Das Fußballspielen in Dürwiß gelernt und später Deutscher Meister

Von: Hubert Meisen
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Franz Krauthausen feiert die Meisterschaft 1973: hintere Reihe von links: Franz Beckenbauer, Georg Schwarzenbeck, Franz Roth, Wilhelm Hoffmann, Gerd Müller, Uli Hoeneß, Trainer Udo Lattek; vorn: Franz Krauthausen, Edgar Schneider, Rainer Zobel, Johnny Hansen, Torwart Sepp Maier und Paul Breitner. Foto: Imago/Sven Simon
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Heimatverbunden: Franz Krauthausen beim Klassentreffen 1985 des Entlassjahrgangs 1961 der Volksschule Dürwiß. Foto: privat
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Franz Krauthausen besichtigt mit Uli Hoeneß, Udo Lattek und Sepp Maier (von rechts) das neue Olympiagelände. Foto: Imago/WEREK
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Früh im Einsatz: Franz Krauthausen als Achtjähriger im Trikot des FC Germania Dürwiß. Foto: privat
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Immer noch im Einsatz: Autogrammstunde 2009 bei RWO. Foto: Imago/Christoph Reichwein

Eschweiler. Franz Krauthausen war einer der talentiertesten Fußballer, die diese Region jemals hatte. Für vier Vereine hat er in der Bundesliga gespielt. Zweimal wurde er Deutscher Meister. Es lohnt sich wirklich, einen Rückblick auf sein Fußballerleben zu halten.

Er wurde am 27. Februar 1946 in Oberhausen-Altstaden geboren. Seine gesamte Kindheit verbrachte er aber in der damals noch eigenständigen Gemeinde Dürwiß. Dort besuchte er die Volksschule. Mit acht Jahren begann er Fußball zu spielen und schloss sich dem FC Germania 07 Dürwiß an. Dieser Schritt war der vielleicht bedeutendste seines Lebens.

Bis zu seinem 15. Lebensjahr durchlief Franz Krauthausen sämtliche Jugendklassen im rot-weißen Dress der Germania. Er wohnte in der Gasthausstraße in nahezu direkter Nachbarschaft eines damals schon sehr bekannten Fußballers. Heinz (genannt „Aka“) Willms begann zu dieser Zeit seine Karriere bei Alemannia Aachen. Er war von Beruf Landwirt und übte diesen auch während seiner Fußballzeit bei der Alemannia aus. Zum Bauernhof gehörte auch eine Scheune.

Diese wurde teilweise als kleine Fußballhalle „zweckentfremdet“. Franz Krauthausen erinnert sich, dass dort ein Netz gespannt war, mit dessen Hilfe Fußballtennis zur Verbesserung der Balltechnik gespielt werden konnte. Sogar ein Kopfballpendel befand sich dort. Krauthausen bezeichnet „Aka“ Willms als seinen ersten Förderer in Sachen Fußball.

Die Jugendmannschaften der Germania waren seinerzeit sehr erfolgreich. Es kam vor, dass sie in einer Saison über 100 Tore erzielten. Dass er relativ lange in Dürwiß blieb, lag auch an seinen guten Mitspielern. Fragt man ihn nach so vielen Jahren nach Namen, dann fallen ihm spontan Spieler wie Günter Kappes und Wolfgang Gehlen ein.

Erste Station: Jülich 10

1961 wechselte er zum SC Jülich 1910, der schon zu dieser Zeit für seine hervorragende Jugendarbeit bekannt war. Er blieb dort bis 1965, spielte also auch die erste Saison nach der A-Jugend in der 1. Mannschaft von Jülich. Sein größter Erfolg in Jülich war das Erreichen des Finales im Juli 1962 um die Mittelrheinmeisterschaft der A-Jugend gegen den 1. FC Köln, das 0:1 verloren wurde.

Die Stärken des Franz Krauthausen blieben den höherklassigen Vereinen nicht verborgen. Seine Tugenden waren eine ausgezeichnete Balltechnik, sein Blick für seine Mitspieler mit entsprechenden Fähigkeiten im Passspiel, sein guter Antritt und nicht zuletzt seine Schusskraft und Präzision beim Torschuss. Seine vielseitige Verwendbarkeit, sogar als Torwart, kam ihm stets zugute. Am wohlsten fühlte er sich im offensiven Mittelfeld. Aber auch als Außenstürmer konnte er glänzen.

Mit 20 Jahren wagte er den großen Schritt in die Bundesliga. Er wechselte von Jülich zum 1. FC Köln. Bereits am 2. Spieltag der Saison 1965/66 bestritt er sein erstes Bundesligaspiel. Im Auswärtsspiel beim 1. FC Kaiserslautern erzielte er gleich sein erstes Bundesligator zur 2:1-Führung. Das Spiel gewann Kaiserslautern dann aber mit 3:2. In dieser Saison kam er in elf Meisterschaftsspielen zum Einsatz und schoss vier Tore. Auch zwei Einsätze im Europapokal waren ihm vergönnt.

Das bemerkenswerteste Spiel war vielleicht das bei Schalke 04. Es endete 0:0 dank einer außergewöhnlichen Leistung von Franz Krauthausen. Der musste nämlich vom Feldspieler zum Torwart umfunktioniert werden. Damals durfte man noch keine Spieler auswechseln, auch nicht bei Verletzungen. Der Kölner Torwart Fritz Ewert hatte sich in der 1. Halbzeit so stark verletzt, dass der Arzt ihn in der Halbzeitpause aus dem Spiel nahm. Die Kölner erinnerten sich, dass Krauthausen zwei Jahre vorher für Jülich im Mittelrhein-Finale der A-Jugend gegen Köln aus dem gleichen Grund im Tor spielen musste.

Also übertrug man ihm diese Verantwortung auch in Schalke. Wie das Ergebnis schon sagt, hielt er seinen „Kasten sauber“ und glänzte dabei mit zahlreichen Glanzparaden, dass es den Zuschauern die Sprache verschlug. Augenzwinkernd sagt Krauthausen heute, dass er der einzige Bundesligatorwart sei, der nie ein Tor kassiert hat. Der große Konkurrenzkampf um einen Stammplatz mit gestandenen Spielern wie beispielsweise Toni Regh und Neuverpflichtungen des Vereins wie Heinz Flohe und Jürgen Jendrossek führten aber am Saisonende dazu, dass er den Verein schon nach einem Jahr wieder verließ und zu Rot-Weiß Oberhausen in die Regionalliga West wechselte.

Dort blühte er richtig auf und wurde in kürzester Zeit der absolute Publikumsliebling. Nach drei Jahren Zweitklassigkeit schlug dann in der Saison 1868/69 die große Stunde des Vereins. Schon während der Regionalligasaison im Heimspiel gegen Rot-Weiß Essen geschah etwas, über das man heute noch in Oberhausen spricht. Beim Stande von 0:1 wurde Krauthausen verletzt auf einer Trage vom Platz getragen. In diesem Moment gab es Elfmeter für RW Essen. Als Torwart Scheid diesen Strafstoß von „Ente“ Lippens hielt, sprang Krauthausen sofort von der Trage, stürmte zurück auf das Spielfeld und hämmerte kurz danach den Ball zum 1:1 ins Netz.

Die Essener monierten einen Regelverstoß, weil Krauthausen sich nicht vorschriftsmäßig beim Schiedsrichter zurückgemeldet haben soll. Aber in der Hektik des Geschehens wurde darüber nicht mehr gesprochen. Am Ende der Saison kam für RW Oberhausen der bedeutendste Erfolg in der Vereinsgeschichte. Der Aufstieg in die Bundesliga! Auch die Aufstiegsrunde war an Spannung nicht zu überbieten. Am 25. Juni 1969, dem letzten Spieltag, hatte RWO ein Heimspiel gegen den Freiburger FC.

Beide lagen punktgleich an der Spitze, nur einen Punkt vor dem SV Alsenborn. Schließlich reichte ein 0:0 in diesem Krimi für Oberhausen zum Aufstieg aufgrund einer besseren Tordifferenz von nur zwei Toren. Vier Jahre hielt sich RWO in der Bundesliga. Die beste Platzierung war im ersten Jahr der 14. Platz. Im vierten Jahr war Franz Krauthausen nicht mehr dabei. Aus rein finanziellen Gründen wechselte er zum FC Bayern München. Heute sagt er, dass seine Zeit in Oberhausen die schönste als Fußballer war. Aber RWO zahlte im Vergleich zu den anderen Clubs zu geringe Gehälter.

Erfolge in München

Wenn die Zeit bei RWO die schönste war, dann war aber die Zeit bei den Bayern die mit Abstand erfolgreichste. In beiden Jahren war er Stammspieler in einer Mannschaft, in der es von Stars nur so wimmelte. Meistens als Außenstürmer eingesetzt, war er im ersten Jahr in 29 Spielen dabei und schoss fünf Tore. Im ersten Meisterschaftsspiel im Bayern-Dress am 14. August 1971 schoss er im Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf in der ersten Halbzeit das Tor zum 1:1; das Endergebnis war 3:1 für die Bayern. Am Ende der Spielzeit wurden die Bayern Deutscher Meister, übrigens erstmals im neuen Olympiastadion, kurz vor den Olympischen Spielen 1972.

Das vielleicht denkwürdigste Spiel in dieser Saison war wohl beim Viertelfinale im DFB-Pokal am 12. April 1972 in Köln. Damals wurden die Pokalspiele noch mit Hin- und Rückspielen ausgetragen. Im Hinspiel in München gewannen die Bayern 3:0. Das Rückspiel wurde in der Presse als „Die Schlacht von Köln“ bezeichnet. Der 1. FC Köln gewann sensationell 5:1. Noch heute kann Franz Krauthausen nicht verstehen, was für ein Teufel die Spieler des FC damals „geritten“ hat. Seiner Meinung nach gingen sie von Anfang an mit brutaler Härte zu Werke. Bayern-Stürmer Sühnholz erlitt einen Beinbruch.

Ersatztorwart Seifert musste mit Brustkorb-Verletzungen ausgewechselt werden. Nach Spielschluss lief der Kölner Heinz Flohe quer über den Platz und warf Franz Krauthausen vor, er habe ihn absichtlich verletzen wollen. Als dieser ihm antwortete „Was willst Du eigentlich? Ihr habt doch gewonnen!“, schlug Flohe voll zu, so dass Krauthausen Zähne verlor, wie er berichtet. Krauthausen meint heute, wenn er damals die Sache hochgespielt hätte, dann wäre Flohe für die WM 1974 nicht berücksichtigt worden.

In der darauffolgenden Saison wurde der FC Bayern erneut Deutscher Meister. Schon wieder war Krauthausen in 29 Spielen dabei und erzielte vier Tore. Sein letztes Spiel für die Bayern am 9. Juni 1973 endete 1:1 gegen den 1. FC Köln. Ein letztes Mal war er bei der Ehrenrunde mit der Meisterschale im Olympiastadion dabei. In beiden Jahren erlebte er auch aktiv Europapokalspiele. Im Europokal der Pokalsieger 1971/72 machte er sechs Spiele und schoss ein Tor. 1972/73 im Europapokal der Landesmeister war er bei vier Spielen dabei. Die prominentesten Gegner waren FC Liverpool, Glasgow Rangers, Galatasaray Istanbul und Ajax Amsterdam.

Seinen anschließenden Wechsel zum FC Schalke 04 bezeichnet er heute selbst als den größten Fehler seiner Laufbahn. In den beiden Jahren von 1973 bis 1975 kam er nur auf sechs Einsätze bei den Königsblauen. Als Dauerverletzter zog er sich nach seinem letzten Spiel am 14. Mai 1975 aus der Bundesliga zurück. Als Hauptschuldigen für den negativen Verlauf hat er den damaligen Trainer, den Jugoslawen Ivica Horvath, ausgemacht.

Sein Vorwurf: Statt ihn zu schonen und ihm Zeit zur Genesung zu gönnen, verordnete er ihm Straftraining. Und überhaupt war Schalke wohl von falschen Vorstellungen bei seiner Verpflichtung ausgegangen. Die suchten damals einen Nachfolger für Klaus Fischer, der in den großen Bundesliga-Skandal verstrickt war. Aber Franz Krauthausen war kein Mittelstürmer. Schon seine zu geringe Körpergröße sprach dagegen. So wechselte er für kurze Zeit zum Amateurverein Sterkrade 06/07.

Dann zum Abschluss seiner Karriere als aktiver Fußballer folgte sein größtes Abenteuer. Spielerberater gab es damals noch nicht. Vereinswechsel mussten die Spieler also selbst organisieren. Da kam es Franz Krauthausen gerade recht, dass ihn sein ehemaliger Mitspieler aus Bayern-Zeiten, Wolfgang Sühnholz, kontaktierte. Der hatte Erfahrungen mit Fußball in den USA gesammelt und fragte, ob er auch Lust dazu hätte. So kam es, dass Krauthausen ohne Englisch-Kenntnisse den „Sprung“ über den großen Teich wagte.

Damals war der Fußball in den USA noch nicht so gut organisiert wie heute. Die Clubs gehörten mehr oder weniger reichen Privatleuten, die bei Beendigung ihres Engagements den ganzen Club einschließlich Spieler verkauften. Das bekam auch Franz Krauthausen zu spüren. Nach einem Jahr 1977 in Las Vegas bei den Quicksilvers musste er zu den San Diego Soccers wechseln. Zwischendurch war es 1977 sogar noch möglich, dass er trotz des Vertrages in den USA zeitweise beim FC Volendam in den Niederlanden spielte. Das lag an der relativ kurzen Saison in den USA. Auch Houston in Texas war eine Station. Das amerikanische Abenteuer endete 1983.

Trainer in der Schweiz

Nach Beendigung seiner aktiven Spielerlaufbahn arbeitete er als Trainer, vorwiegend in der Schweiz in verschiedenen Leistungsklassen. Befragt, weshalb es bei seinen guten Leistungen nie für die Nationalmannschaft gereicht habe, hat er eine interessante Erklärung. Während seiner Zweitligazeit in Oberhausen hatte er mal eine Einladung des DFB zu einem Lehrgang in Duisburg-Wedau erhalten. Er war damals der einzige Zweitligaspieler, dem diese Ehre zuteil wurde.

Das hatte allerdings den Nachteil, dass er am Tag vor dem an einem Montag beginnenden Lehrgang noch ein Meisterschaftsspiel gegen den VfR Neuss zu bestreiten hatte. Ausgerechnet in diesem Spiel wurde er nach einer Grätsche – seiner Meinung nach ein „Allerweltsfoul“ – vom Platz gestellt. Als er am nächsten Tag zum DFB-Lehrgang erschien, empfing ihn der damalige Assistent von Bundestrainer Helmut Schön, Karl-Heinz Heddergott, mit dem Hinweis, dass er wieder nach Hause fahren könne. Herr Schön würde grundsätzlich keine Spieler an Lehrgängen teilnehmen lassen, die vom Platz geflogen seien. Danach hat er nie mehr etwas vom DFB gehört, auch nicht zu seinen erfolgreichen Zeiten beim FC Bayern München…

Grüße nach Dürwiß

Heute lebt Franz Krauthausen im beschaulichen badischen Städtchen Schliengen, im Drei-Länder-Eck Deutschland/Schweiz/Frankreich in der Nähe von Basel und Freiburg gelegen, seit über 30 Jahren mit seiner Lebensgefährtin. Aus seiner ersten Ehe hat er eine Tochter. Er freut sich über zwei Enkel. Als Rentner erfreut er sich mit seinen 71 Jahren des Lebens und hält sich mit Radfahren und den regelmäßigen Besuch in einem Fitnesscenter fit.

Am Fußball ist er noch immer sehr interessiert. Neidgefühle gegenüber den heutigen Spitzenfußballern mit ihren Traumgehältern sind ihm fremd. Sein kurzer Kommentar dazu lautet: „Jede Zeit ist so wie sie ist.“ Talent als Sportler betrachtet er als eine Gabe Gottes. Deswegen ist er auch dankbar, dass er mit dieser Gabe gesegnet war und dass er dadurch ein bewegtes, aber auch interessantes Leben führen konnte. Bei der Verabschiedung nach dem langen Gespräch bat er ausdrücklich darum, allen ehemaligen Freunden und Bekannten in Dürwiß viele Grüße auszurichten!

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