Das Erbe der jecken Malergesellen

Von: fe
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Freude über eine schöne Auss
Freude über eine schöne Ausstellung und eine gelungene Eröffnung: von links Narrengarde-Präsident Patrick Nowicki, Vorsitzender Helmut Gühsgen, die Leiterin der Sparkasse in Dürwiß Renate Jansen und Narrengarde-Geschäftsführer Otto Maassen. Foto: Ebbecke-Bückendorf

Eschweiler. Bei der „Dürwisser Nationalhymne”, dem Gardemarsch der Narrengarde Dürwiß, sangen alle mit: „Mir sent die Dörwisse Jonge Alaaf”. Gedrängt voll stand die Schalterhalle der Sparkassengeschäftsstelle Dürwiß, in der am Freitag eine Ausstellung zum 75-jährigen Bestehen der Karnevalsgesellschaft Narrengarde eröffnet wurde.

„Drei Malergesellen legten 1937 den Grundstein für die Narrengarde Dürwiß: Heinrich Linnartz, Servatius Meisen und Matthias Clermont” erzählte Hausherrin Renate Jansen, die Leiterin der Sparkassengeschäftsstelle Dürwiß, als sie die vielen Besucher begrüßte. Einer dieser Gründer, Heinrich Linnartz genannt „Hein Bein”, hat den Gardemarsch (und noch viele weitere Karnevalslieder) geschrieben.

Das Dornweiß-Mixtett, an der Spitze der Ehrenkorpsführer des Trompetenkorps „Die Kaafsäck”, Quirin Schleipen, spielte zur Eröffnung der Ausstellung mehrere dieser Lieder - eine Reverenz an den Gründer, ein Ausflug zurück in die Historie und ein Zeichen dafür, dass die Geschichte der Karnevalsgesellschaft lebendig gehalten wird und die Gegenwart inspiriert. Humorvolle und ernste Blicke in die Geschichte der Gesellschaft warf Simon Küpper in seiner Laudatio.

Der Vorsitzende des Eschweiler Geschichtsvereins, selber Dürwisser und Mitglied der Narrengarde, erinnerte an die Zeit der Gründung kurz vor dem 2. Weltkrieg: „Es war damals schon eine gewagte Sache, einen Verein zu gründen, der nicht den Führerkult, sondern Frohsinn verbreiten wollte”. Küpper berichtete von führungskräftigen Präsidenten ebenso wie von „starken Frauen wie die Präsidentengattin Grete Flamm, die kurz nach dem Krieg mit den Fahrrad nach Köln fuhr, um dort Seem gegen vier blau-gelbe Krätzchen einzutauschen”. Also Rübenkraut im Tausch gegen karnevalistische Kopfbedeckungen.

Die Bedeutung der Narrengarde für den Eschweiler Karneval - bereits 1957 trat die Gesellschaft dem Karnevalskomitee der (damals) Nachbarstadt bei - machte Küpper an zwei Zahlen fest. Einmal daran, dass mit dem jetzt als Prinz Karneval gewählten Alfred Wings bereits zum vierten Mal seit 1970 die Narrengarde einen Eschweiler Prinzen stellt, zum anderen, dass unter den jährlich 6500 Teilnehmern des Rosenmontagszuges allein 1200 aus Dürwiß kommen.

Der Dürwisser Straßenkarneval ist bekannt für seine fantasievollen Kostümgruppen. Ebenfalls weit über Dürwiß hinaus bekannt sind die Musiker aus Dürwiß. Das heutige Trompeterkorps „Die Kaafsäck” wurde am 5. März 1959 von 13 jungen Männern gegründet.

Patrick Nowicki, der seit zehn Jahren als Präsident an der Spitze der Narrengarde steht, führte humorvoll durch das Programm der Ausstellungseröffnung und dankte von Herzen allen Mitgliedern, die diese Ausstellung zusammengestellt haben, ebenso wie dem Förderverein Karnevalsmuseum Eschweiler, der die Narrengarde intensiv dabei unterstützt hat, und der Sparkasse Dürwiß, die nach 25 Jahren erneut eine Jubiläumsausstellung beheimatet. Gezeigt werden viele alte Fotos von den Elferräten, den Fußgruppen und Tanzgruppen, historische Programmzettel und - als sorgsam in einer Vitrine aufbewahrte Schätze - die vielen Orden der Gesellschaft.

Nowicki fand aber auch eindringlich ernste Worte zum Jubiläum seiner Karnevalsgesellschaft: „75 Jahre alt ist die Narrengarde. Seit 75 Jahren stellen sich Menschen ehrenamtlich in den Dienst des Vereins und machen vor allem eins, sie verbreiten Freude und Humor. Seit 75 Jahren setzen wir, die ganze Narrengarde-Familie, damit auch ein Zeichen gegen Not, gegen Elend, gegen Leid, ja sogar gegen Krieg und Gewalt. Ich finde, das ist wert, gezeigt zu werden.”

Gezeigt wird die Ausstellung bis zum 11. November zu den üblichen Öffnungszeiten in der Sparkasse an der Grünstraße. Die nos-talgische Jubiläumssitzung am 22.Oktober in der Festhalle Dürwiß, berichtete Nowicki, sei bereits ausverkauft. Einladen könne er aber herzlich zum Festkommers, der am folgenden Tag um 10.30 Uhr in der Festhalle beginnt, bei kostenlosem Eintritt und mittäglicher Erbsensuppe: „Vielleicht lohnt es sich, gar nicht erst ins Bett zu gehen...”
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