Das große Vermächtnis der Eischwiele Fastelovend

Von: Patrick Nowicki
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Der Vater des Museums: Mit der
Der Vater des Museums: Mit der privaten Sammlung von Jakob Bündgen fing in den 80er Jahren alles an. Inzwischen befinden sich 2800 Eschweiler Orden im Karnevalsmuseum. Foto: Patrick Nowicki

Eschweiler. Ein wenig mitgenommen wirkt es schon, das prinzliche Ornat. Die Spitze an den Armen schimmern gelblich-braun, der Stoff schlägt Wellen.

Dennoch handelt es sich um in seltenes, ja wertvolles Kostüm: Schließlich trug es der verstorbene Ehrenpräsident des Eschweiler Karnevalskomitees, Jupp Carduck, vor 58 Jahren. Damals regierte er als Prinz Jupp IV. über die närrische Inde­stadt. Damit dieses Ereignis nicht in Vergessenheit gerät, ziert das Gewand das Karnevalsmuseum in Dürwiß.

Dort, in der Hausmeisterwohnung der ehemaligen Waffelfabrik befindet sich inzwischen der karnevalistische Nachlass Eschweilers. 14 Prinzenkostüme - das von Jupp Carduck ist das älteste -, 2800 indestädtische Orden, ungezählte Sticker, Plakate, Festschriften, über 30.000 Bilder und Urkunden.

Im Sommer des vergangenen Jahres wurden die neuen Räume des Karnevalsmuseums ihrer Bestimmung übergeben, aber erst im Dezember war der Umbau endgültig abgeschlossen. Fast fünf Jahre hat er gedauert, und Jakob Bündgen ist froh, dass es endlich geschafft ist. „Hier stecken hunderte Stunden ehrenamtlicher Arbeit drin”, sagt er stolz und erleichtert zugleich. Denn jeder Nagel, jede Schraube wurde von den Helfern und Mitgliedern des Fördervereins des Karnevalsmuseums Eschweiler angebracht. Bündgen ist dessen 2. Vorsitzender.

Doch seine Funktion ist wesentlich bedeutender, denn er legte mit seiner Sammelleidenschaft den Grundstein für das in der Region einzigartige Museum. Zunächst machte er Jagd auf karnevalistische Auszeichnungen aller Art, später beschränkte er sich auf Stücke aus Eschweiler, Stolberg und des Bundes Deutscher Karneval. „Man muss Schwerpunkte setzen, ansonsten verliert man die Übersicht”, so Bündgen. Inzwischen schicken ihm Vereine automatisch jedes Jahr die Orden. So war die eigene Wohnung schnell zu klein geworden, im Jahr 1996 ging die Sammlung in den Dürwisser Drimbornshof, unmittelbar neben dem Heimat- und Handwerksmuseum. Die Familie war zu diesem Zeitpunkt schon lange eingebunden, Gattin Renate übernimmt bis heute die elektronische Erfassung aller Gegenstände.

Förderverein seit 2007

Auch im Drimbornshof wurde es zu eng, zudem forderte dieses Hobby immer mehr seinen Tribut. Kurzum: Die Familie Bündgen konnte die Aufgabe nicht mehr alleine stemmen und suchte sich Mitstreiter. Mit der Gründung des Fördervereins des Karnevalsmuseums erhielt das Projekt am 15. März 2007 einen offiziellen Charakter. Seitdem ist Hans Houck, ehemaliger Präsident der KG Ulk Oberröthgen, Vorsitzender.

Inzwischen ist Bündgens private Sammlung vollständig in den Besitz des Fördervereins übergegangen, „auch wenn noch kein Überlassungsvertrag unterzeichnet wurde.” Täglich kommen neue Dinge hinzu. Was nicht in den schicken Ausstellungsräumen untergebracht werden kann, wird säuberlich archiviert und im Keller verstaut. Fehlende Orden werden ertauscht. Verkauft wird nichts. „Was man geschenkt bekommt, darf man nicht zu Geld machen. Das ist unseriös”, betont er. Dass manche Menschen ihre Orden im Internet anbieten, quittiert er mit einem Kopfschütteln.

Prominente Unterstützer

Viele prominente Fastelovendsjecke haben ihr närrisches Vermächtnis dem Museumsverein vermacht. Manche nach ihrem Tod. Jupp Carducks Sammlung dürfte die umfangreichste und seltenste sein. Seine Ehrenzeichen füllen eine ganze Vitrine. Es sind jedoch lediglich die wichtigsten, die ihm in seinem langen Leben verliehen wurden. Gregor Trasser, Günther Wagner, Max Vankuch, Jupp Sieberichs und viele mehr reihen sich ebenfalls in die Schar derer ein, die das Museum bedachten.

Auf dem Treppenabgang gibt es ein Wiedersehen mit Etagenjupp, mit Jupp Schmitz, dem verstorbenen Büttenredner und Eschweiler Original. Im Keller befinden sich dann Orden, Kostüme, Zinnsoldaten, Uniformen, Hüte - einfach alles, was die Eischwiele Fastelovend ausmacht. Selbstverständlich säuberlich nach Vereinen sortiert. Dort entdeckt man seltene Originale, selbst das Kostüm des „Jüppche vam Jraav”, in dem Franz-Josef Dittrich als Narrenbrunnen in die Bütt gegangen ist.

Es würde ganze Bände füllen, die neuen Räume und alles das, was sich darin befindet, zu beschreiben. Ein Besuch lohnt sich in jedem Fall. Und manchmal kommt die Ausstellung auch zu den Menschen: wenn zum Beispiel ein Verein sein Jubiläum feiert und seine Geschichte präsentieren möchte. „Dann helfen wir mit und stellen viele Dinge zur Verfügung”, berichtet Bündgen. Dies führte dazu, dass heute fast alle Eschweiler Karnevalsvereine Mitglied des Museumsvereins sind. Um Orden betteln, was für Bündgen jahrelang üblich war, muss er nicht mehr.

Das Karnevalsmuseum Eschweiler befindet sich in der Lürkener Str. 15 in Dürwiß. An jedem 1. und 3. Samstag im Monat ist es von 14 bis 17 Uhr (außer in der Karnevalszeit) geöffnet.

Führungen bietet Jakob Bündgen an. Infos: Telefon 26529.

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