Das Grauen hat längst kein Ende gefunden

Von: ran
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Gedenken am Ehrenmal im Stadtgarten: Dort wurden zu Ehren der Opfer von Gewaltherrschaft drei Kränze niedergelegt. Foto: Andreas Röchter

Eschweiler. „Ein Mensch ist erst dann wirklich tot, wenn niemand mehr an ihn denkt.” Mit einem Zitat von Berthold Brecht begann Klaus Bäumel seine Rede anlässlich der zentralen Gedenkfeier zum Volkstrauertag, die am Samstag im Rathaus stattfand.

Zahlreiche Gäste waren der Einladung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge, Ortsverband Eschweiler, gefolgt und nahmen auch gemeinsam mit dem Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr Eschweiler, der St. Sebastianus-Schützenbruderschaft Stadtmitte und Vertretern der Bundeswehr am anschließenden Schweigemarsch zum Ehrenmal im Stadtgarten teil, wo drei Kränze niedergelegt wurden.

„Am Volkstrauertag gedenken wir aller Opfer von Gewaltherrschaft”, hatte zuvor Bürgermeister Rudi Bertram die Teilnehmer der Gedenkstunde begrüßt. „Viele Menschen mussten in den beiden Weltkriegen ihr Leben lassen, wurden Opfer von Vertreibung. Dies soll niemals mehr geschehen”, mahnte der Verwaltungschef.

„Doch auch heute sterben täglich Menschen im Krieg. Für mich ist es nicht nachvollziehbar, dass es keine anderen Lösungen geben soll. Menschen in Kriege zu schicken, ist Unsinn. Um dies deutlich zu machen, ist der Erhalt des Volkstrauertages wichtig”, erklärte Rudi Bertram.

Klaus Bäumel warf in seiner Gedenkrede zunächst einen Blick zurück in die Vergangenheit. „Der Volkstrauertag wurde in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts als Zeichen der Solidarität mit den Hinterbliebenen der Gefallenen des 1. Weltkriegs ins Leben gerufen”, machte er deutlich. Heute sei er zentraler Bestandpunkt unserer Erinnerung.

„Die Toten sind im kollektiven Gedächtnis der Bevölkerung. Wir dürfen die Hinterbliebenen nicht alleine lassen”, so sein Appell. Sehr persönlich wurde Klaus Bäumel, als er an Erlebnisse seiner frühen Kindheit zurückdachte: Seine Großmutter erhielt nämlich während des 2. Weltkriegs dreimal die Nachricht, dass ein Sohn „für Volk und Vaterland” gefallen sei. „Niemals werde ich die Tapferkeit, mit der sie diese Nachrichten aufnahm, vergessen”, betonte der ehemalige Bundeswehrsoldat.

Ursachen erforschen

Doch der Volkstrauertag bedeute nicht nur Vergangenheitsbewältigung, sondern erteile den Auftrag zum friedlichen Zusammenleben. „Wir in Europa haben dies verstanden. Es ist eine großartige zivilisatorische Leistung, dass Kriege zwischen Staaten der Europäischen Union undenkbar sind”, lobte Klaus Bäumel.

Allerdings sei außerhalb Europas Frieden keine Selbstverständlichkeit. „Deshalb muss auch Deutschland Verantwortung übernehmen”, forderte der Gedenkredner und erinnerte an die inzwischen 72 bei Auslandseinsätzen der Bundeswehr gefallenen Soldaten. Das Wort „Gefallene” sei in diesem Zusammenhang keine Militarisierung der Sprache, sondern gebe lediglich die Realität wieder.

„In unserer Trauer spüren wir, wie wir mit den Toten verbunden sind. Fragen wir uns nicht nach den Ursachen von Kriegen, werden wir mit uns selbst nicht ins Reine kommen”, unterstrich Klaus Bäumel abschließend noch einmal die Bedeutung des Volkstrauertages.

Musikalisch begleitet wurde die Gedenkstunde von Sarah Ziemons (Querflöte) und Nicola Kaußen (Violoncello), Schülerinnen der Liebfrauenschule, sowie ihrem Lehrer Bert Schopen (Cembalo). Das Trio trug „Grave” von Georg Friedrich Händel sowie „Air” von Johann Sebastian Bach vor.
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