-Straße wird etwa die neue Kindertagesstätte gebaut. Und da gibt es auch schon die ersten Anregungen der Anwohner. Irmgard und Horst Speckbrock wohnen an der Steinstraße, und sie engagieren sich im Arbeitskreis West. Dessen Ziel ist die Einbindung der Anwohner. Ein großes Thema ist die Verkehrssituation.

„Hier muss etwas getan werden. Viele Kinder sind hier unterwegs”, sagt Horst Speckbrock und schlägt einen Zebrastreifen an der Franz-Rüth-Straße vor. Auch eine Bordsteinabsenkung für ältere Bürger sei nötig. Stephan Löhmann, Stadtratsmitglied und im Arbeitskreis West aktiv, erklärt, dass die Anfahrt mit dem Bau der Kita geregelt werde.

Wenige Meter weiter ist der Verkehr ebenfalls ein Thema. Die Straße, die zu den Hausnummern Gutenbergstraße 14, 16 und 18 und in Richtung Mühle führt, ist viel befahren. „Hier spielen viele Kinder”, sagt Christel Breuer-Klein. Sie muss es wissen, immerhin „wohne ich ja erst seit 40 Jahren hier”, wie sie mit einem Lächeln erklärt. Es gebe häufig Autos, die mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs seien. Horst Speckbrock hat wieder eine Lösung parat. Einen „Hubbel” als Geschwindigkeitsbegrenzung schlägt er vor.

Auf dieser Seite des Viertels gibt es durchaus den einen oder anderen verärgerten Mieter. Die rechte Seite (wenn man ins Viertel hineinfährt) wird von den Eigentümern ein wenig stiefmütterlich behandelt, wie eine Anwohnerin, die namentlich nicht genannt werden möchte, betont. Die Fenster sind alt und undicht, Wärmedämmung - Fehlanzeige. Häuser und Balkone könnten auch einen neuen Anstrich vertragen. Es gibt aber auch Lichtblicke. In einem Sandkasten wurde der Sand ausgetauscht. Allerdings fehlt die Bank, die dort stand. Die Eigentümer sind verpflichtet, Kleinkinderspielplätze vorzuhalten, also einen Sandkasten und eine Bank. Genug Platz ist dort vorhanden. Es gibt große Wiesen, einige Anwohner haben sich einen gemütlichen Platz mit Pavillon und Grill eingerichtet.

Von dort sind es nur noch wenige Schritte bis zum Bolzplatz und dem Treffpunkt für viele Jugendliche. „Die Tore stehen falsch”, sagt Ugur Uzungelis, der sich mit einigen Jugendlichen unterhalten hat, die dort kicken. Ein Umsetzen sollte aber in diesem Fall wohl machbar sein.

Auf der anderen Straßenseite sieht einiges ganz anders aus. Dort wurde vor kurzem ein neuer Spielplatz eröffnet. Mit Rutsche, Schaukel und weiteren Spielgeräten. Der Eigentümer dieser Blocks hat freiwillig mehr getan. Außerdem wurden einige Häuser wärmegedämmt, die Balkone leuchten in frischen Farben. Aber es heißt ja nicht umsonst: Des einen Freud ist des anderen Leid. Die Kinder haben Spaß an den neuen Geräten. Es gibt jedoch auch Anwohner, die sich nun über den „Lärm” beschweren, den spielende Kinder nun einmal machen. Christel Breuer-Klein schüttelt da nur mit dem Kopf.

Ein paar Probleme mit „mietrechtlichen und ordnungsrechtlichen Angelegenheiten” gibt es laut Stephan Löhmann. „Da müssen wir ins Gespräch kommen”, sagt er. Im Arbeitskreis West gibt es die Möglichkeit, verschiedene Nationalitäten, Alt und Jung an einen Tisch zu bringen.

Ein Dorn im Auge ist den Bewohnern der teils recht große Leerstand. Im Falle der „Belgierwohnungen” ist ein Ende ganz langsam absehbar. Noch bezieht der Eigentümer Miete vom belgischen Staat.

Die Idee, Studenten in das Viertel zu locken, hat nicht funktioniert. Weniger als eine Handvoll wählte Eschweiler als Wohnort. Dabei liegt gerade das Gutenbergviertel verkehrstechnisch günstig. Die Autobahn ist nicht weit, der Hauptbahnhof fußläufig schnell zu erreichen und auch eine Haltestelle der Euregiobahn ist nur wenige Meter entfernt.

Als der Superkauf am Anfang der Gutenbergstraße vor einiger Zeit wegfiel, war das für etliche Bewohner ein Schlag. Nahversorgung spielt eine große Rolle. Mit dem - auch häufig kritisierten - Marktzentrum hat sich die Einkaufssituation für die Bewohner des Viertels verbessert. Und es gibt auch noch den Kiosk, der vielen als Anlaufstelle dient.

Stephan Löhmann fasst die Tour durch das Gutenbergviertel zusammen: „Ich bin zuversichtlich, dass sich das Klima hier verändert. Es ist einiges in Bewegung. Die Kindertagesstätte an der Franz-Rüth-Straße ist eine Investition in die nächsten Jahrzehnte. Wir dürfen das Viertel vor allem nicht zerreden.”

Mit den Speckbrocks, Christel Beuer-Klein, Ugur Uzungelis, Christel Marks und auch vielen weiteren Anwohnern liegt er damit genau auf einer Wellenlänge.
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