Das Freiwillige Soziale Jahr als Karrieresprungbrett

Von: Vivien Nogaj
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Dennis Recker arbeitet aktuell im Caritas-Werk in Imgenbroich. Er pflegt im heilpädagogischen Arbeitsbereich Menschen mit Behinderung. Die Hebehilfe (links im Bild) ermöglicht das einfachere Tragen und Heben der Behinderten. Angefangen hat Recker damals als FSJ‘ler in Eschweiler. Foto: Vivien Nogaj
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David Göser (Mitte) mit den aktuellen FSJ‘lern Xinh Pham Minh (vorne links) Milosz Pendel (hinten links) Kim Peters (vorne rechts) und Dennis Recker (hinten rechts).
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FSJ‘lerin Kim Peters (links) unterstützt Petra Lövenich (rechts) bei der Arbeit.

Eschweiler. Dennis Recker arbeitet seit fünf Jahren bei der Caritas Betriebswerkstätten GmbH (CBW). Der 29-Jährige betreut und pflegt Menschen mit schwerer Behinderung. Angefangen hat er im Jahr 2011 –mit einem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ). Das ist für ihn zum Karrieresprungbrett geworden. Auch aktuell suchen viele Einrichtungen in Eschweiler noch junge engagierte Menschen.

Wenn Dennis Recker über seine Arbeit spricht, strahlt er. Das war nicht immer so. Nach der Schule absolviert er eine Ausbildung zum Elektroniker, aber merkt schnell, dass er lieber „etwas Soziales“ machen will. Recker bewirbt sich um einen Studienplatz für Soziale Arbeit – und kommt auf die Warteliste. „Da habe ich mir überlegt, ein FSJ zu leisten. Ich wollte nicht sinnlos zu Hause rumsitzen.“ Recker bewirbt sich bei der CBW und bekommt die Zusage.

Zahl der Freiwilligen geht zurück

Wie ihm geht es vielen Jugendlichen in Deutschland: Das FSJ bietet eine Chance, sich beruflich zu orientieren oder die Wartesemester sinnvoll zu gestalten. Nebenbei verdienen die Jugendlichen ein wenig Geld. Trotzdem beklagt David Göser, Personalleiter der CBW Eschweiler, den Rückgang der jungen Helfer. „Seitdem der Zivildienst weggefallen ist, haben wir weniger Unterstützung.“

Göser wünscht sich mehr FSJ‘ler in seinem Unternehmen: „Aktuell haben wir zehn Freiwillige, früher waren es noch 15 pro Jahrgang. Der Unterschied macht sich deutlich bemerkbar.“

Junge Helfer als Ergänzung

Die FSJ‘ler seien eine wichtige Ergänzung zu den übrigen Beschäftigten, weil sie frischen Wind in den Alltag der Behinderten bringen würden. „Die jungen Menschen kümmern sich nicht nur um die Beeinträchtigten, sie hören ihnen in erster Linie zu und unterhalten sie“, sagt Göser. „Eine FSJ‘lerin hat zum Beispiel ihre Gitarre mitgebracht und für die Bewohner gespielt. Das ist natürlich eine tolle Aktion, für die den Festangestellten keine Zeit bleibt“.

Auch Recker erinnert sich gerne an die Zeit als FSJ‘ler zurück. „Das Verhältnis zu Beschäftigten und Bewohnern war sehr familiär. Mir wurde viel Vertrauen entgegengebracht.“ Mittlerweile ist Recker in Imgenbroich eingesetzt und pflegt Schwerbehinderte. „Klar gibt es auch Tage, an denen die Akkus leer sind, aber ich freue mich jeden Tag auf die Arbeit. Mich erwartet immer etwas Neues“, sagt er. Was das Besondere an seinem Job sei? „Dass die Menschen so gnadenlos ehrlich sind. Wenn sie dich nicht mögen, lassen sie es dich auch spüren.“

Hospitanz ist Voraussetzung

Daher sei wichtig, dass jeder, der an einem FSJ bei der Caritas interessiert ist, vorher hospitiert. „Schließlich muss es auch passen“, sagt Göser. „Nicht jeder Freiwillige ist für die Arbeit mit Behinderten gemacht. Ich muss den Helfer auch guten Gewissens auf die Behinderten loslassen können.“ Dann dürften sie aber mit anpacken, wo sie wollten.

Kim Peters, aktuelle FSJ‘lerin bei der Caritas Eschweiler, hat damit kein Problem. „Ich gehe auch alleine mit den Beeinträchtigten in die Pflege.“ Das heißt konkret: Behinderte zu den Toilettengängen begleiten oder je nach Grad der Beeinträchtigung Windeln wechseln. Es gebe auch FSJ‘ler, die sich in der Pflege nicht wohl fühlten. „Dann müssen sie das auch nicht machen“, sagt Peters. „Gezwungen wird hier keiner. Für mich gehört das aber dazu.“

In einem Monat geht ihr FSJ zu Ende. Was sie danach machen will? „Heilerziehungspflegerin werden“. Das FSJ hat ihren Berufswunsch bestärkt. So wie bei Daniel Reckers damals.

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